Vom „Reservistenkonzept“ zum Volkssturm 2.0?

Während die Infrastruktur bröckelt, die Wirtschaft stagniert und immer neue Milliarden ins Ausland fließen, arbeitet das Verteidigungsministerium mit Hochdruck an einer massiven Ausweitung der Bundeswehr-Reserve. Bis 2035 sollen nicht nur rund 260.000 aktive Soldaten bereitstehen, sondern zusätzlich 200.000 Reservisten. Gleichzeitig wird offen darüber diskutiert, die Reservepflicht deutlich auszuweiten und ehemalige Soldaten verpflichtend zu Übungen heranzuziehen.

Was hier offiziell als „Stärkung der Verteidigungsfähigkeit“ verkauft wird, wirft für viele Bürger eine ganz andere Frage auf:

Wie weit will man Deutschland eigentlich militarisieren?

Jahrelang hieß es, die Wehrpflicht sei überholt. Die Bundeswehr wurde verkleinert, Kasernen geschlossen, Material verschrottet. Nun scheint plötzlich das Gegenteil zu gelten. Männer zwischen 17 und 45 Jahren geraten wieder stärker in den Fokus staatlicher Erfassung. Gleichzeitig wird über höhere Altersgrenzen für Reservisten bis hin zu 70 Jahren diskutiert.

Für viele Menschen entsteht dabei ein beunruhigendes Bild:

Erst erklärt man der Bevölkerung jahrelang, militärische Landesverteidigung spiele kaum noch eine Rolle. Dann wird nahezu täglich vor einem möglichen großen Krieg in Europa gewarnt. Anschließend sollen Hunderttausende Bürger für Reserve- und Wehrdienstmodelle erfasst werden.

Man könnte fast meinen, Deutschland bereitet sich nicht mehr auf Frieden vor, sondern verwaltet bereits den Ausnahmezustand von morgen.

Besonders kritisch erscheint die politische Kommunikation. Während man einerseits betont, es gebe keine klassische Wehrpflicht, werden gleichzeitig immer neue Verpflichtungen diskutiert. Fragebögen, Musterungen, Reserveübungen, mögliche Dienstpflichten – Stück für Stück entsteht ein System, das viele Bürger längst an vergangene Zeiten erinnert.

Natürlich hat jeder Staat das Recht, sich verteidigen zu können. Darüber besteht kaum Streit. Die eigentliche Frage lautet jedoch:

Warum wirkt die Bundesregierung bei Straßen, Schulen, Wohnungsbau, innerer Sicherheit und wirtschaftlicher Stabilität oft erstaunlich hilflos – entwickelt aber plötzlich eine beeindruckende Energie, wenn es um Aufrüstung, Truppenstärken und Reservistenregister geht?

Während Rentner Pfandflaschen sammeln, Kommunen ihre Schwimmbäder schließen und Unternehmen Deutschland verlassen, wird parallel über Hunderttausende zusätzliche Reservisten gesprochen.

Mancher Bürger dürfte sich fragen, ob die politische Führung überhaupt noch daran arbeitet, das Land lebenswert zu machen – oder nur noch darauf, es kriegstüchtig zu machen.

Der Begriff „Volkssturm“ wäre historisch sicherlich überzogen. Doch die Tatsache, dass immer größere Teile der Bevölkerung militärisch erfasst, organisiert und verfügbar gehalten werden sollen, lässt bei vielen unangenehme Erinnerungen aufkommen.

Vielleicht wäre die wichtigste Verteidigung Deutschlands ohnehin nicht die Rekrutierung weiterer Reservisten.

Vielleicht wäre sie eine Politik, die dafür sorgt, dass die Menschen überhaupt noch etwas haben, das sie verteidigen wollen.


Die Pläne des Verteidigungsministeriums sehen tatsächlich einen starken Ausbau der Reserve vor. Zielgrößen von 260.000 aktiven Soldaten und 200.000 Reservisten werden offiziell mit NATO-Anforderungen und der veränderten Sicherheitslage in Europa begründet.


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