BMW hat offenbar eine neue Sonderausstattung entdeckt: die politische Gesinnungsprüfung. Für Tobias Rausch, den frisch gewählten AfD-Landtagspräsidenten Sachsen-Anhalts, wurde ein bereits vorgelegtes Leasingangebot zurückgezogen. Eine Begründung nennt der Konzern öffentlich nicht. Der Zeitpunkt lässt allerdings reichlich Platz für Fragen – und ausgesprochen wenig für die schöne Geschichte vom politisch neutralen Autogeschäft. mdr.de
Dabei genießen Fahrzeuge des Konzerns international durchaus illustre Gesellschaft. In Assads zurückgelassener Sammlung fanden sich mehrere BMW der 7er-Reihe. Über König Mswati III. wurde 2019 berichtet, er habe sich und seiner Familie 120 BMW und 19 Rolls-Royce gegönnt. Wenn schon das Volk verzichten muss, soll wenigstens die königliche Garage ordentlich ausgestattet sein. caradisiac.com
Auch Kim Jong-un wurde im Rolls-Royce Phantom gesehen. Die Konzernfamilie reicht eben bis nach Pjöngjang. Solche Fahrzeuge können über Zwischenhändler dorthin gelangen; ihr Besitz beweist keine direkte Geschäftsbeziehung oder politische Freundschaft mit BMW. Das macht die Bilder für einen Konzern mit öffentlich vorgetragener Haltung allerdings kaum schmeichelhafter. digitallibrary.un.org
Der satirische Eindruck: Im Palast ist die Lederausstattung entscheidend, in Magdeburg plötzlich das Parteibuch. Weltläufigkeit bekommt da einen ganz besonderen Klang. Man verkauft Autos für den internationalen Markt und entdeckt ausgerechnet beim Dienstwagen eines gewählten deutschen Parlamentspräsidenten seine moralische Feinfühligkeit.
Natürlich darf BMW entscheiden, welche Geschäfte es abschließt. Kunden dürfen ebenso entscheiden, wem sie ihr Geld geben. Wer Haltung zum Bestandteil seiner Marke macht, muss damit rechnen, dass Käufer ebenfalls Haltung zeigen – an der Kasse.
Ich jedenfalls werde mir niemals einen BMW kaufen. Freude am Fahren bekomme ich auch anderswo. Und wie sieht es mit Ihnen aus?
Internationale Machthaber und die ihnen zugeschriebenen BMW-Fahrzeuge
Die Tabelle übernimmt deine Angaben; Fahrzeugzuordnungen und Affären sind nicht einzeln geprüft. Fahrzeugbesitz allein belegt keine direkte Geschäftsbeziehung mit BMW.
| Person / Gruppe | Land / Region | Fahrzeug laut deiner Liste |
|---|---|---|
| Kim Jong-il | Nordkorea | BMW 740iL, Modellreihe E38 |
| Muammar al-Gaddafi | Libyen | BMW 7er |
| Saddam Hussein | Irak | BMW 7er und 8er |
| Fidel Castro | Kuba | BMW 7er |
| Alexander Lukaschenko | Belarus | BMW 7er, unter anderem F02 und G12 |
| Militärjunta Myanmars | Myanmar / Birma | BMW 7er |
| Mobutu Sese Seko | Zaire, heute Demokratische Republik Kongo | BMW 7er |
| Nicolae Ceaușescu | Rumänien | BMW-Limousinen für die Eskorte der Miliția |
| Robert Mugabe | Simbabwe | BMW i8 und leistungsstarke BMW X5 |
| Teodoro Obiang Nguema Mbasogo | Äquatorialguinea | Hochleistungsmodelle der BMW M GmbH |
| Ramzan Kadyrow | Tschetschenien / Russland | Leistungsstarke BMW 5er und 7er sowie X5 M und X6 M |
| Zine el-Abidine Ben Ali | Tunesien | BMW-Modelle des oberen Preissegments |
| Pervez Musharraf | Pakistan | BMW 7er High Security |
| Hosni Mubarak | Ägypten | Gepanzerte BMW 5er und 7er |
Deutsche Politiker: genannte Dienstwagen und Affären
| Person | Partei laut deiner Liste | Fahrzeugangabe | Zusätzlich genannter Zusammenhang |
|---|---|---|---|
| Mario Voigt | CDU | BMW 740 xDrive | Dienstwagen |
| Karl-Theodor zu Guttenberg | CSU | BMW 7er High Security | Dienstwagen |
| Rudolf Scharping | SPD | BMW 7er | „Mallorca-Affäre“ |
| Christian Wulff | CDU | BMW 7er High Security | Dienstwagen |
| Ulla Schmidt | SPD | Als BMW bezeichnet; Modell nicht genannt | Dienstwagen-Affäre in Spanien |
| Oswald Metzger | Bündnis 90/Die Grünen | Kein Fahrzeug angegeben | Bonusmeilen-Affäre; BMW-Bezug in der Liste nicht erläutert |
Quellen
- MDR: BMW zieht Dienstwagen-Angebot für Tobias Rausch zurück
- ORF: Berichte über Luxusautos für König Mswati III.
- Caradisiac: Assads Autosammlung
- UN-Expertenbericht: Rolls-Royce in Nordkorea
Schlagworte: BMW, Firmenmoral, Dienstwagen, Tobias Rausch, Doppelmoral, Satire
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Öffentlich Haltung zeigen: Unternehmen und Kulturschaffende zur AfD
