Es gibt Momente in der Politik, in denen man sich fragt, wo eigentlich die Grenze zwischen Diplomatie und Anbiederung verläuft. Die jüngsten Aussagen von Außenminister Johann Wadephul, Donald Trump habe „in der Sache schon recht“, gehören für mich genau in diese Kategorie.
Natürlich kann und muss man Verbündeten widersprechen. Natürlich kann man auch anerkennen, wenn Kritik an europäischen Verteidigungsausgaben berechtigt ist. Aber der Ton, die Wirkung und vor allem die politische Symbolik machen den Unterschied.
In meinen Augen entsteht der Eindruck, dass manche europäische Politiker inzwischen glauben, man müsse möglichst tief vor Donald Trump den Kopf senken, um in Washington überhaupt noch wahrgenommen zu werden. Das halte ich für einen fatalen Irrweg.

Donald Trump ist für mich kein Staatsmann, an dem sich Europa orientieren sollte. In meinen Augen ist er ein machtbesessener Politiker, der Konflikte lieber eskaliert als entschärft. In meinen Augen ist er ein kriegsfreudiger Populist, der internationale Beziehungen häufig wie Immobiliengeschäfte behandelt: Wer zahlt, bekommt Aufmerksamkeit. Wer widerspricht, bekommt Drohungen. Das ist ausdrücklich meine persönliche Bewertung.
Gerade deshalb irritiert es mich, wenn deutsche Spitzenpolitiker beinahe reflexartig betonen, Trump habe doch irgendwie recht. Warum eigentlich? Muss heute jeder Satz aus Washington mit einem Knicks beantwortet werden? Ist selbstbewusste Außenpolitik inzwischen durch vorauseilenden Gehorsam ersetzt worden?
Deutschland ist kein Bundesstaat der USA. Europa ist kein Anhängsel amerikanischer Innenpolitik. Unsere Außenminister sollten deutsche und europäische Interessen vertreten, nicht den Eindruck vermitteln, als müsse man sich ständig die Anerkennung eines amerikanischen Präsidenten verdienen.
Respekt zwischen Partnern entsteht auf Augenhöhe. Nicht durch Unterwürfigkeit.
Wer Donald Trump kennt, weiß außerdem: Nachgeben führt selten zu Respekt. Es führt meist nur zur nächsten Forderung. Wer heute fünf Prozent verlangt, fordert morgen vielleicht sieben. Wer heute mehr Waffen verlangt, fordert morgen mehr Soldaten. Wer heute Zölle androht, droht morgen mit dem Abzug von Truppen. Diese Dynamik hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt.
Deshalb wünsche ich mir Politiker, die freundlich, aber klar auftreten. Politiker, die auch einem amerikanischen Präsidenten widersprechen können, wenn deutsche Interessen auf dem Spiel stehen. Nicht Politiker, deren wichtigste außenpolitische Disziplin darin besteht, möglichst konfliktfrei durch das Oval Office zu kommen.
Verbündete begegnen sich mit Respekt. Vasallen suchen Anerkennung.
Und genau diesen Unterschied sollte deutsche Außenpolitik niemals vergessen.











