Es gibt politische Niedergänge. Und es gibt die SPD.
Eine Partei, die Deutschland über Jahrzehnte geprägt hat, wirkt heute wie ein Verein, der sich mit beeindruckender Konsequenz selbst abschafft. Die größte Oppositionskraft gegen die SPD scheint inzwischen die SPD selbst zu sein. Ein Kunststück, das selbst politische Gegner kaum besser hätten organisieren können.
Während die Parteispitze weiterhin erklärt, man müsse die Politik den Menschen nur „besser erklären“, stellen sich Millionen Bürger längst eine andere Frage: Was genau soll daran eigentlich noch erklärenswert sein?
Selbst aus den eigenen Reihen kommt inzwischen Panik auf. Der Juso-Vorsitzende beschreibt die Stimmung als „am Boden“. Wenn schon die Jugendorganisation Alarm schlägt, dürfte im Maschinenraum längst Wasser bis zur Decke stehen.
Der Blick auf die Länder ist vernichtend:
- Sachsen: 6 %
- Thüringen: 6 %
- Sachsen-Anhalt: 6 %
- Baden-Württemberg: 5 %
Das sind keine Ausreißer mehr. Das ist ein strukturelles Problem. Oder deutlicher: Das ist der schleichende Zerfall einer ehemaligen Volkspartei.
Die SPD war einmal die Partei der Arbeiter, Handwerker und kleinen Leute. Heute fragen sich viele ehemalige Stammwähler, ob ihre frühere Partei überhaupt noch weiß, wie ein normaler Alltag aussieht. Während Bürger mit steigenden Lebenshaltungs- und Energiekosten kämpfen, verliert sich die Parteiführung nach Ansicht ihrer Kritiker häufig in Symbolpolitik, internen Debatten und moralischen Belehrungen.
Und dann wundert man sich tatsächlich über sinkende Umfragewerte.
Vielleicht liegt das Problem gar nicht bei den Wählern.
Vielleicht liegt es an den politischen Gestaltern, die seit Jahren nahezu jede Wahlniederlage mit derselben Gelassenheit entgegennehmen, als wäre ein weiterer Absturz lediglich ein Betriebsunfall.
Die Quittung kommt inzwischen in Serie.
Immer mehr ehemalige Hochburgen bröckeln. Immer mehr Wähler wenden sich ab. Immer mehr Landesverbände kämpfen inzwischen nicht mehr um Regierungsverantwortung, sondern um den schlichten Einzug in die Parlamente.
Wer dauerhaft Politik gegen die Stimmung großer Teile der Bevölkerung macht, darf sich irgendwann nicht mehr darüber beschweren, wenn diese Bevölkerung ihr Kreuz woanders setzt.
Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte die SPD bei den nächsten Landtagswahlen erstmals ernsthaft erleben, was sie jahrzehntelang nur von kleineren Parteien kannte: den Existenzkampf an der Fünf-Prozent-Hürde.
Und vielleicht besteht die größte Ironie darin, dass diese Entwicklung nicht von politischen Gegnern ausgelöst wurde.
Sondern von den eigenen „Gestaltern“.
Denn manchmal braucht es keine Opposition.
Man braucht nur eine Parteiführung, die konsequent an der politischen Realität vorbeiregiert. Menschen sind erstaunlich erfinderisch, wenn es darum geht, den Ast abzusägen, auf dem sie seit über 150 Jahren sitzen. Nur sollte man sich dann nicht wundern, wenn irgendwann die Schwerkraft übernimmt.











