Es gibt politische Entscheidungen, bei denen man sich fragt, ob sie überhaupt noch jemand erklären kann, ohne dabei rot zu werden.
Deutschland beteiligt sich an Waffenlieferungen für Israel, unterstützt die israelische Regierung politisch und diplomatisch, betont regelmäßig das besondere Verhältnis zwischen beiden Staaten und verweist auf die deutsche Staatsräson. Gleichzeitig sagt Deutschland nun gemeinsam mit anderen Gebern fast 900 Millionen Euro für den Wiederaufbau des Gazastreifens zu.
Mit anderen Worten: Erst finanziert der Westen indirekt einen Krieg mit, anschließend finanziert er die Beseitigung seiner Folgen.
Wer soll diese Logik eigentlich noch nachvollziehen?
Die Bundesregierung spricht von humanitärer Verantwortung. Die EU-Kommission bezeichnet die Geberkonferenz als Erfolg. Natürlich muss den Menschen im Gazastreifen geholfen werden. Daran kann es keinen Zweifel geben. Hunderttausende Zivilisten haben unermessliches Leid erfahren und benötigen dringend Unterstützung.
Doch genau an diesem Punkt beginnt die politische Doppelmoral.
Während man Milliarden in militärische Unterstützung investiert oder diese politisch mitträgt, werden wenige Monate später weitere Milliarden für den Wiederaufbau bereitgestellt. Bezahlt wird am Ende wieder vom Steuerzahler. Nicht von denjenigen, die politische Entscheidungen treffen. Nicht von den Verantwortlichen auf den Schlachtfeldern. Sondern von den Bürgern.
Besonders irritierend wirkt dabei der Umgang mit Benjamin Netanjahu. Gegen ihn besteht ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs. Gleichzeitig wird darüber diskutiert, wie mit einem Besuch des israelischen Ministerpräsidenten umzugehen wäre. Wer ständig von einer regelbasierten internationalen Ordnung spricht, muss sich die Frage gefallen lassen, ob diese Regeln tatsächlich für alle gelten oder nur für diejenigen, bei denen es politisch gerade passt.
Genau darin liegt das eigentliche Problem.
Völkerrecht darf keine Speisekarte sein, aus der man sich nur die Gerichte aussucht, die dem eigenen Geschmack entsprechen. Entweder internationale Gerichte verdienen Respekt, auch wenn ihre Entscheidungen politisch unbequem sind, oder sie verlieren ihre Glaubwürdigkeit.
Dasselbe gilt für Menschenrechte.
Sie dürfen nicht vom Pass abhängen, nicht von der Flagge und auch nicht davon, welcher Verbündete gerade betroffen ist.
Wer Frieden wirklich will, muss politische Lösungen fördern, bevor Städte in Schutt und Asche liegen. Wer immer erst nach der Zerstörung den Geldbeutel öffnet, betreibt keine weitsichtige Außenpolitik, sondern teure Schadensbegrenzung.
Am Ende bleibt deshalb eine unbequeme Frage:
Wie glaubwürdig ist eine Politik, die gleichzeitig Waffenlieferungen unterstützt, den Wiederaufbau finanziert, von Menschenrechten spricht und dabei den Eindruck erweckt, dass internationale Maßstäbe je nach politischer Interessenlage unterschiedlich angewendet werden?
Diese Frage verdient eine ehrliche Antwort. Bisher liefert die Politik vor allem eines: teure Widersprüche.












