Unternehmen, Schauspieler, Musiker und andere Persönlichkeiten haben sich öffentlich gegen die AfD, gegen einzelne ihrer Positionen oder gegen eine politische Zusammenarbeit mit ihr ausgesprochen. Diese Stellungnahmen sind Teil der öffentlichen Debatte. Wer sie in Erinnerung ruft, erstellt damit keine schwarze Liste und brandmarkt niemanden: Die genannten Akteure haben den Schritt in die Öffentlichkeit selbst gewählt.
Dabei unterscheiden sich die Positionierungen. Eine ausdrückliche Ablehnung der AfD, die Unterstützung eines Verbotsverfahrens und die Teilnahme an einer allgemeinen Kampagne gegen Rechtsextremismus sind unterschiedliche Aussagen. Ebenso muss zwischen einer Unternehmensentscheidung und der persönlichen Stellungnahme eines Eigentümers oder Vorstandschefs unterschieden werden.
Unternehmen und ihre Führungspersönlichkeiten
Rossmann, Vorwerk und fritz-kola kündigten 2025 ihre Mitgliedschaft im Verband „Die Familienunternehmer“ wegen dessen Öffnung für Gespräche mit der AfD. Edeka veröffentlichte 2024 die Kampagne „Warum bei Edeka Blau nicht zur Wahl steht“, die sich erkennbar gegen eine Wahl der AfD richtete. www.tagesschau.de
Bei Würth riet Reinhold Würth seinen Beschäftigten ausdrücklich davon ab, AfD zu wählen. Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller äußerte ebenfalls deutliche Kritik an der Partei. Siemens-Chef Roland Busch und Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius warnten vor AfD-Positionen und deren möglichen wirtschaftlichen Folgen. www.tagesschau.de
Die damaligen Vorstandschefs Christian Sewing von der Deutschen Bank, Richard Lutz von der Deutschen Bahn und Roland Busch von Siemens stellten 2024 gemeinsam eine Wirtschaftsinitiative gegen Extremismus und Populismus vor, die in der Berichterstattung als Positionierung gegen die AfD eingeordnet wurde. Volkswagen-Chef Oliver Blume beteiligte sich an einer „Stern“-Aktion gegen Rechtsextremismus und das Erstarken der Partei. www.tagesspiegel.de
Gesondert zu betrachten ist BMW: Der Konzern zog unmittelbar nach der Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt ein Leasingangebot zurück. Der Rückzug ist bestätigt; einen politischen Beweggrund hat BMW öffentlich nicht bestätigt. www.bild.de
Musiker, Schauspieler und weitere Kulturschaffende
Hape Kerkeling sprach sich ausdrücklich für die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens aus. Udo Lindenberg forderte eine klare Abgrenzung gegenüber der Partei. Helene Fischer und Roland Kaiser beteiligten sich an der „Stern“-Aktion gegen Rechtsextremismus und das Erstarken der AfD. www.deutschlandfunk.de
Campino von den Toten Hosen und Farin Urlaub von den Ärzten äußerten ausdrücklich Kritik beziehungsweise Besorgnis angesichts der AfD. Peter Maffay kommentierte deren Wahlerfolge kritisch, machte zugleich Versäumnisse der etablierten Parteien verantwortlich und betonte, dass AfD-Wähler nicht sämtlich rechtsradikal seien. www.swr.de
Den offenen Brief gegen eine Zusammenarbeit mit der AfD vom Januar 2025 unterzeichneten unter anderem:
- Daniel Brühl, Jella Haase, Karoline Herfurth, Bjarne Mädel und Jasna Fritzi Bauer
- Anna Maria Mühe, Caroline Peters, Jördis Triebel, Albrecht Schuch und Dimitrij Schaad
- Maximilian Mundt, Philip Froissant, Luisa Gaffron und Jonathan Berlin
- Katja Riemann, Jürgen Vogel, Birgit Minichmayr, Lea van Acken und Sabin Tambrea
- Saskia Rosendahl, Jasmin Tabatabai, Nicolette Krebitz, Luna Wedler, Bibiana Beglau und Minh-Khai Phan-Thi
- Joko Winterscheidt, Klaas Heufer-Umlauf, Bela B und Johannes Oerding. www.zdfheute.de
An der breiteren „Stern“-Aktion gegen Rechtsextremismus beteiligten sich außerdem Michael „Bully“ Herbig, Florian David Fitz, Wolfgang Bahro, Mario Barth, Atze Schröder, Maite Kelly und Wolfgang Niedecken. Ihre Teilnahme bedeutet nicht automatisch, dass sie sämtliche weitergehenden Forderungen anderer Beteiligter teilen. www.n-tv.de
Haltung und persönliche Entscheidung
Diese Übersicht dokumentiert öffentlich gewählte Positionierungen. Sie ist weder eine schwarze Liste noch ein Boykottaufruf und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die genannten Unternehmen und Personen dürfen ihre politische Haltung vertreten. Allein dafür sind sie nicht zu kritisieren.
Zur selben Freiheit gehört die Entscheidung des Publikums und der Kunden. Wer als AfD-Mitglied oder -Wähler deshalb bei einem Unternehmen nicht mehr einkaufen, eine Konzertkarte nicht erwerben oder ein Buch nicht kaufen möchte, trifft seine private Entscheidung. Andere können dieselben Stellungnahmen ausdrücklich begrüßen und die betreffenden Angebote weiterhin nutzen.
Öffentliche Haltung kann Zustimmung und Widerspruch auslösen. Sie in Erinnerung zu behalten, gehört zu einer offenen Debatte ebenso wie die Freiheit, daraus persönliche Konsequenzen zu ziehen.
Unternehmen und Unternehmer
| Unternehmen / Marke | Öffentlich belegte Position oder Handlung |
|---|---|
| Rossmann | Kündigte 2025 seine Mitgliedschaft bei „Die Familienunternehmer“ wegen der Öffnung des Verbands für Gespräche mit der AfD. |
| Vorwerk – Thermomix, Kobold | Distanzierte sich ausdrücklich von der neuen AfD-Linie desselben Verbands und kündigte den Austritt an. |
| fritz-kola | Verließ den Verband ebenfalls wegen dessen Öffnung zur AfD. |
| Edeka | Veröffentlichte 2024 die Kampagne „Warum bei Edeka Blau nicht zur Wahl steht“, die sich erkennbar gegen die Wahl der AfD richtete. |
| Würth | Reinhold Würth riet 2024 in einem Brief an rund 25.000 Beschäftigte ausdrücklich davon ab, AfD zu wählen. |
| Trumpf | Unternehmenschefin Nicola Leibinger-Kammüller warnte ausdrücklich vor der AfD und kritisierte deren politische Ausrichtung. |
| Siemens | Vorstandschef Roland Busch kritisierte AfD-Positionen und erklärte, für diese Haltung auch Kundenverluste hinzunehmen. |
| Mercedes-Benz | Vorstandschef Ola Källenius warnte vor AfD-Positionen, insbesondere einem möglichen EU-Austritt und einer ausgrenzenden Politik. |
| Deutsche Bank | Vorstandschef Christian Sewing trat gemeinsam mit Siemens und Deutscher Bahn für eine Wirtschaftsinitiative auf, die vor Extremismus und Populismus warnte; die Berichterstattung ordnete sie als Positionierung gegen die AfD ein. |
| Deutsche Bahn | Vorstandschef Richard Lutz gehörte zu den Initiatoren dieser Wirtschaftsinitiative. |
| Volkswagen – Aussage des Vorstandschefs | Oliver Blume beteiligte sich 2024 an der „Stern“-Aktion gegen Rechtsextremismus und das Erstarken der AfD. |
| BMW – gesondert einzuordnen | Zog unmittelbar nach Tobias Rauschs Wahl das Dienstwagen-Leasingangebot an den Landtag zurück. Der Vorgang ist bestätigt; einen politischen Beweggrund hat BMW öffentlich nicht bestätigt. |
Sänger und Musiker
Schauspieler, Komiker und Moderatoren
Folgende Personen sind als Unterzeichner des offenen Briefs gegen jede Zusammenarbeit mit der AfD vom Januar 2025 dokumentiert:
| Daniel Brühl | Jella Haase | Karoline Herfurth |
| Bjarne Mädel | Jasna Fritzi Bauer | Anna Maria Mühe |
| Caroline Peters | Jördis Triebel | Albrecht Schuch |
| Dimitrij Schaad | Maximilian Mundt | Philip Froissant |
| Luisa Gaffron | Jonathan Berlin | Joko Winterscheidt |
| Klaas Heufer-Umlauf | Katja Riemann | Jürgen Vogel |
| Birgit Minichmayr | Lea van Acken | Sabin Tambrea |
| Saskia Rosendahl | Jasmin Tabatabai | Nicolette Krebitz |
| Luna Wedler | Bibiana Beglau | Minh-Khai Phan-Thi |
Weitere Teilnehmer einer breiteren Aktion gegen Rechtsextremismus
Michael „Bully“ Herbig, Florian David Fitz, Wolfgang Bahro, Mario Barth, Atze Schröder, Maite Kelly und Wolfgang Niedecken beteiligten sich 2024 an der „Stern“-Aktion gegen Rechtsextremismus. Hier ist die belegte gemeinsame Aktion der Grund für die Nennung; daraus folgt nicht bei jedem Teilnehmer eine Forderung nach einem AfD-Verbot oder nach dem Ausschluss von AfD-Kunden.
| Name | Öffentlich belegte Position |
|---|---|
| Peter Maffay | Äußerte sich kritisch zu den AfD-Wahlerfolgen und forderte gesellschaftliches Engagement. Zugleich kritisierte er die etablierten Parteien und betonte, AfD-Wähler seien nicht alle rechtsradikal. |
| Udo Lindenberg | Forderte ausdrücklich eine klare Abgrenzung gegenüber der AfD. |
| Helene Fischer | Beteiligte sich an der „Stern“-Aktion gegen Rechtsextremismus und das Erstarken der AfD. |
| Roland Kaiser | Beteiligte sich ebenfalls an dieser Aktion. |
| Campino / Die Toten Hosen | Campino positionierte sich ausdrücklich gegen die AfD und bezeichnete sie als „Partei der Angsthasen“. |
| Farin Urlaub – Die Ärzte | Äußerte sich ausdrücklich besorgt über die Stärke und die politischen Vorhaben der AfD. |
| Bela B – Die Ärzte | Unterzeichnete 2025 den offenen Brief gegen die Zusammenarbeit mit der AfD. |
| Johannes Oerding | Unterzeichnete denselben offenen Brief. |
Quellen
Tagesschau: Rossmann und Vorwerk verlassen Unternehmerverband · ZDFheute: Austritt von fritz-kola · WDR: Edeka-Kampagne
Tagesschau: Würths Schreiben · Handelsblatt: Trumpf-Chefin zur AfD · RND: Siemens und Mercedes
Tagesspiegel: Wirtschaftsinitiative · BILD: BMW-Leasingangebot
Deutschlandfunk: Kerkelings Forderung · Deutschlandfunk: „Stern“-Aktion · ZDFheute: Offener Brief der Kulturschaffenden · Berliner Zeitung: Weitere Unterzeichner
SWR: Campinos Äußerungen · Tagesspiegel: Farin Urlaub · Tagesspiegel: Peter Maffay · Rolling Stone: Udo Lindenberg · n-tv: Weitere Teilnehmer der „Stern“-Aktion
Schlagworte: AfD, Unternehmen, Kulturschaffende, öffentliche Haltung, Meinungsfreiheit, Kaufentscheidung
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