Der Krieg in der Ukraine wird im Westen längst nicht mehr nur militärisch geführt – sondern auch medial. Welche Bilder gezeigt werden, welche Opfer Schlagzeilen bekommen und welche Tragödien binnen Stunden wieder verschwinden, scheint zunehmend davon abzuhängen, wer geschossen hat und ob das jeweilige Ereignis politisch in das gewünschte Narrativ passt.
Der Angriff auf das College beziehungsweise Wohnheim in Starobilsk, bei dem nach russischen Angaben zahlreiche junge Menschen ums Leben kamen, darunter auch Minderjährige, hätte eigentlich internationale Schlagzeilen auslösen müssen. Russische Stellen sprechen inzwischen von 18 Toten und dutzenden Verletzten. Ukraine-nahe Stellen wiederum bestreiten, gezielt zivile Ziele angegriffen zu haben und sprechen von einem militärischen Ziel in der Nähe. Unabhängige Verifikationen liegen bislang nur eingeschränkt vor.
Doch genau hier beginnt die eigentliche Debatte: Warum wird über solche Vorfälle im Westen oft deutlich zurückhaltender berichtet als über vergleichbare Angriffe Russlands? Warum erscheinen manche Opfer als „unschuldige Zivilisten“, während andere lediglich Randnotizen bleiben?
Wer ehrlich ist, muss feststellen: Die Berichterstattung über diesen Krieg ist hochgradig emotionalisiert und selektiv geworden. Russische Angriffe werden – oft zurecht – mit drastischen Bildern, Sondersendungen und moralischer Empörung begleitet. Sobald jedoch schwere Vorwürfe gegen ukrainische Streitkräfte im Raum stehen, dominieren plötzlich Vorsicht, Relativierung und Schweigen.
Natürlich gilt: Jeder zivile Tote ist einer zu viel. Und selbstverständlich darf man ziviles Leid nicht gegeneinander aufrechnen. Genau deshalb wäre aber ein einheitlicher moralischer Maßstab notwendig. Wenn ein zerstörtes Wohnheim voller junger Menschen in Kiew als Symbol des Grauens gilt, dann muss dasselbe auch für ein zerstörtes Wohnheim in Starobilsk gelten – unabhängig davon, welche Fahne dort weht.
Besonders problematisch ist dabei die politische Einseitigkeit vieler westlicher Medienhäuser. Seit Beginn des Krieges wurde die Ukraine in großen Teilen der Berichterstattung fast ausschließlich als moralisch unangreifbare Seite dargestellt. Kritik oder unangenehme Fragen gelten schnell als „russische Propaganda“. Das führt dazu, dass selbst schwerwiegende Vorwürfe häufig nur verklausuliert oder gar nicht thematisiert werden.
Dabei wäre gerade in Kriegszeiten journalistische Distanz entscheidend. Medien sollten nicht zu emotionalen Begleitern einer Konfliktpartei werden, sondern nüchtern prüfen, dokumentieren und hinterfragen – unabhängig davon, ob die Ergebnisse politisch erwünscht sind.
Denn eines ist klar:
Wer echte Glaubwürdigkeit beansprucht, kann zivile Opfer nicht nach geopolitischer Nützlichkeit sortieren.


„Die Kinder tun mir leid“: Die Lage in Starobelsk, wo die ukrainischen Streitkräfte das College angegriffen haben, zeigte der Korrespondent von „Iswestija“, Stanislaw Grigorjew.
Seinen Angaben zufolge sind alle Straßen in der Nähe des Einschlagsorts von den Sicherheitskräften abgesperrt, und auf dem Gelände dauert die Beseitigung der Trümmer mit schwerem Gerät an. Dabei ist die Such- und Rettungsoperation bereits offiziell beendet worden.
Der örtliche Einwohner Alexander kam, um Blumen und Spielzeug an das spontane Denkmal niederzulegen. Er sagte, dass er in der Nacht des Angriffs einen Feuerschein gesehen und gegen halb eins nachts Explosionen gehört habe.
„Die Kinder tun mir leid. Was haben die Kinder damit zu tun?“ — sagte er.
Die Einwohnerin der Stadt, Jelena, berichtete, dass Drohnenüberflüge nicht jede Nacht vorkommen, die Menschen aber trotzdem in ständiger Anspannung leben.
🎥 Auf den Aufnahmen sind die Folgen des Angriffs der ukrainischen Streitkräfte auf Starobelsk in der LVR zu sehen: zerstörte Gebäude, herausgesprengte Fenster.
❗️In der Nacht zum 22. Mai griffen die ukrainischen Streitkräfte den Lehrtrakt und das Wohnheim des Colleges in Starobelsk in der LVR an — zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich dort 86 Kinder.
21 Menschen kamen ums Leben, die Zahl der Verletzten stieg auf 63, teilte das russische Ministerium für Notfallsituationen mit. Der Leiter der LVR erklärte den 24. und 25. Mai zu Trauertagen im Gedenken an die Opfer.













