Die CDU in Sachsen-Anhalt will den Plenarsaal verlassen, wenn Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten gewählt werden soll. Ausgerechnet jene, die anderen ständig Demokratiefeindlichkeit vorwerfen, entziehen sich damit einer demokratischen Entscheidung.
Die Begründung klingt nach politischer Selbsthilfegruppe: Man wolle vermeiden, dass CDU-Abgeordnete heimlich für Siegmund stimmen und die Partei danach in Erklärungsnot gerät. Also soll die Fraktion geschlossen hinausmarschieren. 14 Abgeordnete stimmten dem Vorhaben zu, einer enthielt sich. mdr.de
So sieht also die viel beschworene demokratische Haltung der CDU aus: Wenn eine geheime Wahl nicht das gewünschte Ergebnis verspricht, verlässt man lieber den Raum. Die Abgeordneten müssen nicht einmal mehr Farbe bekennen – sie müssen nur noch geschlossen verschwinden.
Natürlich ist ein Saal-Auszug nicht automatisch rechtswidrig. Aber darum geht es hier nicht. Es geht um die politische Botschaft: Die CDU will sich einer Wahl entziehen, die zur parlamentarischen Arbeit gehört, und verkauft das als Schutzmaßnahme gegen den Verdacht, einzelne Mitglieder könnten anders abstimmen als die Fraktionsführung es gern hätte. Die Ministerpräsidentenwahl ist laut Landesverfassung eine geheime Abstimmung im Landtag. Gerade diese geheime Wahl soll den Abgeordneten eine freie Entscheidung ermöglichen. landtag.sachsen-anhalt.de
Wer ständig andere als „Demokratiefeinde“ abstempelt, sollte wenigstens den Mut aufbringen, im Parlament sitzen zu bleiben, wenn eine missliebige Wahl ansteht. Wer stattdessen aus dem Saal flüchtet, weil die eigene Fraktion offenbar nicht sicher sein kann, dass alle brav nach Parteiwunsch handeln, führt die eigene Demokratie-Rhetorik als hohle Kulisse vor.
Der Bürger hat von der CDU wohl nichts anderes erwartet. Eine Partei, die politische Konkurrenz lieber ausgrenzt, statt sich einer offenen Abstimmung zu stellen, verwechselt Demokratie mit dem Anspruch, selbst immer bestimmen zu dürfen, was als demokratisch gilt. Das ist kein überzeugendes Schauspiel. Es ist ein Offenbarungseid.
Die CDU war einmal eine Volkspartei. Heute wirkt sie vielerorts wie eine Partei, die vor dem eigenen Bedeutungsverlust davonläuft – notfalls gleich aus dem Plenarsaal. Wenn sie diesen Kurs fortsetzt, muss sie sich über den weiteren Absturz nicht wundern. Die Fünf-Prozent-Hürde ist keine Drohung, sondern für eine Partei auf diesem Weg irgendwann schlicht eine politische Adresse.
Quellen
MDR: CDU-Fraktion will vor Siegmund-Wahl geschlossen den Saal verlassen
Landtag Sachsen-Anhalt: Verfassung des Landes Sachsen-Anhalt, Artikel 61
Schlagworte: CDU, Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, Ministerpräsidentenwahl, Demokratie
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