Zum Inhalt springen
  • Start
  • 2026
  • Oktober
  • 27.
  • Wenn aus Kritik „Gift“ wird
  • Uncategorized

Wenn aus Kritik „Gift“ wird

vor 1 Stunde(Letzte Aktualisierung:vor 2 Tagen) 4 Minuten gelesen
SÖDER

Söder verlangt keine konkrete Zensurmaßnahme. Aber seine Rede über „Fake News“ in WhatsApp-Gruppen zeigt, wie schnell der Ruf nach Schutz der Demokratie in den Ruf nach Kontrolle politischer Kommunikation kippen kann.

Markus Söder hat auf dem CSU-Parteitag von „digitaler Kriegsführung“ gesprochen. Er stellte russische Blogger und amerikanische Algorithmen in den Zusammenhang mit dem Erfolg politischer Kräfte, die der Union zu schaffen machen. Dann griff er zu einem Bild, das aufhorchen lässt: Es werde „Gift“ in das „Grundwasser der Bevölkerung“ eingestreut. Und es müsse klar sein, dass es „keine Fake News in den WhatsApp-Gruppen“ gebe, die das Land vergifteten. NIUS

Das ist zunächst politische Rhetorik. Söder hat auf dem Parteitag kein konkretes Gesetz angekündigt, keine Kontrolle privater Chats gefordert und keine bestimmte Maßnahme gegen WhatsApp-Gruppen vorgestellt. Wer ihm das unterstellt, geht über das hinaus, was bislang belegt ist.

Aber die Wortwahl ist trotzdem bemerkenswert. Wer politische Informationen als Gift beschreibt und anschließend erklärt, sie dürften in privaten Gruppen nicht vorkommen, verschiebt die Debatte: Weg von der Frage, ob eine Aussage wahr oder falsch ist – hin zu der Frage, wer darüber entscheiden soll, was Bürger einander sagen dürfen.

Wer bestimmt, was „Fake News“ sind?

Falschmeldungen können Schaden anrichten. Auch ausländische Einflussnahme und gezielte Desinformation sind reale Probleme. Doch „Fake News“ ist kein präziser Rechtsbegriff. Er kann eine nachweislich erfundene Behauptung meinen – oder schlicht eine politische Darstellung, die eine Regierung, eine Partei oder einen Ministerpräsidenten für falsch, schädlich oder unerwünscht hält.

Gerade vor Wahlen muss deshalb gelten: Die Antwort auf falsche Behauptungen ist zunächst Widerspruch, Belege und öffentliche Auseinandersetzung. Sobald staatliche Stellen oder Plattformen Inhalte aufgrund einer politischen Einschätzung einschränken sollen, stellt sich die entscheidende Frage: Wer kontrolliert die Kontrolleure?

Der Digital Services Act verpflichtet sehr große Plattformen, systemische Risiken zu untersuchen und zu mindern. Dazu gehören auch Risiken für Wahlprozesse und die Verbreitung koordinierter Desinformation. Das ist jedoch kein allgemeines Verbot falscher politischer Aussagen und kein Auftrag an den Staat, eine verbindliche Wahrheit für den Wahlkampf festzulegen. Die EU-Kommission betont selbst, dass die DSA-Regeln unter Wahrung der Meinungsfreiheit gelten. digital-strategy.ec.europa.eu

Auch die WhatsApp-Frage verlangt Genauigkeit: Seit Januar 2026 ist WhatsApp wegen seiner Channels als sehr große Online-Plattform eingestuft. Die Benennung betrifft diese Kanalfunktion; private Nachrichten und Gruppen-Chats sind davon nicht pauschal erfasst. Söder sprach aber ausdrücklich von WhatsApp-Gruppen. Die DSA-Einstufung macht seine Bemerkung daher politisch brisanter, belegt aber nicht, dass der DSA nun private Gruppen überwachen soll. digital-strategy.ec.europa.eu

Kleine Schritte, große Verschiebung

Die Sorge richtet sich deshalb weniger auf eine fertige Zensurmaßnahme als auf eine politische Gewöhnung: Erst wird vor „Gift“ gewarnt, dann werden „Fake News“ als Gefahr für das Land markiert, schließlich soll „etwas dagegen getan werden“. Was dieses „Etwas“ konkret bedeutet, bleibt offen. Genau diese Unbestimmtheit ist der Anlass zur Kritik.

In der Union taucht immer wieder die Vorstellung auf, gesellschaftliche Konflikte ließen sich durch zusätzliche Regeln, Verbote oder staatliche Eingriffe entschärfen. Jeder einzelne Vorstoß mag für sich begrenzt erscheinen. Doch wenn politische Rede zunehmend als Sicherheitsproblem behandelt wird, wächst der Druck, die Grenzen zulässiger Meinungsäußerung immer enger zu ziehen.

Das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung schützt nicht nur gut belegte und angenehm formulierte Ansichten. Es schützt auch scharfe Kritik, unbequeme Deutungen und Irrtümer – solange die geltenden Gesetze eingehalten werden. Wer Falschbehauptungen widerlegen will, kann das tun. Wer aber verlangt, dass es in privaten politischen Gesprächen „keine Fake News“ geben dürfe, muss erklären, wer den Begriff definiert und wie verhindert wird, dass aus dem Schutz vor Desinformation eine politische Sortierung unerwünschter Meinungen wird.

Söders Rede ist noch kein konkreter Angriff auf das Grundrecht. Sie ist aber ein Beispiel dafür, wie schnell der Ruf nach Ordnung im Netz mit dem Anspruch verbunden wird, politische Kommunikation zu bewerten und einzudämmen. Gerade von der Union, die sich gern als Hüterin von Freiheit und Rechtsstaat präsentiert, darf man erwarten, dass sie diese Grenze nicht verwischt.

Quellen

  • Rede und Berichterstattung zum CSU-Parteitag, tagesschau.de: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/csu-soeder-parteitag-100.html
  • EU-Kommission: Benennung von WhatsApp als VLOP, 26. Januar 2026: https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/news/commission-designates-whatsapp-very-large-online-platform-under-digital-services-act
  • EU-Kommission: Digital Services Act – Fragen und Antworten: https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/faqs/digital-services-act-questions-and-answers
  • EU-Kommission: Demokratie im digitalen Zeitalter: https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/democracy-digital

Schlagworte: Markus Söder, CSU, CDU, Meinungsfreiheit, WhatsApp, Digital Services Act, Desinformation, Wahlen

Hashtags: #Meinungsfreiheit #Söder #CSU #CDU #WhatsApp #DSA #Demokratie #Desinformation


UKRAINE VERHANDLUNGSTISCH
Ukraine

Kriegskurs ohne Wahl: Selenskyjs Führung muss endlich erklären, wohin sie die Ukraine führt

Hr. Vorragend
27.10.2026
Die Katze beisst sich selbst in den Schwanz
Wirtschaft

Die Linke beißt sich in den eigenen Schwanz

Hr. Vorragend
27.10.2026
Panda, DNA und rote Parteifahne
Politik

Die Erbsubstanz aus der Panda-Apotheke

Harry Gehrsack
27.10.2026
Vom Nichts zum Kosmos
Uncategorized

Warum gibt es überhaupt etwas – und nicht nichts?

B Trueger
27.10.2026

Über den Autor

Avatar-Foto

B.Schwerde

Contributor

Er kämpft für unsere Rechte und erhebt seine Stimme.

Alle Beiträge anzeigen

Was denkst du darüber?

  • Uncategorized

Beitragsnavigation

Zurück: Warum gibt es überhaupt etwas – und nicht nichts?
Weiter: Die Erbsubstanz aus der Panda-Apotheke

Andere Beiträge des Autors

Hessen erklärt Schülern das Geld – und übt selbst noch Finanzkünstler Hessen
  • Politik

Hessen erklärt Schülern das Geld – und übt selbst noch

vor 6 Tagen
Seenotrettung mit Anschlussgarantie? 227 Gerettete und die deutsche Rechnung SEAWATCH RETTUNG
  • Europa

Seenotrettung mit Anschlussgarantie? 227 Gerettete und die deutsche Rechnung

vor 2 Wochen
Hamburg: Bitte erst nach dem Schulschluss schießen Spurensicherung am Hamburger Hafen
  • Deutschland

Hamburg: Bitte erst nach dem Schulschluss schießen

vor 2 Wochen
Die Machtprobe beginnt – und Siegmunds Chance ist real Magdeburg
  • Politik

Die Machtprobe beginnt – und Siegmunds Chance ist real

vor 4 Wochen

Verwandte Geschichten

Vom Nichts zum Kosmos
5 Minuten gelesen
  • Uncategorized

Warum gibt es überhaupt etwas – und nicht nichts?

vor 2 Tagen
Friedrich Merz
2 Minuten gelesen
  • Uncategorized

Lüge, Dummheit oder Kalkül? Bei Merz wird das zur Vertrauensfrage

vor 2 Tagen
V16-Warnleuchte zwischen Straße und Funkloch
3 Minuten gelesen
  • Uncategorized

Warndreieck ade? Spaniens Warnleuchte ist ein guter Schritt – wenn das Netz mitspielt

vor 1 Woche
Vom TV-Studio zum Notstrom in Kiew
4 Minuten gelesen
  • Ukraine
  • Uncategorized

Der Sieg läuft auf Notstrom

vor 3 Wochen
OSTSEE
6 Minuten gelesen
  • Uncategorized

⚓ Ostsee unter Kontrolle – wann ist eigentlich genug?

vor 1 Monat
UKRAINE GRENZE KORRUPTION
6 Minuten gelesen
  • Ukraine
  • Uncategorized

Milliarden, Kautionen und Korruption: Deutschland zahlt, die Fragen bleiben

vor 1 Monat
UKRAINE WILL WEITER KRIEG
6 Minuten gelesen
  • Uncategorized

Der Krieg begann nicht 2022: Wer Frieden will, muss endlich auch über den Donbass reden

vor 1 Monat 0
URSUPATOR
7 Minuten gelesen
  • Uncategorized
  • USA

Trump, der Usurpator: Erst angreifen, dann die Vergeltung zum Kriegsgrund erklären

vor 2 Monaten 0

Aktuell im Trend

Kriegskurs ohne Wahl: Selenskyjs Führung muss endlich erklären, wohin sie die Ukraine führt UKRAINE VERHANDLUNGSTISCH 1
  • Ukraine

Kriegskurs ohne Wahl: Selenskyjs Führung muss endlich erklären, wohin sie die Ukraine führt

vor 22 Stunden
Die Linke beißt sich in den eigenen Schwanz Die Katze beisst sich selbst in den Schwanz 2
  • Wirtschaft

Die Linke beißt sich in den eigenen Schwanz

vor 23 Stunden
Warum gibt es überhaupt etwas – und nicht nichts? Vom Nichts zum Kosmos 3
  • Uncategorized

Warum gibt es überhaupt etwas – und nicht nichts?

vor 2 Tagen
Die Erbsubstanz aus der Panda-Apotheke Panda, DNA und rote Parteifahne 4
  • Politik

Die Erbsubstanz aus der Panda-Apotheke

vor 22 Stunden

Zitate des "Noch" Kanzlers im Vergleich

Die Sozialpolitik der CDU


Das Wetter in [object Promise]

Recent Posts

  1. Archaeology 2026-10-08 – Ingram Braun zu Ein Stück Homer aus der Spätantike: Pergamentfragment der „Odyssee“ in Utrecht identifiziert
  2. Sicherheitsgarantien ohne Russland: Merz plant den Frieden wie einen nächsten Krieg – Analyse Gegenstrom zu Гарантии безопасности без России: Мерц планирует мир так, словно готовится к следующей войне
  3. Polizei fahndet mit Foto nach Abdul B. nach Anschlag auf Berliner CSD – Analyse Gegenstrom zu Blutiger Angriff auf den Berliner CSD: Vieles spricht für einen islamistischen Terroranschlag
  4. 📉 Die verlorene Generation: Selbst wenn morgen Frieden wäre, wer baut die Ukraine wieder auf? – Analyse Gegenstrom zu Die Ukraine AG: Wenn Krieg zum Geschäftsmodell wird
  5. Neuer Oberbefehlshaber der Ukraine: Eine Personalentscheidung mit erheblichem Konfliktpotenzial – Analyse Gegenstrom zu Helden oder historische Irrwege? Die Ukraine und ihre gefährliche Erinnerungspolitik

  • Oktober 2026
  • September 2026
  • August 2026
  • Juli 2026
  • Juni 2026
  • Mai 2026
  • April 2026
  • März 2026
  • Februar 2026
  • Januar 2026
  • Mai 2024

Trending Stories
  • Wenn aus Kritik „Gift“ wird
  • Die Erbsubstanz aus der Panda-Apotheke
  • Die Linke beißt sich in den eigenen Schwanz
  • Warum gibt es überhaupt etwas – und nicht nichts?
  • Kriegskurs ohne Wahl: Selenskyjs Führung muss endlich erklären, wohin sie die Ukraine führt

Das hast du vielleicht versäumt

UKRAINE VERHANDLUNGSTISCH
4 Minuten gelesen
  • Ukraine

Kriegskurs ohne Wahl: Selenskyjs Führung muss endlich erklären, wohin sie die Ukraine führt

vor 22 Stunden
Die Katze beisst sich selbst in den Schwanz
3 Minuten gelesen
  • Wirtschaft

Die Linke beißt sich in den eigenen Schwanz

vor 23 Stunden
Vom Nichts zum Kosmos
5 Minuten gelesen
  • Uncategorized

Warum gibt es überhaupt etwas – und nicht nichts?

vor 2 Tagen
Panda, DNA und rote Parteifahne
3 Minuten gelesen
  • Politik

Die Erbsubstanz aus der Panda-Apotheke

vor 22 Stunden
Urheberrecht © {Jahr} Alle Rechte vorbehalten.