Es gibt Nachrichten, bei denen man sich fragt, ob unsere Sicherheitsbehörden eigentlich noch Herr der Lage sind. Ulrich Siegmund hat wieder ein Interview gegeben. Und diesmal wird es wirklich ernst. Der Mann fordert allen Ernstes Diplomatie.
Man muss sich das Video tatsächlich selbst ansehen, um das ganze Ausmaß dieser politischen Radikalisierung zu begreifen.
Ulrich Siegmund, Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, spricht davon, einen „vernünftigen diplomatischen Kurs“ gegenüber Russland einzuschlagen.
Diplomatie!
Mit Russland!
Gespräche!
Wo soll das enden?
Am Ende sitzen Politiker womöglich an einem Tisch, reden miteinander und versuchen sogar, Konflikte zu lösen. Vielleicht werden irgendwann weniger Raketen verschossen. Vielleicht sterben weniger Menschen. Vielleicht braucht man anschließend weniger Munition.
Hat dieser Mann eigentlich einmal darüber nachgedacht, was das für die Rüstungsindustrie bedeutet?
Da hängen schließlich Arbeitsplätze dran!
Man stelle sich diese volkswirtschaftliche Katastrophe vor: Ein Krieg wird beendet und plötzlich müssen sich Politiker wieder damit beschäftigen, wie man Wohlstand schafft, ohne vorher irgendwo einen Leopard 2 vorbeizuschicken.
„Krieg ist keine Lösung“ – jetzt wird es wirklich extrem
Doch Siegmund geht noch weiter.
Er sagt tatsächlich:
„Krieg ist keine Lösung.“
Meine Güte.
Wo kommen wir denn hin, wenn solche Sätze plötzlich gesellschaftsfähig werden?
Jahrzehntelang haben wir mühsam gelernt, dass Diplomatie zwar irgendwie nett klingt, aber selbstverständlich erst dann stattfinden darf, wenn sämtliche anderen Möglichkeiten ausprobiert wurden. Sanktionen, Waffenlieferungen, Aufrüstung, Drohungen, Gegensanktionen und noch ein paar Waffenlieferungen.
Und dann kommt dieser Mann und möchte reden.
Das ist ungefähr so, als würde jemand bei einer Kneipenschlägerei plötzlich vorschlagen, die Stühle wieder hinzustellen und miteinander zu sprechen.
Völlig verantwortungslos.
Noch schlimmer: Er redet über deutsche Interessen
Besonders verdächtig wird Siegmund, wenn er behauptet:
„Für unser Land ist es gut, dass wir vernünftig mit allen in der Welt auskommen.“
Bitte was?
Mit allen?
Internationale Politik soll plötzlich danach ausgerichtet werden, was unserem eigenen Land wirtschaftlich und politisch nutzt?
Wo kämen wir denn da hin?
Deutschland hat sich schließlich über Jahre eine viel anspruchsvollere außenpolitische Tradition aufgebaut: Wir erklären anderen Staaten, was moralisch richtig ist, verschlechtern anschließend die Handelsbeziehungen und wundern uns danach über Energiepreise und Wirtschaftswachstum.
Das ist wenigstens konsequent.
Und dann auch noch Rohstoffe!
Aber der gefährlichste Satz kommt erst noch.
Deutschland müsse sich um Rohstoffquellen kümmern, damit wir wirtschaftlich nicht zurückfallen.
Rohstoffe!
Für die Wirtschaft!
Dieser Mann scheint tatsächlich zu glauben, dass eine Industrienation Energie und Rohstoffe benötigt.
Eine geradezu revolutionäre Erkenntnis.
Dabei haben wir doch bewiesen, dass man Energie auch hervorragend dadurch beschaffen kann, dass man günstige Lieferbeziehungen beendet und anschließend dieselben oder andere Rohstoffe über längere Handelswege zu höheren Preisen einkauft.
Das nennt man schließlich moderne Wirtschaftspolitik.
Der Bürger erkennt die moralische Überlegenheit spätestens auf seiner Heizkostenabrechnung.
Die wirkliche Gefahr: Am Ende könnte jemand nachrechnen
Genau darin liegt vermutlich die eigentliche Gefährlichkeit solcher Aussagen.
Denn wenn plötzlich wieder über deutsche Interessen, Energiepreise, Rohstoffversorgung, Diplomatie und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit gesprochen wird, könnten Bürger auf vollkommen abwegige Gedanken kommen.
Sie könnten beispielsweise fragen:
Was haben die vergangenen Jahre eigentlich gebracht?
Welche politischen Ziele wurden erreicht?
Was haben Sanktionen gekostet?
Was kosten Waffenlieferungen?
Was kostet die wirtschaftliche Entkopplung?
Und irgendwann könnte sogar jemand die vollkommen ketzerische Frage stellen:
Wäre Reden vielleicht billiger gewesen?
Spätestens dann wird es gefährlich.
Nicht für Deutschland.
Aber möglicherweise für manche politische Erzählung.
Stellen Sie sich das Schreckensszenario einmal vor
Deutschland und Russland würden irgendwann wieder miteinander sprechen.
Diplomaten würden verhandeln.
Handelsbeziehungen könnten sich langfristig normalisieren.
Rohstoffe würden nach wirtschaftlichen Kriterien eingekauft.
Unternehmen hätten wieder besser kalkulierbare Energiekosten.
Und womöglich würde irgendwo sogar ein Krieg beendet.
Eine einzige Katastrophe.
Was sollen denn dann all jene machen, die uns seit Jahren erklären, dass bereits die Forderung nach Verhandlungen verdächtig sei?
Am Ende müsste Politik wieder danach beurteilt werden, ob sie funktioniert.
Und das wäre nun wirklich ein revolutionäres Konzept.
Deutschlands gefährlichster Mann
Vielleicht sollte man deshalb dringend vor Ulrich Siegmund warnen.
Dieser Mann spricht über Diplomatie.
Er hält Krieg nicht für die optimale Dauerlösung.
Er möchte wirtschaftliche Interessen Deutschlands berücksichtigen.
Und er glaubt offenbar sogar, dass eine Industrienation günstige Rohstoffe gebrauchen kann.
Wenn das so weitergeht, fordert er am Ende noch Frieden.
Und dann haben wir den Salat.
Denn nichts scheint im politischen Deutschland derzeit verdächtiger zu sein als jemand, der darauf hinweist, dass Staaten irgendwann wieder miteinander reden müssen.
Also sehen Sie sich das Video besser selbst an.
Aber Vorsicht.
Es enthält möglicherweise Gedanken, die schwerwiegende Nebenwirkungen verursachen können:
Zweifel, Nachdenken und im schlimmsten Fall die Frage, ob Diplomatie vielleicht doch nicht ganz so gefährlich ist.
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