Sven Schulze zeigt, warum Sachsen-Anhalt dringend einen Wechsel braucht
Die Sachsen-Anhalter sollten sich das mit Ulrich Siegmund vielleicht noch einmal überlegen. Denn was kann Siegmund schon bieten? Einen politischen Wechsel? Andere Mehrheiten? Einen neuen Kurs?
Langweilig.
Sven Schulze kann offenbar Menschen heilen.
Zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen, wenn man die Wahlwerbung der CDU betrachtet. Auf einem Motiv sitzt eine Frau im Rollstuhl. Auf einem anderen steht dieselbe Frau neben dem CDU-Spitzenkandidaten.
Meine Güte. Andere Politiker brauchen für ihre Wahlversprechen hundert Seiten Regierungsprogramm. Bei der CDU genügt offenbar ein Fototermin.
Hinsetzen. Schulze treffen. Aufstehen.
Wenn das kein überzeugendes Argument für Sven Schulze ist, was dann?
Ein Mann für alle medizinischen Fälle
Schulze hat inzwischen selbst auf den Spott reagiert und erklärt, er habe im Internet gelernt, dass er heilen könne. Wunder könne er leider nicht versprechen.
Schade eigentlich.
Denn genau hier hätte die CDU endlich eine Marktlücke gefunden.
Vergessen wir
- Hausärztemangel,
- Pflegekrise
- und monatelange Facharzttermine.
Sven Schulze könnte einfach durchs Land reisen.
„Sven kommt!“
Rollatoren wegstellen, Rollstühle zusammenklappen, Brillen abnehmen und Hörgeräte ausschalten.
Vielleicht funktioniert es ja.
Die CDU könnte gleich passende Wahlkampfveranstaltungen organisieren:
„Heilung vor Ort. Anschließend Bratwurst.“
Politik kann so einfach sein.
Dabei ist das eigentliche Problem viel schöner
Natürlich hat Schulze niemanden geheilt. Die Erklärung ist erheblich banaler: Dieselbe Frau wurde für unterschiedliche Motive in unterschiedlichen Situationen fotografiert.
Schulze selbst räumt inzwischen ein, das sei handwerklich „vielleicht nicht klug“ gewesen.
Vielleicht?
Das ist ungefähr so, als würde man mit dem Dienstwagen gegen das eigene Wahlplakat fahren und anschließend erklären, die Parkplatzwahl sei „möglicherweise nicht optimal“ gewesen.
Aber gerade deshalb ist diese Kampagne so herrlich symbolträchtig.
Eine Partei versucht mit perfekt inszenierten Bildern Nähe, Fürsorge und soziale Verantwortung zu vermitteln und produziert dabei ein Motiv, das im Internet binnen kürzester Zeit zur Wunderheiler-Parodie wird.
Man könnte fast meinen, irgendwo in der CDU-Wahlkampfzentrale säße jemand mit dem Auftrag:
„Wie schaffen wir es heute, der AfD kostenlos Reichweite zu verschaffen?“
Mission erfüllt.
Schulze ist tatsächlich eine hervorragende Werbeikone
Nur möglicherweise nicht für das Produkt, für das er werben möchte.
Denn dieses kleine Plakatdesaster lässt sich wunderbar als Sinnbild für eine politische Partei lesen, die ihre Botschaften immer aufwendiger inszenieren muss, während immer mehr Bürger fragen, was hinter den Bildern eigentlich noch steckt.
Ein bisschen Kulisse hier.
Ein bisschen Betroffenheit dort.
Ein bisschen Bürgernähe fürs Foto.
Und wenn die Inszenierung auffliegt, erklärt man anschließend, das sei handwerklich eben nicht ganz glücklich gewesen.
Willkommen beim modernen CDU-Wahlkampf.
Vielleicht liegt genau darin Schulzes größte politische Leistung: Er liefert unfreiwillig ein ausgezeichnetes Argument dafür, dass Sachsen-Anhalt einen Wechsel gebrauchen könnte.
Denn wer nach all den Jahren immer noch hauptsächlich erklären muss, warum seine eigene Werbung anders gemeint war, sollte sich nicht wundern, wenn die Bürger irgendwann beschließen, nicht nur das Wahlplakat auszutauschen.
Sondern die Politik dahinter.
Der wahre Wunderheiler könnte am Ende der Wähler sein
Deshalb sollte man Sven Schulze keineswegs unterschätzen.
Der Mann könnte tatsächlich ein Wunder vollbringen.
Er könnte mit einer einzigen Wahlkampagne Menschen dazu bringen, über politische Alternativen nachzudenken, die das vorher vielleicht noch nicht getan haben.
Das wäre dann allerdings ein Wunder, auf das die CDU vermutlich lieber verzichtet hätte.
Und sollte Ulrich Siegmund am Wahlabend besonders gut abschneiden, könnte man sich in der CDU-Zentrale wenigstens trösten:
Die Frau auf dem Plakat konnte plötzlich stehen.
Nur die CDU möglicherweise nicht mehr.
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