Deutschland diskutiert. China entwickelt.

Es ist schon beeindruckend, wie unterschiedlich Staaten ihre Prioritäten setzen.

Während in Deutschland darüber debattiert wird, ob ein Funkmast möglicherweise das Landschaftsbild stört, ein Bahnhof drei Jahrzehnte Bauzeit benötigt und der nächste Zug seine Verspätung inzwischen routiniert in Minuten statt in Stunden misst, tauchen aus China Berichte über Waffensysteme auf, die im Ernstfall Satelliten mit Mikrowellenstrahlung außer Gefecht setzen könnten.

Ob jedes technische Detail dieser Meldungen stimmt, wird sich zeigen. Doch eines steht fest: China investiert mit enormer Konsequenz in Forschung, Entwicklung und industrielle Leistungsfähigkeit. Deutschland investiert häufig erst einmal in Arbeitskreise, Gutachten, Beteiligungsverfahren, Nachhaltigkeitsbewertungen und anschließend in die Suche nach dem Verantwortlichen, warum trotzdem nichts funktioniert.

Der Unterschied könnte größer kaum sein.

Hierzulande freut man sich, wenn irgendwo endlich ein Funkloch geschlossen wird. Dort denkt man angeblich bereits darüber nach, wie man ganze Satellitenkonstellationen lahmlegen könnte.

Deutschland kämpft mit Mobilfunk.

China möglicherweise mit Weltraumkrieg.

Während deutsche Bürger noch darüber rätseln, ob sie auf einer ICE-Strecke überhaupt Empfang haben werden, beschäftigen sich chinesische Ingenieure offenbar mit Technologien, die Kommunikationssatelliten stören könnten. Das ist ungefähr so, als würde der eine Nachbar stolz seinen neuen Gartenschlauch präsentieren, während der andere gerade einen Düsenjet fertig entwickelt.

Und genau hier liegt das eigentliche Problem.

Nicht die chinesische Technik sollte uns schlaflose Nächte bereiten.

Sondern unsere eigene Selbstzufriedenheit.

Deutschland war einmal das Land der Ingenieure. Das Land, das Maschinen baute, die weltweit Maßstäbe setzten. Das Land, in dem Präzision und Innovation selbstverständlich waren.

Heute diskutieren wir monatelang über Genehmigungen für Windräder, Glasfaseranschlüsse oder Brückensanierungen. Digitalisierung bedeutet vielerorts noch immer, dass man ein Formular ausdruckt, unterschreibt und anschließend wieder einscannt.

Die Chinesen dürften darüber herzlich lachen.

Denn während wir uns gegenseitig erklären, warum etwas leider nicht geht, fragen sie sich offenbar nur noch, wie man es möglichst schnell möglich macht.

Natürlich hat Deutschland andere Werte als eine autoritär regierte Volksrepublik. Das ist gut so. Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und demokratische Kontrolle sind keine Schwächen, sondern Errungenschaften.

Aber Demokratie ist keine Entschuldigung für chronische Langsamkeit.

Bürokratie ist kein Naturgesetz.

Und mangelnder Ehrgeiz schon gar nicht.

Vielleicht sollten wir uns weniger damit beschäftigen, wie viele Formulare ein Bauantrag umfasst, und wieder mehr damit, wie man Weltspitze wird.

Denn wenn andere Staaten über Technologien nachdenken, die Satelliten im All bedrohen könnten, während wir noch immer Funklöcher auf Bundesstraßen kartieren, dann läuft irgendwo gewaltig etwas schief.

Nicht, weil China so stark geworden ist.

Sondern weil Deutschland vergessen hat, wie leistungsfähig es selbst einmal war.

Ironischerweise wäre schon ein stabiler Handyempfang auf einer ICE-Strecke für viele Bürger ein technologischer Durchbruch. Der Weltraum kann danach kommen. Oder wenigstens pünktliche Regionalbahnen. Die Messlatte liegt inzwischen erschreckend niedrig.

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