Aus purer Nächstenliebe: Der Staat rettet uns vor uns selbst

Man muss sie einfach liebhaben, diese herzensguten Menschen in der Bundesregierung.

Völlig selbstlos sorgen sie sich um unsere Gesundheit. Nicht um den Haushalt. Nicht um Milliardenlöcher. Nein, ausschließlich um unser Wohlergehen. Deshalb werden Zigaretten teurer. Alkohol ebenfalls. Schließlich ist Fürsorge am glaubwürdigsten, wenn sie mit einer Steuerquittung einhergeht.

Der moderne Staat ist eben wie ein liebevoller Erziehungsberechtigter. Er weiß besser als der mündige Bürger, was gut für ihn ist. Wer nach Feierabend ein Bier trinken oder sich am Wochenende einen guten Whisky gönnen möchte, wird sanft daran erinnert, dass Tugend ihren Preis hat. Genauer gesagt: einen höheren.

Besonders rührend ist die Begründung: „Was krank macht, wird teurer.“ Ein wunderbarer Grundsatz.

Bleibt nur die Frage, warum Fast Food nicht längst mit Gold aufgewogen wird. Warum Übergewicht nicht kilometerweise besteuert wird. Warum Schlafmangel, Stress, Burn-out und stundenlanges Scrollen auf dem Smartphone noch steuerlich vergleichsweise glimpflich davonkommen. Vielleicht arbeitet man bereits daran. Der Fantasie sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt, wenn zusätzliche Einnahmen winken.

Bemerkenswert ist auch der pädagogische Ansatz. Offenbar glaubt man ernsthaft, dass Menschen ihre Gewohnheiten ändern, sobald der Staat den Preis erhöht. Als hätte es Schmuggel, Einkaufstourismus oder Schwarzmärkte nie gegeben. Der Mensch ist schließlich ein vernünftiges Wesen. Er zahlt einfach mehr, bedankt sich höflich und fühlt sich anschließend gesünder.

Natürlich geschieht das alles ausschließlich aus Menschenliebe. Dass dabei Milliarden zusätzlich in die Staatskasse fließen, ist reiner Zufall. Eine glückliche Begleiterscheinung. So wie Regen beim Autowaschen.

Der Bürger darf sich deshalb glücklich schätzen. Er wird nicht nur regiert, sondern geradezu umsorgt. Jede Steuer ist ein Akt staatlicher Zuneigung. Jede Abgabe eine Umarmung des Finanzministeriums. Jeder Griff ins Portemonnaie ein Ausdruck tiefer Fürsorge.

Vielleicht sollte man diesen Gedanken konsequent weiterentwickeln.

Schokolade macht dick. Steuer drauf.

Kaffee erhöht den Blutdruck. Steuer drauf.

Steaks sind klimaschädlich. Steuer drauf.

Butter enthält Fett. Steuer drauf.

Fernsehen fördert Bewegungsmangel. Mediengesundheitsabgabe.

Autos verursachen Stress. Mobilitätsvorsorgeabgabe.

Nach dem Evangelium des guten Hirten Friedrich
Und selbst wenn wir durch das Tal steigender Preise und neuer Abgaben ziehen, verzagen wir nicht.
Denn unser guter Hirte Friedrich wacht über uns.
Sein Hirtenstab weist uns zuverlässig den Weg zur nächsten Steuererhöhung, und sein Stecken erinnert uns liebevoll daran, dass alles nur zu unserem Besten geschieht.
Er führt seine Herde auf saftige Weiden… sofern diese noch nicht mit einer Klima-, Zucker-, Alkohol-, Tabak- oder sonstigen Lenkungsabgabe belegt wurden.
Er zählt nicht seine Schafe, sondern ihre Steuerkraft.
Und wenn eines der Schafe murrt, erklärt er ihm geduldig, dass Freiheit zwar schön sei, Fürsorge durch den Staat aber noch viel schöner.
Der Kelch der Abgaben fließt über, doch wir sollen ihn mit Dankbarkeit leeren.
Denn wahrlich: Nicht wir folgen dem Hirten, sondern der Hirte folgt stets unserem Wohl. Jedenfalls wird uns das versichert.
Und so ziehen wir weiter, geschniegelt, belehrt und fiskalisch geschoren, in der festen Zuversicht, dass die nächste Steuererhöhung ganz bestimmt die letzte sein wird.
Amen.

Wer dann irgendwann morgens aufsteht, tief durchatmet und feststellt, dass das Atmen noch kostenlos ist, sollte diesen historischen Moment genießen. Denn irgendwo im Ministerium wird bestimmt bereits eine Expertenkommission eingesetzt, die prüft, ob Sauerstoff nicht ebenfalls einen angemessenen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten könnte.

Alles selbstverständlich nur zu unserem Besten.

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