Republikflucht? Welche Republikflucht? Wir haben doch Fachkräfte!

288.579 Deutsche haben im vergangenen Jahr Deutschland verlassen. Ein neuer Rekord. Fast 300.000 Menschen packten ihre Koffer und suchten ihr Glück anderswo.

Aber keine Sorge.

Das ist überhaupt kein Problem.

Schließlich wurde uns jahrelang erklärt, dass Deutschland dringend Fachkräfte benötigt. Und wie wir alle wissen, strömen diese Fachkräfte in so großer Zahl ins Land, dass man sich um ein paar Hunderttausend abwandernde Deutsche nun wirklich keine Gedanken machen muss.

Wer braucht schon Ingenieure, Meister, Handwerker, Unternehmer, Ärzte, Pflegekräfte oder IT-Spezialisten, wenn man Statistiken hat?

Deutschland erlebt derzeit vielmehr eine Art wirtschaftliches Wunder. Die einen gehen, die anderen kommen. Was genau sie beruflich machen, welche Qualifikationen sie besitzen oder ob sie überhaupt dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, sind dabei nur lästige Details für Erbsenzähler und Miesmacher.

Die Wahrheit ist doch viel einfacher:

Wenn ein deutscher Ingenieur in die Schweiz auswandert, kommt irgendwo ein neuer Mensch über die Grenze. Also bleibt die Einwohnerzahl ungefähr gleich.

Problem gelöst.

Volkswirtschaft abgeschlossen.

Nächster Tagesordnungspunkt.

Besonders erfreulich ist die Entwicklung bei den jungen Deutschen. Viele verlassen das Land bereits in den produktivsten Jahren ihres Lebens. Manche zieht es in die Schweiz, wo sie mehr verdienen. Andere nach Österreich, wo die Bürokratie etwas übersichtlicher erscheint. Wieder andere nach Spanien, wo sie immerhin nicht acht Monate im Jahr frieren müssen, während sie ihre Stromrechnung öffnen.

Doch auch hier gilt:

Wer Deutschland verlässt, schafft Platz.

Platz auf Straßen.

Platz in Arztpraxen.

Platz auf dem Wohnungsmarkt.

Platz in der Rentenkasse.

Gut, letzteres vielleicht nicht.

Aber man kann schließlich nicht alles haben.

Gleichzeitig sinken die Geburtenzahlen deutscher Familien auf immer neue Tiefstände. Auch das wird gerne als Problem dargestellt.

Dabei wird völlig übersehen, dass Kinder teuer sind.

Wer keine Kinder bekommt, spart schließlich Geld.

Weniger Kinder bedeuten weniger Schulen, weniger Kindergärten und weniger Spielplätze.

Das nennt man Effizienz.

Zugegeben, irgendwann fehlen dann die Beitragszahler für Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung.

Aber bis dahin ist die zuständige Regierung längst pensioniert und schreibt ihre Memoiren über erfolgreiche Transformationsprozesse.

Auch die Wirtschaft zeigt sich bemerkenswert kreativ. Unternehmen schließen, Produktionen werden ins Ausland verlagert, Investitionen wandern ab.

Kritiker sprechen von Deindustrialisierung.

Optimisten sprechen von CO₂-Einsparung.

Denn eine Fabrik, die nicht mehr in Deutschland produziert, verursacht hier schließlich keine Emissionen mehr.

Klimaziel erreicht.

Wieder ein Erfolg.

Und überhaupt: Warum sollte man sich Sorgen machen?

Die Politik versichert seit Jahren, dass alles unter Kontrolle ist.

Der Fachkräftemangel wird bekämpft.

Die Renten sind sicher.

Die Wirtschaft transformiert sich.

Die Energieversorgung funktioniert.

Der Wohnungsmarkt entspannt sich bestimmt bald.

Und die Menschen, die Deutschland verlassen, haben vermutlich einfach die Erfolgsgeschichte nicht verstanden.

Vielleicht fehlt ihnen nur der notwendige Optimismus.

Vielleicht verstehen sie die Transformation nicht.

Oder vielleicht gehören sie einfach zu jenen seltsamen Menschen, die glauben, dass hohe Steuern, steigende Abgaben, sinkende Kaufkraft, explodierende Wohnkosten, überforderte Behörden und eine schwächelnde Wirtschaft irgendwann Folgen haben könnten.

Wie absurd.

Fast 300.000 Deutsche verlassen das Land.

Die Geburtenzahlen brechen ein.

Unternehmen wandern ab.

Investitionen verschwinden.

Die Wirtschaft stagniert.

Aber die wichtigste Botschaft lautet weiterhin:

Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung.

Denn irgendwo wurde gerade wieder feierlich verkündet, dass Deutschland ein Einwanderungsland ist.

Und damit ist bekanntlich jedes Problem gelöst.

Zumindest bis zur nächsten Rekordzahl.

Eine bemerkenswerte Leistung der Politik übrigens: Früher flohen Menschen aus Staaten, weil sie nicht hineinwollten. Heute verlassen sie sie freiwillig, während die Regierung gleichzeitig erklärt, das sei eigentlich ein Zeichen des Erfolgs. Auf diese Idee muss man erst einmal kommen.

Related Posts

Wenn trauernde Eltern zum Problem werden
  • Juni 4, 2026

Die unbequeme Stimme der Hinterbliebenen Michael Kyrath ist kein Berufspolitiker. Kein Funktionär. Kein Ideologe. Er ist ein Vater. Ein Vater, dessen…

Continue reading
Wehrpflicht durch die Hintertür? Wenn selbst Rentner künftig ihre Urlaubspläne melden sollen
  • Juni 3, 2026

Jahrzehntelang wurde den Deutschen erklärt, die Wehrpflicht sei Geschichte. Militärische Konflikte seien weit weg, Europa sei ein Friedensprojekt, und niemand müsse…

Continue reading

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

You Missed

Wenn der Druckkessel platzt

Wenn der Druckkessel platzt

Der Londoner Kristallschädel: Relikt einer vergessenen Welt oder meisterhafte Fälschung?

Der Londoner Kristallschädel: Relikt einer vergessenen Welt oder meisterhafte Fälschung?

Wenn trauernde Eltern zum Problem werden

Wenn trauernde Eltern zum Problem werden

Der London Hammer: Das Werkzeug, das nicht existieren dürfte

Der London Hammer: Das Werkzeug, das nicht existieren dürfte

Republikflucht? Welche Republikflucht? Wir haben doch Fachkräfte!

Republikflucht? Welche Republikflucht? Wir haben doch Fachkräfte!

Schweden zieht die Notbremse: Wann beginnt Deutschland zu lernen?

Schweden zieht die Notbremse: Wann beginnt Deutschland zu lernen?

Wehrpflicht durch die Hintertür? Wenn selbst Rentner künftig ihre Urlaubspläne melden sollen

Wehrpflicht durch die Hintertür? Wenn selbst Rentner künftig ihre Urlaubspläne melden sollen

Menschenrechte nach politischer Zugehörigkeit? Der unbequeme Bericht, über den kaum gesprochen wird

Menschenrechte nach politischer Zugehörigkeit? Der unbequeme Bericht, über den kaum gesprochen wird

Europas teurer Stolz – Wie sich eine ganze politische Klasse in die Sackgasse manövriert

Europas teurer Stolz – Wie sich eine ganze politische Klasse in die Sackgasse manövriert

Die große Verdrängung: Wie lange soll Deutschland diese Politik noch tragen?

Die große Verdrängung: Wie lange soll Deutschland diese Politik noch tragen?

Angstkampagne – Doch wo sind eigentlich die Beweise?

Angstkampagne – Doch wo sind eigentlich die Beweise?

Vom „Reservistenkonzept“ zum Volkssturm 2.0?

Vom „Reservistenkonzept“ zum Volkssturm 2.0?