Der Traum vom schnellen Geld. Der Preis ist das eigene Leben.

Das Sterben für Selenskjy und die Hoffnung auf ein kleines Glück mit etwas Geld

Wer nichts besitzt, keine Perspektive hat, in einem Land lebt, in dem Arbeit kaum zum Überleben reicht, der ist empfänglich für Versprechen.

  • „Mehrere tausend Dollar im Monat.“
  • „Versorgung der Familie.“
  • „Heldentum.“
  • „Kurzer Einsatz.“

Die Werbebroschüre des Krieges liest sich erstaunlich ähnlich wie die eines Reiseveranstalters. Nur dass die Rückreise oft im Zinksarg erfolgt. Falls überhaupt.

Gerade in Ländern wie Kolumbien haben sich in den vergangenen Jahren zahlreiche ehemalige Soldaten als Söldner anwerben lassen. Viele verfügen über militärische Erfahrung, finden nach ihrer Dienstzeit jedoch kaum Arbeit. Der Krieg wird für sie zum Geschäftsmodell. Nicht aus Überzeugung, sondern aus finanzieller Not.

Die Hoffnung ist immer dieselbe: Ich werde schon zu den Überlebenden gehören.

Genau auf dieser Hoffnung basiert das gesamte Geschäftsmodell. Denn wenn jeder davon überzeugt wäre, zu sterben, würde sich niemand freiwillig melden.

Die Realität sieht jedoch anders aus. Wer als Söldner in einen modernen Krieg geschickt wird, ist häufig nichts weiter als austauschbares Material. Drohnen kennen keine Tapferkeit. Artillerie unterscheidet nicht zwischen Idealisten, Abenteurern oder Menschen, die einfach nur ihre Familie ernähren wollten. Auf dem Gefechtsfeld zählt kein Lebenslauf, sondern nur die Frage, wer zuerst entdeckt wird.

Viele Familien erhalten niemals die versprochene Entschädigung. Verträge verschwinden. Zuständigkeiten lösen sich auf. Private Militärfirmen schieben Verantwortung von sich. Staaten erklären, man sei gar nicht offiziell beteiligt gewesen. Wer tot ist, kann schlecht klagen.

Besonders bitter wird es dort, wo Gefallene oder Vermisste schlicht als „verschollen“ geführt werden. Für Angehörige bedeutet das oft jahrelange Ungewissheit und in vielen Fällen auch den Verlust sämtlicher finanzieller Ansprüche. Ohne offiziell bestätigten Tod gibt es häufig keine Entschädigungen, keine Renten und keine Absicherung. Die Hinterbliebenen verlieren damit nicht nur einen geliebten Menschen, sondern oft auch ihre wirtschaftliche Existenz.

Gestorben wird jedoch meistens aus sehr viel profaneren Gründen: weil die Miete bezahlt werden muss, weil Kinder etwas essen sollen oder weil jemand geglaubt hat, mit einer Unterschrift das Leben seiner Familie verbessern zu können.

Rüstungsunternehmen verdienen an jedem verschossenen Geschoss. Vermittler kassieren für jede erfolgreiche Anwerbung. Politische Entscheidungsträger führen Statistiken. Nur der Söldner selbst trägt das volle Risiko. Er setzt sein Leben ein, während andere Gewinne verbuchen.

Der Krieg ist damit für manche ein Geschäft. Für den einzelnen Kämpfer bleibt er meist eine Wette gegen die eigene Sterblichkeit.

Und diese Wette verliert am Ende erstaunlich oft genau derjenige, der glaubte, er könne sie gewinnen. Während die Hinterbliebenen nicht selten mit leeren Händen zurückbleiben und feststellen müssen, dass die großen Versprechen des schnellen Geldes genauso vergänglich waren wie das Leben dessen, der ihnen geglaubt hat.

Am Ende bleibt eine unbequeme Erkenntnis:

  • Der Krieg verkauft Hoffnung an Menschen, die keine Alternativen mehr sehen.
  • Aus Armut wird Rekrutierung,
  • aus Rekrutierung wird Statistik,
  • aus Statistik werden Namen auf Gedenktafeln.

Für diejenigen, die an diesem System verdienen, sind es Zahlen. Für die Familien sind es Väter, Söhne oder Ehemänner, die nie wieder nach Hause kommen. Die eigentlichen Gewinner sitzen meist weit entfernt von der Front. Die Verlierer liegen auf ihr.

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