
Wenn man sich die aktuellen INSA-Zahlen ansieht, fällt vor allem eines auf: Das Problem der etablierten Parteien ist längst nicht mehr die FDP. Das Problem der etablierten Parteien sind die etablierten Parteien selbst. Die FDP spielt mit 4 Prozent nur noch eine Nebenrolle. Die eigentliche Geschichte ist der dramatische Vertrauensverlust von CDU/CSU und SPD.
Nach der jüngsten INSA-Erhebung liegt die AfD bei 29 Prozent, die Union nur noch bei 22 Prozent und die SPD bei 12 Prozent. Gemeinsam kommen CDU/CSU und SPD gerade einmal auf 34 Prozent. Das wäre vor wenigen Jahren noch als politisches Erdbeben bezeichnet worden.
(Grafik von DAWUM.de)
Warum verlieren CDU und SPD weiter?
Aus Sicht vieler Wähler gibt es mehrere Ursachen:
- Die wirtschaftliche Lage wird von vielen Bürgern als zunehmend kritisch wahrgenommen.
- Die Migrationspolitik bleibt ein Dauerthema.
- Die Energie- und Industriepolitik sorgt für Unsicherheit.
- Viele Wähler sehen zwischen den großen Parteien kaum noch erkennbare Unterschiede.
- Wahlversprechen und tatsächliche Regierungspolitik werden häufig als widersprüchlich wahrgenommen.
Ob diese Kritikpunkte objektiv zutreffen, ist politisch umstritten. Unstrittig ist jedoch, dass sich diese Wahrnehmung in den Umfragewerten niederschlägt.
Würde Hendrik Wüst etwas ändern?
Hier wird es interessant.
Innerhalb der CDU wird immer wieder diskutiert, ob ein Personalwechsel an der Spitze die Partei wieder attraktiver machen könnte. Hendrik Wüst gilt in Nordrhein-Westfalen als relativ populär und wird regelmäßig als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt.
Das eigentliche Problem dürfte jedoch tiefer liegen:
Viele Wähler kritisieren nicht primär einzelne Personen, sondern die politische Ausrichtung der Union insgesamt. Wenn die Wählerwanderung von der CDU zur AfD tatsächlich vor allem programmatische Gründe hat, würde ein bloßer Austausch des Spitzenpersonals vermutlich nur begrenzte Wirkung entfalten.
Hinzu kommt, dass Wüst auf Bundesebene deutlich weniger Bekanntheit besitzt als frühere Kanzlerkandidaten. Außerhalb Nordrhein-Westfalens verfügt er bislang nicht über die nationale Strahlkraft eines früheren Angela Merkel oder eines Helmut Kohl.
Das eigentliche Dilemma der Union
Die CDU steht vor einem strategischen Problem:
- Bewegt sie sich stärker in Richtung AfD-Wähler, riskiert sie Konflikte mit moderateren Wählern.
- Bleibt sie auf ihrem bisherigen Kurs, verliert sie möglicherweise weiter Wähler an die AfD.
Genau dieses Spannungsfeld scheint sich inzwischen in den Umfragen festgesetzt zu haben. Während die AfD neue Höchstwerte erreicht, fällt die Union auf ihren niedrigsten INSA-Wert seit mehreren Jahren zurück.
Fazit
Die Frage „Kann Wüst noch etwas herumreißen?“ setzt voraus, dass das Problem vor allem eine Personalfrage ist.
Die aktuellen Umfragewerte sprechen eher dafür, dass die Krise von CDU und SPD struktureller Natur ist. Ein anderer Kanzlerkandidat könnte kurzfristig einige Prozentpunkte bewegen. Die zentrale Herausforderung bleibt jedoch die politische Glaubwürdigkeit und die Frage, ob die Parteien überzeugende Antworten auf die Themen liefern, die viele Wähler derzeit beschäftigen.
Solange diese Grundfrage ungeklärt bleibt, dürfte ein Wechsel von Friedrich Merz zu Hendrik Wüst eher kosmetischen als revolutionären Charakter haben.














