Man muss neidlos anerkennen: Die Briten sind uns manchmal einfach einen Schritt voraus.
Während Deutschland noch darüber diskutiert, ob eine Asylunterkunft einen Fußballplatz, WLAN, Sozialbetreuung und genügend Freizeitangebote benötigt, hat die ehemalige britische Ministerin Edwina Currie die Debatte gleich mehrere Verwaltungsebenen weitergedacht.
In einem kleinen englischen Dorf sollen rund 1.200 männliche Asylbewerber untergebracht werden. Currie bemerkte dazu sinngemäß, was 1.200 junge Männer dort wohl brauchen könnten: ein Bordell.
Später erklärte sie, das sei keineswegs als ernsthafter Vorschlag gedacht gewesen. Vielmehr wollte sie überspitzt darauf aufmerksam machen, dass die Unterbringung einer derart großen Gruppe junger Männer in einer kleinen Gemeinde soziale Probleme mit sich bringen könne.
Denn Deutschland hätte daraus ein wunderbares Modellprojekt machen können.

Vom Bürgergeld zum Bürgerbordell
Natürlich könnte man hierzulande nicht einfach ein Bordell eröffnen. Wo kämen wir denn hin?
Zunächst bräuchten wir eine Bundesfachstelle für bedarfsgerechte sexuelle Teilhabe in Gemeinschaftsunterkünften.
Danach müsste eine wissenschaftliche Studie klären, wie viele Quadratmeter Begegnungsfläche pro Bewohner erforderlich sind.
Anschließend kämen Brandschutz, Datenschutz, Arbeitsschutz, Gleichstellungskonzept, Hygieneverordnung und natürlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung.
Denn eines muss klar sein:
Wenn Deutschland schon ein Asyl-Bordell baut, dann wenigstens klimaneutral.
Auf dem Dach Photovoltaik. Im Keller Wärmepumpe. Vor der Tür Lastenradstellplätze.
Und selbstverständlich ausschließlich fair gehandelte Bettwäsche.
Schade eigentlich.
Das Problem heißt plötzlich „Langeweile“
Besonders bemerkenswert an der ganzen Debatte ist allerdings etwas anderes.
Wenn man ernsthaft darüber nachdenkt, sexuelle Übergriffe dadurch verhindern zu wollen, dass jungen Männern sexuelle Dienstleistungen angeboten werden, entsteht eine ziemlich unangenehme Frage:
Welches Menschenbild steckt eigentlich dahinter?
Bei jedem anderen Mann würde man selbstverständlich sagen: Sexuelle Selbstbeherrschung gehört zu den elementaren Anforderungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens.
Niemand käme auf die Idee, einem deutschen Junggesellen nach sechs Monaten ohne Freundin vorsorglich einen Gutschein für das örtliche Bordell zu überreichen, damit im Landkreis die Kriminalstatistik stabil bleibt.
„Guten Tag, Herr Müller. Sie sind seit acht Monaten Single. Die Stadtverwaltung macht sich Sorgen. Hier sind 150 Euro Präventionsbudget.“
Völlig absurd.
Aber sobald das Thema Migration heißt, können politische Debatten erstaunliche intellektuelle Verrenkungen hervorbringen.
Deutschland könnte das perfektionieren
Die Bundesrepublik würde aus dem britischen Gedanken selbstverständlich ein Förderprogramm machen.
„Sexuelle Teilhabe 2030 – Vielfalt leben, Übergriffe vermeiden.“
Finanziert von Bund, Ländern und EU.
Dazu eine Informationsbroschüre in 17 Sprachen.
Ein parlamentarischer Beauftragter.
Ein jährlicher Tätigkeitsbericht mit 438 Seiten.
Und nach drei Jahren stellt der Bundesrechnungshof fest, dass von 280 Millionen Euro Fördermitteln leider 190 Millionen für Verwaltung, Beratung, Evaluation und eine App ausgegeben wurden.
Die App funktioniert allerdings nur auf Android 11.
Und wer bezahlt?
Nun werden wieder diese kleinlichen Menschen kommen und fragen:
Wer soll das bezahlen?
Bitte.
Wir reden über Deutschland.
Das ist traditionell die Frage, die grundsätzlich erst gestellt wird, nachdem das Geld ausgegeben wurde.
Vielleicht könnte man eine neue Abgabe einführen.
Den Solidaritätszuschlag für sexuelle Integrationsprävention.
Kurz: SolSex.
0,7 Prozent auf Einkommensteuer und Renten.
Natürlich nur vorübergehend.
Also ungefähr bis 2087.
Aber vielleicht steckt darin doch eine wichtige Erkenntnis
Hinter Curries bewusst provokanter Bemerkung steckt nämlich eine Frage, über die man durchaus ernsthaft reden darf:
Ist es wirklich vernünftig, sehr große Gruppen überwiegend junger alleinstehender Männer in kleinen Gemeinden unterzubringen und anschließend überrascht festzustellen, dass dadurch erhebliche soziale Spannungen entstehen können?
In Piddington geht es um ein Dorf mit nur wenigen Hundert Einwohnern. Die geplante Unterkunft wäre damit keine kleine Ergänzung der Bevölkerung, sondern würde die Größenverhältnisse des Ortes massiv verändern. Auch Bewohner haben deshalb Sicherheitsbedenken geäußert.
Darüber sollte Politik sprechen können, ohne Menschen pauschal zu verdächtigen.
Aber genauso selbstverständlich sollte gelten:
Wer in einem Land Schutz sucht, muss dessen Gesetze und insbesondere die sexuelle Selbstbestimmung anderer Menschen respektieren. Punkt.
Dafür braucht es weder Gutscheine noch Sonderprogramme und schon gar keine Frauen, deren Körper plötzlich als Instrument staatlicher Präventionspolitik betrachtet werden.
Die Briten sind uns also nicht voraus
Noch nicht.
Aber Deutschland besitzt etwas, das man niemals unterschätzen sollte:
eine Verwaltung.
Geben wir dem Gedanken zwei Jahre, drei Modellkommunen und einen EU-Fördertopf, und aus einem flapsigen Satz einer ehemaligen britischen Ministerin wird möglicherweise irgendwann das
„Bundesprogramm zur ganzheitlichen Prävention frustrationsbedingter Konfliktlagen bei alleinreisenden Schutzsuchenden“.
Und irgendwo sitzt dann ein deutscher Steuerzahler morgens um halb sieben mit seinem Kaffee am Küchentisch, betrachtet den neuen Posten auf seinem Steuerbescheid und fragt sich:
„Moment mal. Bezahle ich gerade wirklich dafür?“
Keine Sorge.
Im nächsten Absatz steht bestimmt, dass es alternativlos ist.
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