Deutschland ist wirklich ein erstaunliches Land. In kaum einem anderen Staat wird so viel Wert auf Zeugnisse, Abschlüsse und Qualifikationen gelegt. Für den öffentlichen Dienst braucht man Laufbahnbefähigungen. Für das Handwerk eine Meisterprüfung. Für Ärzte ein Studium und Staatsexamen. Für Richter jahrzehntelange juristische Ausbildung. Für einen Elektriker reicht nicht einmal Talent, sondern es braucht eine abgeschlossene Berufsausbildung.
Und dann kommt der Thüringer Landtag.
Dort soll plötzlich ein Mann als Sachverständiger für ein mögliches AfD-Verbotsverfahren auftreten, dessen berufliche Qualifikation sich auf eines reduziert: Er ist ein sehr erfolgreicher Entertainer.
Hape Kerkeling hat zweifellos Millionen Menschen hervorragend unterhalten. Das ist eine Leistung, die ihm niemand nehmen kann.

Doch wenn es um seine fachliche Qualifikation geht, wird die Luft bemerkenswert dünn.
Keine Berufsausbildung.
Kein Studium.
Kein juristisches Staatsexamen.
Keine Promotion.
Keine Habilitation.
Keine Tätigkeit als Richter.
Keine Tätigkeit als Staatsanwalt.
Keine Professur für Verfassungsrecht.
Nicht einmal eine abgeschlossene Berufsausbildung irgendeiner Art.
Kurz gesagt: Der Mann verfügt über keine formale fachliche Ausbildung, die ihn als Experten für Staats- oder Verfassungsrecht ausweisen würde.
Und genau dieser Mensch soll einem Parlament erläutern, unter welchen Voraussetzungen eine demokratisch gewählte Partei verboten werden kann.
Man stelle sich dieselbe Logik in anderen Bereichen vor.
Der Herzchirurg fällt aus? Kein Problem. Hape übernimmt.
Die Brücke über die Autobahn muss berechnet werden? Hape kennt bestimmt einen guten Witz darüber.
Das Finanzministerium sucht einen Experten für Geldpolitik? Warum nicht ein Fernsehkoch?
Es wäre zum Lachen, wenn es nicht um eines der schärfsten Instrumente des Grundgesetzes ginge.
Ein Parteiverbot ist kein Sketch. Kein Unterhaltungsformat. Kein Karnevalsauftritt. Es ist ein gravierender Eingriff in die demokratische Ordnung und verlangt höchste juristische Präzision.
Dass ein Entertainer eine Einladung annimmt, ist nachvollziehbar. Warum sollte er sie ausschlagen?
Die eigentliche Frage richtet sich an diejenigen, die ihn eingeladen haben.
War unter den tausenden Professoren für Staatsrecht, ehemaligen Richtern, Verfassungsrechtlern und Juristen Deutschlands wirklich niemand zu finden? Oder war Prominenz schlicht wichtiger als Qualifikation?
Vielleicht lautet die neue Devise deutscher Politik inzwischen: Wer genügend Fernsehkameras kennt, kennt automatisch auch das Grundgesetz.
Dann brauchen wir uns über den Zustand politischer Debatten allerdings nicht mehr zu wundern. Die Republik entwickelt sich langsam von einer parlamentarischen Demokratie zu einer Dauerfolge von „Verstehen Sie Spaß?“.
Thüringer Landtag: Hape Kerkeling für Anhörung zu AfD-Verbot geladen | DIE ZEIT
Einladung nach Thüringen: Hape Kerkeling soll zu AfD-Verbot aussagen | Politik | BILD.de
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