Das große Regierungs-Bingo: Wie man ein Land in Rekordzeit verschleißt

Es ist schon eine bemerkenswerte politische Leistung, wenn zwei völlig unterschiedliche Bundesregierungen innerhalb weniger Jahre denselben Eindruck hinterlassen: Erschöpfung, Vertrauensverlust und das Gefühl, dass im Maschinenraum der Republik zwar hektisch an Knöpfen gedrückt wird, aber niemand mehr weiß, welche überhaupt noch funktionieren.

Die erste Runde dieses politischen Improvisationstheaters lief unter der Regie von SPD und Grünen. Dort erklärte man den Bürgern zunächst, Verzicht sei Fortschritt, Wohlstandsverlust sei Transformation und wer friere, tanke oder Kritik äußere, habe schlicht „den Wandel nicht verstanden“. Deutschland wurde zum pädagogischen Großprojekt umgebaut. Der Bürger war dabei weniger Souverän als Versuchskaninchen.

Als die Stimmung dann kippte wie ein schlecht verschraubtes Windrad im Herbststurm, kam die nächste große Hoffnung: CDU und SPD. Also praktisch dieselbe Suppe, nur mit anderem Etikett.

Und siehe da: Auch diese Konstruktion beginnt politisch zu zerbröseln wie ein Butterkeks im Kaffee.

Die Zahlen des Meinungsforschungsinstituts INSA vom 23.05.2026 wirken mittlerweile wie eine politische Unfallaufnahme:

  • ________________________
  • FDP: 4 Prozent
  • BSW: 3 Prozent

Das eigentlich Satirische daran ist nicht einmal der Aufstieg der AfD. Das wirklich Komische ist die völlige Überraschung der etablierten Parteien darüber. Man sitzt offenbar noch immer in Berliner Talkshow-Studios und diskutiert mit ernster Miene, warum die Bürger „falsch abbiegen“, während draußen Millionen Menschen längst entschieden haben, dass sie den bisherigen Kurs für eine politische Dauerbaustelle halten.

Die AfD profitiert dabei nicht primär von überragender Genialität oder einem plötzlich entdeckten politischen Wunderprogramm. Ihr größter Wahlkampfhelfer sitzt seit Jahren auf der Regierungsbank. Teilweise sogar auf mehreren Ministersesseln gleichzeitig.

Der Bürger schaut sich steigende Preise, wirtschaftliche Unsicherheit, ideologische Dauerbelehrung, Migrationschaos, Wohnungsnot und eine zunehmend gereizte politische Kultur an — und reagiert entsprechend. Nicht aus revolutionärer Leidenschaft, sondern oft aus schlichter Frustration.

Besonders bitter für die CDU:
Sie wollte einst die große konservative Volkspartei sein. Heute wirkt sie vielerorts wie eine Verwaltungseinheit des Zeitgeists mit leicht nostalgischem Anstrich. Während die AfD Mitglieder gewinnt und ihre Strukturen ausbaut, verliert die CDU vielerorts nicht nur Wähler, sondern auch ihr eigenes Profil. Man erkennt sie inzwischen hauptsächlich daran, dass sie erklärt, was sie alles nicht ist.

Die SPD wiederum befindet sich inzwischen in einem Zustand politischer Verdunstung. Zwölf Prozent für eine ehemalige Volkspartei — das wäre früher ein Betriebsunfall gewesen. Heute verkauft man es vermutlich als „stabile demokratische Mitte“.

Und die Grünen? Sie bleiben die einzige Partei Deutschlands, die selbst bei sinkender Zustimmung noch den Eindruck vermittelt, der Bürger habe einfach die Realität nicht richtig verstanden.

Der eigentliche Witz dieser Entwicklung ist aber folgender:
Die politischen Eliten reagieren auf massive Verluste seit Jahren fast identisch — mit noch mehr Moralpredigten, noch mehr Empörung und noch mehr Distanz zum eigenen Wähler. Man verliert Vertrauen und erklärt anschließend dem Bürger, warum genau dieser Vertrauensverlust eigentlich dessen eigenes Problem sei.

Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, könnte die politische Landschaft Deutschlands bald aussehen wie ein umgestürzter Bauzaun nach einem Herbststurm: überall Schilder, überall Warnhinweise, aber niemand hat mehr Kontrolle über die Richtung.

Und während in Berlin hektisch neue „Strategiepapiere gegen Rechts“ formuliert werden, beantwortet der Wähler die Lage längst auf seine eigene Weise:
Mit Kreuzchen. Mit Austritten. Mit neuen Parteibüchern. Und vor allem mit wachsender Verachtung für ein politisches Establishment, das den Kontakt zur Realität vieler Bürger offenbar vollständig verloren hat.


Die Grafik stammt von DAWUM.de

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