Die Union steht bei 20 Prozent, die AfD acht Punkte davor. Trotzdem behandelt die CDU eine konservative Zusammenarbeit weiterhin wie ein politisches Sakrileg.
Es gibt Zahlen, die kann man wegdiskutieren. Man kann sie relativieren, mit Fehlertoleranzen versehen, zum „Momentbild“ erklären oder darauf hinweisen, dass die nächste Bundestagswahl noch weit entfernt ist.
Und dann gibt es Zahlen, die irgendwann einfach nur noch wehtun.
Die neueste INSA-Umfrage vom 15. August 2026 ist eine solche Zahl:
- Die AfD liegt bei 28 Prozent,
- CDU/CSU kommen nur noch auf 20 Prozent.
- Die Grünen erreichen 13 Prozent,
- SPD und Linke jeweils 12 Prozent,
- die FDP 5 Prozent
- und das BSW 3 Prozent.
Bei der Bundestagswahl 2025 hatte die Union noch rund 28,5 Prozent erreicht. Die AfD kam damals auf 20,8 Prozent. In gerade einmal anderthalb Jahren haben sich die Verhältnisse damit nahezu umgekehrt.
Und trotzdem scheint im Konrad-Adenauer-Haus noch immer die Vorstellung vorzuherrschen, man müsse nur lange genug durchhalten, bis die Bürger wieder zur CDU zurückkehren.
Vielleicht sollte jemand dort einmal die Umfragen ausdrucken.
Von 28,5 auf 20 Prozent
Acht Prozentpunkte Vorsprung der AfD vor der Union sind keine statistische Fußnote mehr.
Noch bemerkenswerter ist die Entwicklung: Bereits Anfang August lag die AfD bei INSA bei 28 Prozent und die Union bei 21 Prozent. Jetzt sind es für CDU/CSU nur noch 20 Prozent.
Die Frage lautet deshalb längst nicht mehr:
Kann die AfD stärkste politische Kraft Deutschlands werden?
Das ist sie in dieser Umfrage bereits.
Die interessantere Frage lautet:
Wie tief muss die CDU eigentlich noch fallen, bevor sie ihre politische Strategie grundsätzlich überprüft?
18 Prozent?
16 Prozent?
Oder muss erst irgendwo im Osten eine Landtagswahl sämtliche bisherigen Gewissheiten pulverisieren?
Die Bürger verändern ihre Meinung. Die CDU offenbar nicht.
Politik hat eine bemerkenswerte Eigenschaft entwickelt: Wenn die Wähler nicht das tun, was Parteien von ihnen erwarten, werden nicht etwa die eigenen Entscheidungen hinterfragt.
Dann werden die Wähler analysiert.
Es werden Studien bestellt, Talkshows veranstaltet und Strategiepapiere geschrieben. Man untersucht „Protestpotentiale“, „Radikalisierungstendenzen“ und „demokratische Resilienz“.
Nur die einfachste Erklärung scheint kaum jemand ernsthaft prüfen zu wollen:
Vielleicht wollen Millionen Menschen schlicht eine andere Politik.
Migration. Energiepreise. Wirtschaft. Innere Sicherheit. Bürokratie. Steuern. Meinungsfreiheit. Ukrainepolitik. Renten. Infrastruktur.
Man kann über die Lösungen der AfD streiten. Man kann sie ablehnen. Man kann sie kritisieren.
Aber man kann schwerlich so tun, als wären 28 Prozent der Bevölkerung plötzlich aus Versehen beim falschen Kästchen gelandet.
Die sogenannte Brandmauer hat die AfD nicht kleiner gemacht
Das Ergebnis der jahrelangen Abgrenzungsstrategie lässt sich inzwischen ziemlich nüchtern betrachten.
Bei der Bundestagswahl 2025 bekam die AfD 20,8 Prozent.
Jetzt misst INSA 28 Prozent.
Eine bemerkenswert erfolgreiche Strategie zur Schwächung der AfD war die „Brandmauer“ also bisher nicht.
Selbst innerhalb der CDU wird deshalb inzwischen darüber diskutiert, ob die bisherige Strategie gescheitert ist. Der baden-württembergische CDU-Abgeordnete Manuel Hagel kritisierte beispielsweise die totale Abgrenzung, und auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer erklärte zuletzt, man müsse miteinander reden.
Doch die Parteiführung bleibt hart.
Kanzleramtsminister Thorsten Frei machte erst vor wenigen Tagen deutlich, dass eine Koalition mit der AfD auch nach einer Landtagswahl nicht infrage komme. Der entsprechende CDU-Grundsatzbeschluss gelte für alle Landesverbände.
Das ist zumindest konsequent.
Man fährt auf eine Wand zu und diskutiert darüber, ob der Sicherheitsgurt richtig sitzt.
Sachsen-Anhalt könnte zum politischen Erdbeben werden
Besonders deutlich zeigt sich das Problem derzeit in Sachsen-Anhalt.
Dort liegt die AfD wenige Wochen vor der Landtagswahl in Umfragen bei mehr als 40 Prozent und weit vor der CDU.
Und trotzdem lautet die Antwort der CDU weiterhin: keine Zusammenarbeit.
Damit entsteht eine bizarre Situation.
Je stärker die AfD wird, desto komplizierter müssen Koalitionen konstruiert werden, um sie von Regierungsverantwortung fernzuhalten.
Irgendwann bestehen solche Bündnisse dann aus Parteien, die politisch kaum noch etwas miteinander verbindet, außer der Tatsache, dass sie gemeinsam verhindern wollen, dass die stärkste Partei regiert.
Das mag parlamentarisch möglich sein.
Ob es politisch auf Dauer klug ist, steht auf einem anderen Blatt.
Warum eigentlich keine konservative Regierung?
Damit kommen wir zur Frage, vor der sich die CDU seit Jahren drückt.
Was wäre eigentlich so grundsätzlich undenkbar daran, irgendwann mit der AfD über eine bürgerlich-konservative Regierungsmehrheit zu sprechen?
- Nicht über bedingungslose Gefolgschaft.
- Nicht darüber, sämtliche Positionen der AfD zu übernehmen.
- Sondern über einen normalen Koalitionsvertrag.
- Migration begrenzen.
- Wirtschaft entlasten.
- Energie bezahlbarer machen.
- Bürokratie reduzieren.
- Innere Sicherheit stärken.
- Kommunen entlasten.
- Staatsausgaben überprüfen.
Und bei allen Punkten, bei denen keine Einigung möglich ist, gibt es eben keine Einigung.
So funktioniert Koalitionspolitik seit Bestehen der Bundesrepublik.
CDU und SPD sind schließlich auch keine ideologischen Zwillinge. Trotzdem regieren sie miteinander, wenn es parlamentarisch erforderlich erscheint.
Nur bei der AfD soll plötzlich gelten, dass bereits das Gespräch eine Art politische Kontamination darstellt.
Vielleicht sollte die CDU einmal ihren eigenen Wählern zuhören
Das eigentlich Gefährliche für die Union ist nicht die Stärke der AfD.
Es ist die Wanderungsbewegung.
Viele Menschen, die heute AfD wählen, haben früher CDU gewählt.
Das sind nicht über Nacht völlig andere Menschen geworden.
Sie haben vielmehr irgendwann beschlossen, dass die Union ihre politischen Vorstellungen nicht mehr vertritt.
Wer mit Bürgern an Informationsständen spricht, erlebt diese Verschiebung inzwischen unmittelbar: Menschen kommen nicht nur aus Protest, sondern erzählen, dass sie sich von Parteien, denen sie jahrzehntelang ihre Stimme gegeben haben, nicht mehr vertreten fühlen.
Natürlich ist das keine repräsentative Meinungsforschung.
Aber Wahlergebnisse und Umfragen zeigen, dass dahinter ein reales politisches Phänomen steckt.
Wie weit noch, CDU?
Die Union steht bei 20 Prozent.
Die AfD bei 28 Prozent.
Acht Punkte Abstand.
Und die politische Antwort der CDU lautet weiterhin sinngemäß:
Wir machen weiter wie bisher.
Man muss schon eine bemerkenswerte Portion Selbstvertrauen besitzen, um aus einem Absturz von 28,5 Prozent bei der Bundestagswahl auf aktuell 20 Prozent die Schlussfolgerung zu ziehen, dass vor allem die anderen ihr Verhalten ändern müssten.
Vielleicht kommt irgendwann der Moment, an dem die CDU sagt:
Wir haben verstanden.
Vielleicht erkennt sie dann, dass konservative Wähler nicht automatisch zur Union zurückkehren, nur weil man ihnen lange genug erklärt, dass es keine Alternative gebe.
Und vielleicht stellt sie sich schließlich die Frage, die angesichts der politischen Kräfteverhältnisse immer schwerer zu vermeiden sein wird:
Warum sollte eine CDU mit 20 Prozent dauerhaft bestimmen dürfen, mit wem eine AfD mit 28 Prozent überhaupt reden darf?
In einer Demokratie entscheidet am Ende nicht eine Parteizentrale darüber, welche politischen Mehrheiten legitim sind.
Das entscheiden die Wähler.
Und deren Botschaft wird von Umfrage zu Umfrage deutlicher.
Die CDU kann sie weiterhin ignorieren.
Sie sollte sich dann allerdings nicht wundern, wenn irgendwann nicht mehr darüber diskutiert wird, ob die Union noch einmal stärkste Kraft werden kann.
Sondern darüber, wie weit sie noch fallen wird, bevor sie endlich begreift, dass sich das Land längst bewegt hat.
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Denken sie dran: In Sachsen-Anhalt beginnt es und es wird das ganze Land erfassen.