Bundeskanzler Friedrich Merz führt nach eigener Darstellung eine Regierung, die Deutschland endlich wieder in Ordnung bringt. Eine Regierung, die Probleme löst statt verwaltet. Manche Anhänger sprechen sogar von der „besten Bundesregierung seit Jahrzehnten“.
Wenn das tatsächlich der Maßstab ist, möchte man lieber nicht wissen, wie die schlechteren ausgesehen haben.
Denn ausgerechnet bei dem Thema, bei dem Friedrich Merz einen echten Politikwechsel versprochen hatte, klaffen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Der Bundeskanzler erklärte, die Flüchtlingskrise sei inzwischen „im Griff“.
Asylanträge + Familiennachzug in Deutschland:
2016: >849.428
2017: >340.675
2018: >282.983
2019: >262.573
2020: >180.190
2021: >272.521
2022: >334.407
2023: >481.915
2024: >380.945
2025: >268.543
Bisher 2026: >110.145Laut Merz ist die Flüchtlingskrise "im Griff"… pic.twitter.com/AookdP8bco
— Dr. David Lütke (@DrLuetke) July 24, 2026
Die Statistik scheint diese Pressekonferenz allerdings verpasst zu haben.
Die Zahl der Asylanträge einschließlich Familiennachzug zeigt ein anderes Bild:
| Jahr | Asylanträge + Familiennachzug |
|---|---|
| 2016 | über 849.428 |
| 2017 | über 340.675 |
| 2018 | über 282.983 |
| 2019 | über 262.573 |
| 2020 | über 180.190 |
| 2021 | über 272.521 |
| 2022 | über 334.407 |
| 2023 | über 481.915 |
| 2024 | über 380.945 |
| 2025 | über 268.543 |
| 2026 (bisher) | über 110.145 |
Offenbar bedeutet „im Griff“ heute etwas völlig Neues. Früher verstand man darunter, dass ein Problem kleiner wird. Heute reicht es offenbar, wenn man erklärt, dass es kleiner geworden sei.
Für Kommunen, Schulen, Kindergärten und Ausländerbehörden fühlt sich diese neue Definition allerdings erstaunlich wenig nach Entlastung an.
Friedrich Merz hat einen Politikwechsel versprochen. Viele Wähler erwarteten sinkende Migrationszahlen, konsequente Rückführungen und eine deutliche Begrenzung der illegalen Migration.
Stattdessen hört man vor allem Erfolgsmeldungen aus Berlin, während die Realität vieler Städte und Gemeinden weiterhin von hohen Zuwanderungszahlen, Wohnungsmangel und steigenden Sozialkosten geprägt ist.
Vielleicht ist das die eigentliche Stärke dieser Bundesregierung.
Nicht Probleme zu lösen.
Sondern sie sprachlich so umzudekorieren, dass sie wie Erfolge aussehen.
Man könnte Schlaglöcher künftig auch als Verkehrsberuhigung verkaufen und Rekordschulden als finanziellen Optimismus.
Doch Statistiken haben einen entscheidenden Nachteil:
Sie stimmen weder an Parteitagen ab noch lesen sie Regierungserklärungen.
Und genau deshalb sind sie manchmal der unbequemste Oppositionspolitiker überhaupt.
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