Die unbequeme Stimme der Hinterbliebenen
Michael Kyrath ist kein Berufspolitiker. Kein Funktionär. Kein Ideologe.
Er ist ein Vater.
Ein Vater, dessen 17-jährige Tochter Ann-Marie im Januar 2023 bei der Messerattacke von Brokstedt ermordet wurde. Eine Tat, die Deutschland erschütterte und bis heute Fragen aufwirft. Fragen nach Behördenversagen. Fragen nach der Durchsetzung bestehender Gesetze. Fragen nach einer Migrationspolitik, die nach Ansicht vieler Bürger längst die Kontrolle verloren hat.
Doch wer glaubt, dass verwaiste Eltern in einem solchen Fall vor allem Unterstützung, Mitgefühl und Gehör erhalten, sieht sich zunehmend mit einer anderen Realität konfrontiert.
Michael Kyrath gehört heute zu den bekanntesten Stimmen jener Eltern, die ihre Kinder durch schwere Gewaltverbrechen verloren haben. Gemeinsam mit anderen Betroffenen erinnert er öffentlich an die Opfer und fordert politische Konsequenzen. Nicht aus Parteipolitik, sondern weil sie jeden Tag mit dem Verlust ihrer Kinder leben müssen.
Dabei stellt er eine Frage, die viele Menschen bewegt:
Was ist eigentlich extrem daran, um ermordete Kinder zu trauern?
Diese Frage wurde jüngst erneut diskutiert, nachdem Kyrath einen bewusst provokanten Beitrag veröffentlichte, den er später selbst präzisierte und in Teilen als missverständlich bezeichnete. Seine eigentliche Botschaft blieb jedoch unverändert:
Wenn Politiker bereits wegen des öffentlichen Erinnerns an Opfer illegaler oder unkontrollierter Migration als rechtsextrem eingeordnet werden, wie sollen dann die Eltern dieser Opfer ihre Trauer öffentlich ausdrücken?
Eine unbequeme Frage.
Denn unabhängig von parteipolitischen Ansichten bleibt eine Tatsache bestehen:
Ann-Marie Kyrath lebt nicht mehr.
Und sie ist nicht die einzige.
Wir sind stolz Euch mitteilen zu können, das sich das Team vergrößert hat- willkommen Anna! pic.twitter.com/h4HH0YEUhg
— Michael Kyrath (@kueksElm) May 13, 2026
Viele Hinterbliebene haben den Eindruck, dass über politische Einordnungen, Narrative und Begriffe oft intensiver diskutiert wird als über die Ursachen der Taten selbst. Während Behörden, Ministerien und Regierungen über Definitionen streiten, stehen auf Friedhöfen die Gräber jener Menschen, die nie wieder nach Hause kommen werden.
Gerade deshalb wächst die Kritik am politischen Umgang mit diesen Fällen.
Kritiker werfen der Bundesregierung seit Jahren vor, die Folgen einer fehlgeschlagenen Migrations- und Abschiebepolitik zu verharmlosen. Wiederholt standen Täter im Fokus, die ausreisepflichtig waren, bereits Straftaten begangen hatten oder den Behörden bekannt gewesen sein sollen.
Für die Familien der Opfer macht das die Tragödien noch schwerer erträglich.
Denn jede dieser Informationen nährt die quälende Frage:
Hätte mein Kind noch leben können?
Noch schärfer fällt die Kritik am Verfassungsschutz aus. Nicht wenige Bürger haben den Eindruck, dass die Aufmerksamkeit staatlicher Stellen zunehmend jenen gilt, die Missstände ansprechen, statt den politischen Ursachen dieser Missstände. Ob dieser Eindruck berechtigt ist oder nicht, spielt für das schwindende Vertrauen vieler Menschen kaum noch eine Rolle. Entscheidend ist, dass dieses Vertrauen sichtbar erodiert.
Genau darin liegt das eigentliche Problem.
Ein demokratischer Staat muss Kritik aushalten können.
Er muss insbesondere die Kritik jener aushalten, die den höchsten Preis bezahlt haben.
Wer seine Tochter verloren hat, braucht keine Belehrungen über politische Sensibilitäten. Er braucht Antworten.
Antworten darauf, warum die Tat geschehen konnte.
Antworten darauf, warum Warnsignale versagt haben.
Und Antworten darauf, warum sich viele Hinterbliebene bis heute von Politik und Behörden allein gelassen fühlen.
Michael Kyrath fordert nichts Außergewöhnliches.
Er fordert, dass man die Opfer nicht vergisst.
Und genau das sollte in einem Rechtsstaat eigentlich die selbstverständlichste Forderung überhaupt sein.
Wir haben in den vergangenen drei Jahren viel erreicht- und es ist an der Zeit, allen Unterstützern einmal "Danke" zu sagen…
Ohne Euch geht es einfach nicht. Wer uns in unserer Arbeit unterstützen möchte, kann dieses schnell und unkompliziert hier https://t.co/OLIsFYPmoX… pic.twitter.com/gd6ZojNXzu— Michael Kyrath (@kueksElm) May 31, 2026
Öffentlich belastbar bekannte Fälle in Deutschland seit 2016:
| Jahr | Tat / Ort | Opfer | Alter | Täterstatus laut Berichten |
|---|---|---|---|---|
| 2016 | Freiburg | Maria Ladenburger | 19 | afghanischer Flüchtling, als minderjährig eingestuft |
| 2016 | Berlin Breitscheidplatz | Łukasz Urban, Anna & Georgiy Bagratuni, Sebastian Berlin, Nada Cizmar, Fabrizia Di Lorenzo, Dalia Elyakim, Christoph Herrlich, Klaus Jacob, Angelika Klösters, Dorit Krebs, Peter Völker, später Sascha Hüsges | teils öffentlich nicht einheitlich angegeben | islamistischer Attentäter Anis Amri, abgelehnter Asylbewerber |
| 2017 | Kandel | Mia V. | 15 | afghanischer Flüchtling, Ex-Freund |
| 2018 | Wiesbaden/Mainz | Susanna Feldman/Feldmann | 14 | irakischer Asylbewerber Ali B. |
| 2018 | Flensburg | Mireille B. | 17 | afghanischer Asylbewerber |
| 2018 | Chemnitz | Daniel H. | 35 | Tatverdächtige/Verurteilte aus Asylkontext, Verfahren politisch stark aufgeladen |
| 2021 | Würzburg | Johanna H., Christiane H., Stefanie W. | 82, 49, 25 | somalischer Flüchtling / subsidiärer Schutz, später schuldunfähig eingestuft |
| 2022 | Illerkirchberg | Ece S. | 14 | eritreischer Asylbewerber |
| 2023 | Brokstedt | Ann-Marie Kyrath, Danny P. | 17, 19 | staatenloser Palästinenser, ausreisepflichtig / mehrfach vorbestraft berichtet |
| 2024 | Mannheim | Rouven Laur | 29 | afghanischer Täter, islamistischer Terroranschlag, lebenslang verurteilt |
| 2024 | Solingen | Ines W., Florian H., Stefan Schulz | 56, öffentlich teils nicht vollständig, 67 | syrischer abgelehnter Asylbewerber, IS-Bezug, lebenslang verurteilt |
| 2024 | Magdeburg | 5 Frauen und ein 9-jähriger Junge, Namen teils nicht öffentlich | 9, 45, 52, 52, 67, 75 | saudischer Täter; laut Generalbundesanwalt nicht Terror, sondern Amokfahrt |
| 2025 | Beelitz | Christoph R. | 24 | abgelehnter Asylbewerber aus Guinea, Unterbringung in Psychiatrie berichtet |
Nicht sauber unter „ermordet“ einzuordnen: Würzburg 2016 hatte keine Todesopfer, Bielefeld 2025 ebenfalls keine Toten, aber schwere Verletzte.
Das ist also keine mathematisch perfekte Gesamtliste, sondern die öffentlich belegbare Kernliste bekannter Fälle. Vollständigkeit mit Namen, Alter und Wohnort liefert der Staat öffentlich nicht. Welch überraschende Lücke in einem Land, das sonst sogar Formulare zur Formularbeantragung erfindet.












