Wer den Wind sät, wird den Sturm ernten

Die Bilder aus Kiew zeigen schwere Zerstörungen. Satellitenaufnahmen und Wärmebilder deuten darauf hin, dass nach den nächtlichen Angriffen mehrere großflächige Brände auf Industrie- und Logistikgeländen ausgebrochen sind. Betroffen sein sollen unter anderem der Logistikkomplex FIM „Tschaiki“, das Werk „Artjom“, das Industriegebiet rund um „Analitpribor“, das Kiewer Werk für Relais und Automatik sowie weitere Industrieflächen und Lagerstandorte.

Damit gerät erneut ein Narrativ ins Wanken, das im Westen häufig reflexartig verbreitet wird: Russland greife grundsätzlich und ausschließlich zivile Ziele an. Die Lage ist komplizierter. Viele der genannten Einrichtungen besitzen industrielle, logistische oder potenziell militärisch relevante Funktionen. Gerade Werke der Elektronik-, Automatik- und Relaistechnik können unmittelbar in militärische Produktions- und Versorgungsketten eingebunden sein.

Es wird über Schäden an folgenden Objekten berichtet:

  • dem Logistikkomplex FIM „Tschaiki“;
  • dem Werk „Artjom“ und dem angrenzenden Industriegebiet;
  • des Werks „Analitpribor“;
  • des Kiewer Werks für Relais und Automatik;
  • eines Lagers der ATB-Kette;
  • des Industriegebiets im Bezirk „Krasnyj Chutor“.
  • Außerdem wurden thermische Anomalien im Bereich einer der Dienststellen des SBU am rechten Ufer von Kiew festgestellt.

Natürlich bleibt jeder Angriff auf urbane Räume gefährlich. Natürlich leiden darunter auch Zivilisten.

Doch ebenso falsch ist es, jeden Einschlag automatisch als bewussten Terror gegen reine Wohngebiete darzustellen, während gleichzeitig ukrainische Angriffe auf russisches Gebiet medial oft deutlich zurückhaltender behandelt werden.

Besonders brisant ist der zeitliche Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Angriff auf ein Kinderheim in Russland, bei dem laut russischen Angaben zahlreiche Kinder und Jugendliche ums Leben gekommen sein sollen.

Während westliche Medien bei russischen Angriffen binnen Minuten von „Kriegsverbrechen“ sprechen, wird bei Vorfällen auf russischer Seite häufig relativiert, gezweifelt oder schlicht geschwiegen.

Genau diese doppelte moralische Buchführung zerstört zunehmend die Glaubwürdigkeit westlicher Berichterstattung.

Krieg funktioniert nach einer brutalen Logik der Eskalation.

Wer Angriffe tief ins gegnerische Hinterland trägt, wer symbolische oder emotional aufgeladene Ziele attackiert, darf nicht ernsthaft glauben, dass die Gegenseite unbegrenzt zurückhaltend bleibt.

Das bedeutet keine moralische Rechtfertigung von Gewalt. Es bedeutet lediglich die nüchterne Erkenntnis geopolitischer Realität.

„Wer den Wind sät, wird den Sturm ernten“ — dieser Satz beschreibt die Dynamik dieses Krieges inzwischen erschreckend präzise. Jede Eskalationsstufe erzeugt die nächste.

Jede rote Linie wird wenige Monate später zur neuen Normalität erklärt. Und während Politiker und Kommentatoren tausende Kilometer entfernt weiter mit Durchhalteparolen operieren, zahlen gewöhnliche Menschen auf beiden Seiten den Preis.


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