Die katholischen Bischöfe warnen vor einer AfD-Regierungsbeteiligung. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, spricht von einem drohenden „Paradigmenwechsel“ und erklärt, die AfD stelle Grundwerte des Zusammenlebens infrage. Die Kirche dürfe sich zu solchen Fragen äußern. Aber wer öffentlich politische Warnungen ausspricht, muss auch die eigene Glaubwürdigkeit aushalten. DOMRADIO.DE
Denn die christliche Tradition handelt nicht nur von Menschenwürde und Nächstenliebe. Sie handelt auch von Demut, Bescheidenheit und der Nähe zu den Armen. Nicht jeder Bischof legt ein Armutsgelübde ab. Doch zwischen den Worten der Evangelien und dem Auftreten mancher Kirchenfürsten klafft bisweilen eine beträchtliche Lücke. Der Fall Tebartz-van Elst wurde zum Symbol dafür: Der Umbau des Limburger Bischofssitzes kostete insgesamt rund 31 Millionen Euro. Das war kein nebensächlicher Schönheitsfehler, sondern ein schwerer Schlag für das Vertrauen in eine Kirche, die Bescheidenheit predigt. Gesellschaft
Wenn Bischöfe nun vor einer Partei warnen und zugleich erklären, sie wollten die Kirche gegen mögliche politische Eingriffe wappnen, drängt sich eine Frage auf: Geht es ausschließlich um Grundwerte – oder auch um den Erhalt von Einfluss, Privilegien und gesellschaftlichem Status? Das ist keine bewiesene Erklärung für ihre Motive. Aber eine Kirche, die so entschieden in politische Debatten eingreift, darf sich dieser Frage nicht entziehen.
Auch die Größenordnung sollte man nicht übertreiben: Ende 2025 gehörten rund 43,8 Prozent der Bevölkerung entweder der katholischen oder der evangelischen Kirche an. Das sind noch viele Menschen, aber längst keine Mehrheit mehr. Und Mitgliedschaft auf dem Papier bedeutet nicht automatisch regelmäßige Teilnahme oder Zustimmung zu jeder politischen Erklärung der Kirchenleitung. Die im aktuellen Bericht genannten „30 Prozent“ beziehen sich übrigens auf katholische Wähler im Osten, die AfD gewählt haben – nicht auf den Anteil der Bevölkerung, der einer Kirche angehört. dbk.de
Bischöfe dürfen ihre Überzeugungen vertreten. Doch sie sollten nicht so auftreten, als sprächen sie für alle Christen oder könnten den Wählern politische Urteile abnehmen. Wer Demut und Nächstenliebe verkündet, muss beides auch im eigenen Handeln erkennbar machen. Sonst klingt die Warnung vor der Politik schnell wie der Versuch einer Institution, ihren schwindenden Einfluss zu verteidigen. Und dann lautet die Frage nicht nur: Was sagen die Bischöfe? Sondern auch: Warum sollte man ihnen noch zuhören?
Quellen
Deutsche Bischofskonferenz, Abschluss der Herbstvollversammlung:
https://www.domradio.de/artikel/bischoefe-warnen-vor-afd-und-fordern-fortsetzung-des-missbrauchsfonds
Kirchenstatistik 2025, Deutsche Bischofskonferenz:
https://www.dbk.de/presse/aktuelles/meldung/kirchenstatistik-2025
Mitgliederzahlen 2025, Evangelische Kirche in Deutschland:
https://www.ekd.de/statistik-kirchenmitglieder-17279.htm
Schlagworte: Bischöfe, Kirche, AfD, Demut, Privilegien, Tebartz-van Elst
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