Es gibt Themen, über die in Deutschland erstaunlich ungern gesprochen wird. Nicht, weil es keine Fakten gäbe, sondern weil sie politisch unbequem sind. Umso bemerkenswerter ist eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion. Denn erst durch diese parlamentarische Kontrolle wurde öffentlich, in welchem Umfang Deutschland auch im Jahr 2025 private Organisationen der sogenannten zivilen Seenotrettung finanziert hat.
Während jeder Euro für Schulen, Straßen, Krankenhäuser oder die Pflege angeblich mehrfach umgedreht werden muss, flossen weiterhin Hunderttausende Euro Steuergeld an Vereine, die im Mittelmeer Migranten aufnehmen. Erst im Frühjahr 2025 wurde diese Förderung beendet.
Sieben Organisationen im Einsatz
Nach Angaben der Bundesregierung waren im Jahr 2025 folgende Organisationen mit Sitz in Deutschland im Mittelmeer aktiv:
| Organisation | Rechtsform |
|---|---|
| SOS Humanity e. V. | Eingetragener Verein |
| Sea-Eye e. V. | Eingetragener Verein |
| SOS Mediterranee | gGmbH |
| Sea-Watch e. V. | Eingetragener Verein |
| RESQSHIP e. V. | Eingetragener Verein |
| Compass Collective / Grenzenlos – People in Motion e. V. | Eingetragener Verein |
| SARAH – Search and Rescue for all Humans | gemeinnützige Unternehmergesellschaft |
Quelle: Antwort der Bundesregierung auf Bundestagsdrucksache 21/4399.
Fast 621.000 Euro allein im ersten Quartal
Besonders interessant ist die Frage nach dem Geld.
Die Bundesregierung räumt ein, dass bis zur Einstellung der Förderung im Frühjahr 2025 noch Bundesmittel ausgezahlt wurden.
| Organisation | Förderung |
|---|---|
| SOS Humanity | 215.000,00 € |
| SOS Mediterranee | 201.694,50 € |
| Sea-Eye | 169.156,00 € |
| RESQSHIP | 34.994,40 € |
| Gesamt | 620.850,90 € |
Im Frühjahr 2025 stellte die Bundesregierung die Förderung schließlich ein.
5.555 Menschen aufgenommen
Nach Angaben der Bundesregierung wurden durch diese Organisationen im Jahr 2025 insgesamt 5.555 Personen aus Seenot gerettet. Gleichzeitig erklärt die Bundesregierung jedoch, dass ihr keine statistischen Daten darüber vorliegen,
- wie viele dieser Personen später Asyl in Deutschland beantragt haben,
- wie viele heute in Deutschland leben,
- wie vielen Asyl gewährt wurde,
- oder wie viele wieder abgeschoben wurden.
Das wirft Fragen auf.
Wenn der Staat erhebliche Summen für Organisationen ausgibt, die Menschen nach Europa bringen, wäre zu erwarten, dass zumindest nachvollziehbar ist, welchen weiteren Weg diese Menschen nehmen und welche finanziellen Folgen daraus entstehen.
Wer kontrolliert eigentlich die Folgen?

Genau hier beginnt die politische Debatte.
Kritiker werfen den privaten Seenotrettungsorganisationen seit Jahren vor, durch ihre Präsenz nahe der nordafrikanischen Küste einen zusätzlichen Anreiz für die Überfahrt zu schaffen. Teilweise wird auch der Verdacht geäußert, dass Schleuser ihre Fahrten auf die Anwesenheit dieser Schiffe abstimmen könnten.
Die Organisationen selbst weisen solche Vorwürfe entschieden zurück und betonen, ausschließlich Menschen aus Seenot zu retten.
Eine gerichtsfest nachgewiesene Zusammenarbeit zwischen Seenotrettungsorganisationen und Schleusernetzwerken ist bislang nicht belegt.
Unabhängig davon bleibt die politische Kernfrage bestehen:
Wenn Menschen wissen oder darauf vertrauen, dass sie auf der gefährlichen Route mit hoher Wahrscheinlichkeit von privaten Rettungsschiffen aufgenommen und anschließend nach Europa gebracht werden, entsteht dadurch ein zusätzlicher Anreiz für weitere Überfahrten?
Darüber wird seit Jahren gestritten.
Die Rechnung zahlt am Ende Deutschland
Mit der Rettung auf See endet die finanzielle Belastung nicht.
Unterbringung, medizinische Versorgung, Verwaltungsverfahren, Integrationsmaßnahmen, Sprachkurse, Sozialleistungen, Schulplätze und Sicherheitskosten werden überwiegend von den europäischen Aufnahmestaaten getragen.
Ob tatsächlich jeder Ankommende einen Schutzanspruch besitzt, wird erst Monate oder sogar Jahre später entschieden.
Die Bundesregierung kann jedoch auf die einfache Frage, wie viele der von diesen Organisationen aufgenommenen Personen später überhaupt in Deutschland Asyl beantragt haben, keine Antwort geben.
Gerade dieser Umstand dürfte viele Steuerzahler irritieren.
Ohne parlamentarische Kontrolle wären diese Zahlen kaum bekannt
Bemerkenswert ist noch ein anderer Punkt.
Diese Informationen stammen nicht aus einer freiwilligen Veröffentlichung der Bundesregierung.
Sie wurden erst bekannt, weil die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag eine Kleine Anfrage gestellt hat und die Bundesregierung nach Artikel 38 des Grundgesetzes sowie den parlamentarischen Kontrollrechten verpflichtet war, diese zu beantworten.
Parlamentarische Anfragen erfüllen damit eine zentrale Kontrollfunktion. Unabhängig von der politischen Bewertung ermöglichen sie Einblicke in staatliches Handeln, die andernfalls häufig kaum öffentliche Aufmerksamkeit erhalten würden.
Was hätte man mit 620.850 Euro stattdessen finanzieren können?
Schon die allein im ersten Quartal 2025 gezahlten 620.850,90 Euro hätten an anderer Stelle eingesetzt werden können.
| Stattdessen wäre beispielsweise finanzierbar gewesen | Größenordnung |
|---|---|
| Rund 12 bis 15 Pflegekräfte für ein Jahr (je nach Tarif) | ca. 620.000 € |
| Mehrere moderne Rettungswagen | mehrere Fahrzeuge |
| Zusätzliche Polizeiausrüstung | mehrere Hundert Schutzwesten und Ausrüstungssets |
| Sanierung kommunaler Spielplätze | zahlreiche Projekte |
| Barrierefreie Bushaltestellen | mehrere Umbauten |
| Digitale Ausstattung von Schulen | hunderte Tablets oder Laptops |
Die konkreten Kosten unterscheiden sich je nach Bundesland und Projekt. Die Tabelle verdeutlicht die Größenordnung.
Fazit
Die Antwort der Bundesregierung zeigt zunächst eines eindeutig: Der Bund hat auch 2025 noch erhebliche Steuermittel an private Seenotrettungsorganisationen gezahlt, bevor die Förderung eingestellt wurde. Gleichzeitig verfügt die Bundesregierung nach eigener Aussage über keine Daten dazu, wie viele der aufgenommenen Menschen später Asyl in Deutschland beantragten oder dauerhaft hier verblieben.
Ob die zivile Seenotrettung ausschließlich humanitäre Hilfe leistet oder zugleich einen Anreiz für weitere irreguläre Migration schafft, bleibt Gegenstand einer kontroversen politischen Debatte. Ebenso wird weiterhin darüber gestritten, ob staatliche Fördergelder für private Seenotrettungsorganisationen gerechtfertigt sind oder ob diese Mittel an anderer Stelle besser eingesetzt wären.
Eines steht jedoch fest: Ohne die Kleine Anfrage der AfD wären viele dieser Zahlen der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt geworden. Das zeigt, welche Bedeutung parlamentarische Kontrollinstrumente für Transparenz und öffentliche Debatten haben.
Offizielle Auskunft des Bundestages zur Anfrage der AfD
