Elisabeth Kutter stellt auf einer Demonstration eine steile Behauptung auf: Je unterschiedlicher das Erbmaterial von Mann und Frau sei, desto klüger würden die Kinder. Und was komme heraus, wenn sich nur Deutsche mit Deutschen paarten? Die Antwort überlässt sie ihrem Publikum – mit dem Hinweis, es sei ja klug.
Das ist eine bemerkenswerte Art, politische Haltung mit Biologie zu garnieren. Aus einer komplexen Frage wird eine simple Formel: mehr genetische Verschiedenheit, mehr Intelligenz. Ein Satz, der nach Wissenschaft klingt, aber vor allem eine Botschaft transportiert: Wer in ihrer Vorstellung zur falschen Gruppe gehört, soll sich lieber nicht untereinander fortpflanzen.
Damit landet Kutter ausgerechnet auf einem Feld, auf dem man besser nicht mit Stammtischformeln herumhantiert. Intelligenz ist kein Apothekenprodukt, das sich durch die passende Mischung zweier Zutaten zuverlässig steigern ließe. Genetische und Umweltfaktoren wirken bei komplexen Eigenschaften zusammen; eine einfache Regel „je verschiedener, desto klüger“ gibt die Wissenschaft nicht her.
Die Pointe ist bitter: Wer anderen ständig die moralische Unbedenklichkeit abspricht, sollte mit biologischen Rangordnungen besonders vorsichtig sein. Man muss Kutter deshalb nicht kurzerhand zur Eugenikerin erklären. Aber ihre Rede bedient sich einer Denkfigur, die man aus der Rassenlehre kennt: Menschengruppen werden biologisch sortiert, und aus dieser Sortierung werden Aussagen über ihre Nachkommen abgeleitet. Nur zeigt der Pfeil hier in die entgegengesetzte politische Richtung. Das macht die Denkfigur nicht klüger.
Auch die Überschrift „Kinder deutsch-deutscher Eltern sind dumm“ wäre zugespitzt: So wörtlich sagt Kutter es im Clip nicht. Aber ihre rhetorische Frage zielt erkennbar darauf, deutsche Elternpaare und ihre Kinder als minderwertige genetische Kombination erscheinen zu lassen. Wer eine solche Provokation auf eine Demonstrationsbühne stellt, darf sich über die entsprechende Kritik nicht wundern.
- Vor Kurzem bat Kutter AfD-Anhänger, ihre Apotheke zu meiden.
- Nun erklärt sie dem Publikum, welche Paarungen angeblich klügere Kinder hervorbringen.
Die politische Botschaft kommt damit offenbar gleich mit der Beratung: erst die Kundschaft sortieren, dann die Menschheit.
Für eine Apotheke ist das ein erstaunlich großer Beipackzettel.
Quellen
- Transkript der Rede bei einer Demonstration vor der Panda-Apotheke, 22. Oktober 2026: https://www.facebook.com/reiner.schmidbauer/videos/panda-apotheke-demo-221026-es-redet-frau-kuttner-transkription-aus-dem-video-%F0%9D%90%B7%F0%9D%91%92%F0%9D%91%A0/2035218673802482/
- National Human Genome Research Institute, „Polygenic Trait“: https://www.genome.gov/genetics-glossary/Polygenic-Trait
- Pharmazeutische Zeitung, „Die Apothekerin ohne Sympathie für AfD-Sympathisanten“: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/die-apothekerin-ohne-sympathie-fuer-afd-sympathisanten-171384/
Schlagworte: Elisabeth Kutter, Panda-Apotheke, Genetik, Intelligenz, Rassentheorie
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