Es gibt Meldungen, bei denen man zunächst prüft, ob das Datum vielleicht doch der 1. April ist.
Ein ICE auf dem Weg von Sylt nach Berlin legt einen außerplanmäßigen Halt ein. Nicht wegen eines technischen Defekts. Nicht wegen eines Sturms. Nicht wegen einer Signalstörung. Nicht wegen einer maroden Brücke.
Nein.
Es fehlte Toilettenpapier.
Der Zugchef steigt aus, marschiert zum Supermarkt, kauft drei Packungen Klopapier und versorgt anschließend den Hochgeschwindigkeitszug der Deutschen Bahn. Willkommen im Deutschland des Jahres 2026. Der Mann des Tages war offenbar nicht Lokführer, sondern kurzfristig Einkaufsleiter, Logistikmanager und Sanitärbeauftragter in Personalunion.
Man muss der Bahn allerdings eines lassen: Sie findet wirklich immer neue Gründe für Verspätungen. Signalstörung, Weichenstörung, Oberleitungsschaden, Person im Gleis, Notarzteinsatz, verspätete Bereitstellung des Zuges, defekte Klimaanlage, fehlendes Personal…
…und nun eben: „Bitte entschuldigen Sie die Verzögerung. Unser ICE musste kurz zum Wocheneinkauf.“
Was kommt als Nächstes?
„Der Zug verspätet sich um 18 Minuten. Der Fahrer musste noch Katzenstreu kaufen.“
Oder:
„Außerplanmäßiger Halt wegen fehlender Kaffeefilter.“
Vielleicht erleben wir bald den ersten ICE, der wegen vergessener Butter noch schnell beim Discounter hält.
Dabei wirbt die Deutsche Bahn seit Jahren mit Digitalisierung, Hightech und Milliardeninvestitionen. Sensoren überwachen Achsen. Satelliten verfolgen Züge. Künstliche Intelligenz soll Fahrpläne optimieren.
Offenbar gibt es aber noch keinen Sensor, der meldet: „Achtung, in Wagen 24 wird es bald unerquicklich.“
Das ist eigentlich die Pointe dieser Geschichte. Nicht das Klopapier selbst, sondern dass ein milliardenschwerer Staatskonzern anscheinend keinen funktionierenden Prozess besitzt, um einen Fernzug vor Abfahrt mit einem Verbrauchsartikel im Wert von wenigen Euro auszustatten.
Die Fahrgäste dürften sich immerhin gefreut haben. Zum ersten Mal seit langer Zeit konnte ein ICE glaubhaft behaupten, wegen eines echten Notfalls angehalten zu haben.
Und vielleicht sollte die Bahn das Ganze offensiv vermarkten.
ICE Plus Premium.
Mit WLAN (wenn es funktioniert), Klimaanlage (wenn sie Lust hat), Steckdosen (je nach Wagen) und Toilettenpapier (solange der Supermarkt geöffnet hat).
Man muss schließlich Prioritäten setzen.
Deutschland wollte einmal Exportweltmeister für Ingenieurskunst sein. Heute berichtet man darüber, dass ein Hochgeschwindigkeitszug seine Reise unterbrechen muss, weil niemand daran gedacht hat, genügend Toilettenpapier einzuladen.
Es ist keine Katastrophe.
Aber es ist eine jener wunderbar absurden Geschichten, die so perfekt in die Gegenwart passen, dass man sie sich als Satire kaum besser hätte ausdenken können.
Man behalte immer im Hinterkopf, dass es Deutschland ist, dass sich mit dem mächtigsten Land dieser Erde messen will und die Konfrontation mit Russland sucht. An Kleinigkeiten scheitert es aber schon in dieser Mangelwirtschaft. Der Schaffner hatte dabei noch riesiges Glück, denn wenn gerade wieder rationiert worden wäre, hätte er nur ein Paket erhalten.











