Es sind Bilder und Berichte, die so gar nicht zum sorgsam gepflegten Bild vom europäischen „Wertekampf“ passen wollen: Männer werden auf Straßen kontrolliert, festgesetzt, in Fahrzeuge gebracht. Es gibt Vorwürfe von Gewalt, rechtswidriger Freiheitsentziehung und Misshandlung im Zusammenhang mit der ukrainischen Mobilisierung.
Man könnte solche Berichte bequem als Propaganda abtun. Das Problem dabei: Die Kritik kommt längst auch aus der Ukraine selbst.
Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinets meldete für das Jahr 2025 insgesamt 6.127 Beschwerden wegen möglicher Rechtsverletzungen durch Mitarbeiter der Rekrutierungsstellen. 2022 waren es gerade einmal 18 gewesen. Ukrainische Medien berichten inzwischen offen über Vorwürfe von Schlägen, rechtswidrigen Festsetzungen und anderen Übergriffen. Präsident Wolodymyr Selenskyj selbst forderte im Juli 2026, die berüchtigte Praxis der sogenannten „Busifizierung“, also das gewaltsame Verbringen von Männern, zu beseitigen.
Damit lässt sich die Angelegenheit nicht länger einfach mit dem Hinweis erledigen, alles seien russische Erfindungen.
Wo bleiben eigentlich unsere viel beschworenen Werte?
Seit Jahren hören wir in Europa nahezu täglich von Menschenrechten, Menschenwürde, Freiheit und europäischen Werten.
Gut.
Dann müssen diese Werte aber auch dort gelten, wo ihre Anwendung politisch unbequem wird.
Menschenwürde ist kein Instrument, das man je nach außenpolitischer Zweckmäßigkeit ein- und ausschaltet. Ein Staat im Krieg besitzt selbstverständlich das Recht, seine Verteidigung nach seinen Gesetzen zu organisieren. Daraus folgt jedoch kein Freibrief für Gewalt, willkürliche Festsetzungen oder rechtswidrige Behandlung.
Der ukrainische Ombudsmann stellte Anfang 2026 ausdrücklich klar, dass Mitarbeiter der Rekrutierungszentren Bürger nicht nach Belieben festhalten dürfen. Er verwies dabei sowohl auf die ukrainische Verfassung als auch auf die Europäische Menschenrechtskonvention.
Und genau hier beginnt die unangenehme Frage an den sogenannten Wertewesten:
Warum ist die öffentliche Empörung darüber so erstaunlich überschaubar?
Wo sind die großen politischen Debatten?
Wo sind die Forderungen nach einer konsequenten Überwachung der Menschenrechtslage bei der Mobilisierung?
Wo sind die Bedingungen, die an milliardenschwere Unterstützung geknüpft werden?
Krieg ist längst auch ein gewaltiger Wirtschaftsfaktor
Noch unangenehmer wird die Sache, wenn man betrachtet, wie viele wirtschaftliche Interessen inzwischen mit diesem Krieg verbunden sind.
Rüstung wird produziert. Munition wird bestellt. Militärtechnik wird ersetzt. Logistikunternehmen verdienen. Beratungsunternehmen verdienen. Zulieferer verdienen. Neue Produktionsanlagen werden gebaut und langfristige Rüstungsverträge geschlossen.
Krieg vernichtet Menschenleben und schafft gleichzeitig Märkte.
Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern eine banale ökonomische Tatsache. Gerade deshalb braucht es demokratische Kontrolle.
Denn je größer die wirtschaftlichen Interessen rund um einen Krieg werden, desto wichtiger wird die Frage, ob politische Entscheidungen ausschließlich dem Frieden und der Sicherheit dienen oder ob inzwischen Strukturen entstanden sind, deren wirtschaftliches Interesse gerade darin besteht, dass Aufrüstung und Krieg möglichst lange weitergehen.
Verdient der Westen also an der ukrainischen Mobilisierung?
Für die Behauptung, westliche Regierungen oder Unternehmen würden unmittelbar an gewaltsamen Rekrutierungen verdienen, braucht es konkrete Belege. Die wesentlich interessantere Frage liegt ohnehin eine Ebene darüber:
Profitiert eine immer größer werdende Rüstungs- und Kriegswirtschaft davon, dass dieser Krieg fortgesetzt wird und deshalb immer neue Soldaten, Waffen und Munition benötigt werden?
Darüber darf und muss gesprochen werden.
Der Mensch verschwindet aus der Rechnung
Das eigentlich Erschreckende ist die Sprache, mit der wir uns an diesen Krieg gewöhnt haben.
- Es geht um „Personalbedarf“.
- Um „Mobilisierungspotenzial“.
- Um „Durchhaltefähigkeit“.
- Um „Munitionsproduktion“.
- Um „Lieferfähigkeit“.
- Um „Frontstabilisierung“.
Hinter jedem dieser wunderbar sterilen Begriffe stehen Menschen.
Ein mobilisierter Mann ist keine Zahl in einer Excel-Tabelle des Verteidigungsministeriums. Er ist vielleicht Vater, Ehemann, Sohn oder Bruder. Und auf der anderen Seite der Front steht ebenfalls ein Mensch, dessen Familie hofft, dass er lebend zurückkommt.
Man könnte meinen, gerade Europa hätte historisch genügend Erfahrungen gesammelt, um zu wissen, wohin es führt, wenn Menschen irgendwann nur noch als verfügbares Material eines Krieges betrachtet werden.
Offenbar war dieser Erkenntnisgewinn nicht dauerhaft.
Menschenrechte dürfen keine geografische Einschränkung haben
Besonders problematisch wird es, wenn Menschenrechtsverletzungen beim politischen Gegner lautstark verurteilt, bei einem Verbündeten dagegen relativiert oder möglichst geräuschlos behandelt werden.
Dann verteidigt man keine Werte mehr.
Dann verwaltet man Interessen.
Wer Menschenrechte ernst nimmt, muss einen russischen Übergriff genauso kritisieren können wie einen ukrainischen. Er muss einen amerikanischen Rechtsbruch genauso benennen können wie einen europäischen.
Sonst ist der Begriff „Werte“ irgendwann nur noch außenpolitisches Marketing.
Dass die Probleme inzwischen erheblich sind, zeigen gerade ukrainische Zahlen: Von 18 Beschwerden über mögliche Rechtsverletzungen bei der Mobilisierung im Jahr 2022 stieg die Zahl auf 514 im Jahr 2023, 3.312 im Jahr 2024 und schließlich 6.127 im Jahr 2025.
Das ist keine Randnotiz.
Das ist ein Warnsignal.
Und irgendwann muss wieder über Frieden gesprochen werden
Die entscheidende politische Frage darf deshalb nicht ausschließlich lauten:
- Wie bekommen wir noch mehr Waffen an die Front?
- Sie muss endlich wieder lauten:
- Wie bekommen wir weniger Menschen an die Front?
- Wie beendet man das Sterben?
- Welche diplomatischen Möglichkeiten existieren?
- Welche Sicherheitsgarantien wären denkbar?
- Welche Kompromisse wären für beide Seiten überhaupt verhandelbar?
Diplomatie bedeutet nicht Kapitulation. Diplomatie bedeutet zunächst einmal die Erkenntnis, dass Kriege am Ende ohnehin politisch beendet werden müssen.
Man kann diesen Zeitpunkt nach vorne holen.
Oder man kann vorher noch Zehntausende Menschen sterben lassen.
Die Geschichte ist leider voll von Politikern, die sich für die zweite Möglichkeit entschieden haben.
Und während Politiker über Grenzen, Sicherheitsarchitekturen und geopolitische Interessen sprechen und Unternehmen milliardenschwere Aufträge verbuchen, bleibt am Ende immer jemand zurück, der keinen Vertrag, keine Dividende und keine Pressekonferenz bekommt:
der Tote auf dem Schlachtfeld.
Vielleicht sollte genau dieser Mensch wieder zum Mittelpunkt der politischen Debatte werden.
Denn irgendwann ist die entscheidende Frage nicht mehr, wer an diesem Krieg verdient.
Sondern:
Wer verdient eigentlich daran, dass endlich Frieden geschlossen wird?
Und wenn die Antwort darauf lautet „zu wenige“, dann haben wir ein sehr viel größeres Problem.
Казав же, що вони будуть вламуватись у наші подвір'я і будинки.
Залишився останній пункт – зґвалтування жінок та дітей і до цього бандити #ТЦК майже дійшли при військовій диктатурі квартального блазня.#Ukraine #busification #genocide pic.twitter.com/lrt9L9tnGd— EugeneBuchy🇺🇦🏴☠️ (@EgenyBuchy) September 4, 2026
Люди начинают просыпаться конфликта людоловов с гражданскими в Днепре.
Полтора десятка ТЦКшников и «титушек» явились на территорию одного из предприятий, но им навстречу вышли не менее двух десятков работников. Продолжение видео в комментариях. 👇 pic.twitter.com/iq7w4PRORL
— maks 🇺🇦 (@Jack3934g) June 3, 2026
People in Ukraine are starting to physically resist the military commissar; a video shows men refusing to join the army and driving the authorities out of the factory premises. #busification #ТЦК #GranHermanoGeneraciónDorada #Ukraine pic.twitter.com/DbZQPG7edq
— maks 🇺🇦 (@Jack3934g) June 3, 2026
Людолови з ТЦК у Львові намагалися затримати водія рейсового автобуса.
Пасажири автобуса вийшли на його захист#Бусифікація#Busification pic.twitter.com/6uBeEGlGzp— Йосип з міста в УНДР ☭🇺🇦★ (@josyp_z_mista) March 1, 2026
#busification #UkraineRussiaWar #WarCrimes #RussianUkrainianWar https://t.co/4bwoYok0vx
— 𝓓𝓸𝓷 𝓑𝓪𝓼𝓼 (@ZePrisoner) March 15, 2025
this is how mobilization takes place in Ukraine in the army. #busification pic.twitter.com/CzAFR0m0Et
— maks 🇺🇦 (@Jack3934g) April 19, 2025
Процесс добровольной бусификации в Украине #busification pic.twitter.com/wK9iJFo7Sr
— maks 🇺🇦 (@Jack3934g) April 30, 2026
Dictator Zelensky's concentration camp continues to destroy the remnants of the Ukrainian people.#Ukraine #busification #genocide #bountyhunters #forcerecruiting pic.twitter.com/Q1HcNBwcRj
— EugeneBuchy🇺🇦🏴☠️ (@EgenyBuchy) August 14, 2026
Dictator Zelensky's concentration camp continues to destroy the remnants of the Ukrainian people.#Ukraine #busification #genocide #bountyhunters #forcerecruiting pic.twitter.com/NkB14JMgKd
— EugeneBuchy🇺🇦🏴☠️ (@EgenyBuchy) August 22, 2026
Dictator Zelensky's concentration camp continues to destroy the remnants of the Ukrainian people. #Ukraine #busification #genocide #forcerecruitingpic.twitter.com/4qZxAhcbjK
— EugeneBuchy🇺🇦🏴☠️ (@EgenyBuchy) September 4, 2026
#busification #UkraineRussiaWar https://t.co/SpGmhdR2LL
— 𝓓𝓸𝓷 𝓑𝓪𝓼𝓼 (@ZePrisoner) March 10, 2025
Київлян продовжють потужно геноцидити зелені і сині гестапівці режиму диктатора Зелупи#Ukraine #busification #kidnapping #dictatorship #genocide pic.twitter.com/kDMf9jXhxH
— EugeneBuchy🇺🇦🏴☠️ (@EgenyBuchy) July 20, 2026
🚨🇺🇦Mass kidnappings in Ukraine continue!
Zelensky and his kidnappers are abducting hundreds of people from the streets every day and sending them to their deaths.
Many innocent people have been killed during the forced mobilization. pic.twitter.com/PYLkv2GAKY
— Mario ZNA (@MarioBojic) August 29, 2026
В Харкові виловлюють зилишки чоловіків на фронтове м'ясо#Ukraine #busification #kidnapping #dictatorship #genocide pic.twitter.com/FGvr1R9t10
— EugeneBuchy🇺🇦🏴☠️ (@EgenyBuchy) July 20, 2026
– "ти бачиш шо роблять, нелюди"#КраїнаМрій #Ukraine #busification #kidnapping #criminal #genocide pic.twitter.com/CyYs9OA0mi
— EugeneBuchy🇺🇦🏴☠️ (@EgenyBuchy) July 26, 2026
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