Zynischer Kommentar
Friedrich Merz verlangt einen „Beitrag“ der Älteren. Wie reizend. Jahrzehntelang gearbeitet, Beiträge gezahlt, Kinder großgezogen und den Staat finanziert – offenbar alles nur eine unverbindliche Anzahlung. Jetzt sollen die Rentner noch einmal ran. Bei diesem Kanzler ist der Ruhestand anscheinend die Lebensphase, in der man fürs Durchhalten nachträglich zur Kasse gebeten wird.
Der Vorschlag sieht ab 2032 stärker gedämpfte Rentenerhöhungen vor; beschlossen ist das bislang nicht. Politisch lässt sich das wunderbar verpacken: Die Rente steigt ja noch! Wenn die Rechnungen schneller wachsen, dürfen die Betroffenen sich vermutlich an der Schönheit der Rentenformel wärmen. Futurezone
Besonders appetitlich wirkt dieser Sparappell neben Merz’ jüngstem Besuch in Kiew: Dort kündigte er neue Hilfen von mehr als 1,3 Milliarden Euro an. Zu Hause wird Verzicht erklärt, im Ausland Großzügigkeit vorgeführt. Der deutsche Rentner darf rechnen, der deutsche Kanzler darf glänzen. apnews.com
Man möchte ihm beinahe einen gepackten Koffer vor die Tür stellen: Gute Reise, Herr Merz. Grüßen Sie Wolodymyr. Und falls unterwegs noch ein deutscher Rentner seine Heizkostenabrechnung hochhält: einfach freundlich winken. Der leistet gerade seinen Beitrag zu Ihrer staatsmännischen Kulisse.
Diese politische Doppelmoral ist zum Kotzen. Wer sein Leben lang eingezahlt hat, braucht keinen Vortrag über Opferbereitschaft von einem Kanzler, dessen internationale Großzügigkeit andere bezahlen. Er braucht eine Regierung, die seine Lebensleistung auch dann ernst nimmt, wenn gerade keine Kamera läuft.
Merz hat offenbar eine besondere Vorstellung von Generationengerechtigkeit: Die Alten sollen verzichten, die Jungen sollen zahlen – und er selbst darf sich dafür als großer Staatsmann feiern lassen.
Quellen
Schlagworte: Friedrich Merz, Rente, Rentenreform, Ukrainehilfe, politische Prioritäten, Lebensleistung
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