Ein mit Ebola infizierter US-Staatsbürger wird derzeit in der Sonderisolierstation der Universitätsklinik Frankfurt behandelt. Bereits im Mai wurde ein weiterer Ebola-Patient an der Berliner Charité versorgt. Medizinisch ist das zunächst einmal eine gute Nachricht: Deutschland verfügt über hochspezialisierte Zentren, die auch mit hochgefährlichen Infektionskrankheiten umgehen können. Genau dafür wurden sie geschaffen.
Doch neben der medizinischen stellt sich zwangsläufig auch eine politische und finanzielle Frage.
Warum wird ein US-Bürger nicht in den Vereinigten Staaten behandelt, sondern nach Deutschland ausgeflogen?
Als Begründung wird auf die kürzere Flugzeit aus dem Kongo und die ausgezeichnete deutsche Infrastruktur verwiesen. Das mag aus medizinischer Sicht nachvollziehbar sein. Je schneller ein schwerkranker Patient eine spezialisierte Behandlung erhält, desto besser können seine Überlebenschancen sein.
Nur endet die Diskussion dort eben nicht.
Wer trägt die Kosten dieses aufwendigen Einsatzes?
Ein Transport unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen, Spezialflugzeuge, Sonderisolierstationen, speziell geschultes Personal, Schutzkleidung, Laboruntersuchungen und tagelange intensivmedizinische Betreuung kosten erhebliche Summen. Solche Behandlungen bewegen sich je nach Verlauf schnell im sechs- bis siebenstelligen Bereich.
Deshalb muss eine einfache Frage erlaubt sein:
Wer bezahlt das?
Übernimmt die US-Regierung sämtliche Kosten? Springt die Krankenversicherung des Patienten ein? Gibt es bilaterale Vereinbarungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten? Oder bleibt am Ende ein Teil der finanziellen Last beim deutschen Gesundheitssystem und damit mittelbar bei den Beitragszahlern?
Gerade in einer Zeit, in der Krankenkassen vor steigenden Defiziten warnen, Zusatzbeiträge steigen und Patienten immer häufiger erleben, dass Leistungen gekürzt oder Wartezeiten länger werden, ist Transparenz keine Nebensache, sondern eine Selbstverständlichkeit.
Ebenso darf man die geopolitische Dimension zumindest ansprechen.
Die Vereinigten Staaten verfügen selbst über mehrere Hochsicherheitszentren zur Behandlung hochinfektiöser Erkrankungen. Trotzdem werden einzelne Patienten immer wieder in Partnerstaaten behandelt. Das wirft Fragen auf, ohne dass daraus automatisch ein Vorwurf folgt. Internationale Zusammenarbeit ist sinnvoll und oft lebensrettend. Sie setzt allerdings voraus, dass Zuständigkeiten, Finanzierung und Verantwortlichkeiten offen kommuniziert werden.
Gerade weil in der Vergangenheit immer wieder kontroverse Debatten über internationale Forschungseinrichtungen und Biolabore geführt wurden, wäre es klug, solche Einsätze besonders transparent zu erklären. Wer nachvollziehbar informiert, nimmt Spekulationen den Nährboden.
Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass einem schwerkranken Menschen geholfen werden sollte. Medizin kennt keine Nationalität.
Aber genauso wenig sollte es tabu sein zu fragen, wer die Rechnung bezahlt.
Denn Solidarität ist keine Einbahnstraße. Wenn Deutschland seine hochspezialisierte medizinische Infrastruktur international zur Verfügung stellt, dann darf die Öffentlichkeit erwarten, dass die finanziellen Rahmenbedingungen klar benannt werden. Andernfalls bleibt bei vielen Bürgern der Eindruck zurück, dass Deutschland nicht nur medizinisch einspringt, sondern am Ende auch noch die Rechnung übernimmt.
Und genau dieser Eindruck trägt kaum dazu bei, das Vertrauen in ein ohnehin finanziell stark belastetes Gesundheitssystem zu stärken.











