Johann Wadephul hat offenbar eine neue Methode der Außenpolitik entdeckt: Man liest dem Gegenüber die eigene Haltung vor, nennt das ein „klares Signal“ – und wundert sich anschließend, wenn der Gesprächspartner keinen Grund sieht, noch einmal anzurufen.
Das Treffen mit Sergej Lawrow in New York war die seltene Gelegenheit, tatsächlich miteinander zu reden. Heraus kam offenbar vor allem ein Austausch von Vorwürfen und vorbereiteten Botschaften. Lawrow spottete, Wadephul hätte ihm seine Erklärung auch am Telefon vorlesen können. Wadephul wiederum will Gespräche nur fortsetzen, wenn sie auf dem passenden „Niveau“ stattfinden. Auf welchem genau, blieb vermutlich im Papierstapel verborgen. n-tv.de
Besonders großzügig klingt Wadephuls Angebot, die Gespräche fortzuführen – sofern Lawrow sich künftig an die diplomatische Dramaturgie hält. Der Minister spricht, der russische Kollege hört zu, danach wird das Ergebnis als klares Signal verkündet. So sieht offenbar Diplomatie aus, wenn man sie mit einer Presseerklärung verwechselt.
Auch beim Waffenstillstand wird es groß. Wadephul fordert eine Feuerpause im Schwarzen Meer, damit Getreideexporte wieder möglich werden. Sonst drohten Hunger, Destabilisierung und Flüchtlingsströme bis nach Europa. Das ist ein ernstes Problem. Aber wenn der Außenminister die Folgen des Krieges benennt, ersetzt das noch keine Verhandlung. Und eine Warnung an Russland wird nicht dadurch wirksamer, dass man sie zum wiederholten Mal vorliest. Auswärtiges Amt
Beim Leipziger Flughafen bleibt die Bundesregierung bei ihrer Zuschreibung an Russland; Moskau bestreitet die Verantwortung. Wadephul hat Lawrow nach eigener Darstellung deutlich gemacht, Deutschland werde ein solches Verhalten nicht dulden. Ein „klares Signal“ also – nur ist nach dem Treffen vor allem klar, dass beide Seiten nicht einmal dieselbe Geschichte über den Anlass und den Verlauf erzählen. Bundesregierung
Vielleicht ist Wadephul tatsächlich ein vollendeter Diplomat. Schließlich kann nicht jeder aus einem Gespräch ohne Fortschritt ein „intensives Treffen“ machen, aus einer Warnung eine Staatskunst und aus dem Ablesen vom Papier eine außenpolitische Leistung. Badeful – pardon: Wadephul – hat gesprochen. Das Signal ist angekommen. Ob es auch jemand verstanden hat, ist eine andere Frage.
Quellen
- Auswärtiges Amt: Wadephuls Erklärung zur Ukraine und zum Schwarzen Meer
- n-tv: Wadephul über das Treffen mit Lawrow
- Berliner Zeitung: Offene Fragen zum Treffen und zum Leipziger Drohnenfall
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