Zum Inhalt springen
  • Start
  • 2026
  • September
  • 17.
  • Milliarden, Kautionen und Korruption: Deutschland zahlt, die Fragen bleiben
  • Ukraine
  • Uncategorized

Milliarden, Kautionen und Korruption: Deutschland zahlt, die Fragen bleiben

vor 2 Monaten(Letzte Aktualisierung:vor 2 Monaten) 6 Minuten gelesen
UKRAINE GRENZE KORRUPTION

Wenn Vertrauen zur Ersatzwährung für Kontrolle wird

Man kann einem Land helfen. Man kann einem angegriffenen Land sogar sehr umfangreich helfen. Man kann Solidarität zeigen, Waffen liefern, Infrastruktur finanzieren und beim Wiederaufbau unterstützen.

Was man allerdings nicht tun sollte, ist dabei den eigenen Verstand an der ukrainischen Grenze abzugeben.

Deutschland hat seit Februar 2022 nach Angaben der Bundesregierung mehr als 43,3 Milliarden Euro bilaterale zivile Unterstützung für die Ukraine geleistet. Dazu kommen rund 57,6 Milliarden Euro militärische Unterstützung, die bereits geleistet oder für kommende Jahre vorgesehen wurden.

Wir reden also nicht über ein paar Hilfspakete.

Wir reden über Größenordnungen von zusammen mehr als 100 Milliarden Euro.

Und genau deshalb ist die Frage nach Korruption, Kontrolle und Transparenz keine russische Propaganda, kein mangelnder Anstand und schon gar kein Angriff auf die ukrainische Bevölkerung.

Sie ist die verdammte Pflicht eines Staates gegenüber seinen Steuerzahlern.

Ein Generalstaatsanwalt fährt nachts über die Grenze

Nun liefert die Ukraine selbst das nächste Bild, bei dem man sich fragt, ob politische Satire überhaupt noch eine Daseinsberechtigung hat.

Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko verließ in der Nacht zum 14. September die Ukraine. Nach Informationen der „Ukrainska Pravda“ passierte er gegen 2.30 Uhr in einem Dienstwagen die Grenze. Als Grundlage soll eine Dienstreise nach Litauen angegeben worden sein.

Kurz zuvor war ein heftiger Konflikt mit NABU und SAPO, den ukrainischen Antikorruptionsinstitutionen, eskaliert. Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte schließlich das Parlament auf, Krawtschenkos Entlassung zu unterstützen.

Es gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Und eine Dienstreise ist noch keine Flucht.

Aber politisch ist dieses Bild verheerend:

Der oberste Strafverfolger verlässt nachts im Dienstwagen das Land, während sich Staatsanwaltschaft und Antikorruptionsbehörden gegenseitig schwerste Vorwürfe machen.

Wer da keinerlei Fragen bekommt, müsste schon beruflich wegsehen.

Die Korruption verschwand nicht mit ein paar neuen Behörden

Dem westlichen Publikum wurde jahrelang erzählt, mit NABU, SAPO, einem Antikorruptionsgericht und diversen Reformprogrammen werde das ukrainische Korruptionsproblem Schritt für Schritt überwunden.

Nur scheint Korruption bedauerlicherweise keine PowerPoint-Präsentationen zu lesen.

Die Fälle reichen weiterhin bis weit in politische und wirtschaftliche Machtstrukturen hinein.

Ein besonders bemerkenswertes Beispiel ist die sogenannte Operation Midas im Energiesektor. Nach Darstellung der Ermittler soll eine kriminelle Organisation von Auftragnehmern des staatlichen Atomkonzerns Energoatom Schmiergelder von 10 bis 15 Prozent des Auftragswertes verlangt haben.

Und dann kommen die Kautionen.

Plötzlich sind Millionen da

Wir haben bereits über dieses Phänomen berichtet.

Im Midas-Komplex wurden für zwei Beschuldigte zusammen 37 Millionen Hrywnja Kaution bezahlt.

Das wirklich Bemerkenswerte daran:

Nach Angaben von Transparency International Ukraine kam das Geld von einer neu gegründeten Firma mit gerade einmal 1.000 Hrywnja Stammkapital.

Wenn für Kaution plötzlich Milliarden da sind

Man sollte diese beiden Zahlen ruhig nebeneinanderstellen:

Stammkapital: 1.000 Hrywnja.

Bezahlte Kaution: 37.000.000 Hrywnja.

Das ist kein Beweis dafür, dass deutsches Steuergeld unmittelbar in einer ukrainischen Kautionskasse gelandet wäre. Das haben wir auch in unserem früheren Artikel ausdrücklich nicht behauptet.

Aber jeder halbwegs wache Mensch müsste spätestens hier fragen:

Woher kommt das Geld? Wer stellt es zur Verfügung? Welche wirtschaftlichen Verbindungen bestehen? Wer profitiert von wem? Und warum können im Umfeld von Korruptionsbeschuldigten plötzlich gewaltige Summen mobilisiert werden?

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Oder inzwischen vielleicht einfach jemand, der noch Fragen stellt.

Und Berlin? Vertrauen!

Noch bemerkenswerter wird die Geschichte beim Blick auf Deutschland.

Die Bundesregierung wurde bereits im November 2025 ausdrücklich gefragt, ob die Korruptionsentwicklung Auswirkungen auf deutsche Zahlungen habe.

Die Antwort lautete:

Nein.

Man habe Vertrauen in die ukrainische Regierung und die Antikorruptionsbehörden.

Berlin verweist zwar durchaus auf Compliance-Regeln, projektbezogene Mittelvergabe und Umsetzungskontrollen. Das sollte man der Fairness halber erwähnen.

Aber genau deshalb stellt sich die politische Frage erst recht:

Wann hat Korruption eigentlich Konsequenzen?

Wenn Ermittlungen gegen Spitzenpolitiker laufen?

Wenn die EU selbst vor Druck auf Antikorruptionsbehörden und vor einer Instrumentalisierung der Justiz warnt?

Wenn zweistellige Millionenbeträge für Beschuldigte aus dubios wirkenden Unternehmensstrukturen mobilisiert werden?

Oder wenn sich Staatsanwaltschaft und Antikorruptionsbehörden gegenseitig schwerste Straftaten vorwerfen?

Was muss eigentlich noch passieren, bevor aus dem deutschen „Wir beobachten die Entwicklung“ ein deutsches „Bis zur vollständigen Aufklärung gibt es kein Geld“ wird?

Deutsche Gründlichkeit endet offenbar an der ukrainischen Grenze

Und genau hier beginnt das eigentliche deutsche Versagen.

Versuchen Sie einmal als deutscher Bürger, vom Staat einige Tausend Euro zu bekommen.

Dann beginnt das große Papierfest.

Antrag. Nachweis. Einkommensbescheinigung. Rechnung. Verwendungsnachweis. Kontoauszug. Frist. Rückfrage. Ergänzungsformular.

Fehlt irgendwo ein Kreuzchen, entdeckt der deutsche Verwaltungsapparat plötzlich eine Leidenschaft für Präzision, von der man vorher nichts wusste.

Bei internationalen Milliardenbeträgen dagegen scheint politisch eine erstaunliche Gelassenheit einzukehren.

Natürlich existieren Kontrollmechanismen. Natürlich wird nicht jeder deutsche Euro als Bargeldkoffer nach Kiew geschickt.

Aber Kontrolle darf sich nicht darin erschöpfen, dass formal nachvollzogen werden kann, welches Projekt finanziert wurde.

Bei einem Staat mit derart gravierenden Korruptionsverfahren muss die Frage viel weiter gehen:

Wer erhält das Geld tatsächlich? Wer kontrolliert die Empfänger? Welche Unternehmen stehen dahinter? Welche wirtschaftlich Berechtigten gibt es? Welche Vermögensbewegungen finden statt? Und welche Konsequenzen folgen aus Korruptionsverdacht und erwiesenem Missbrauch?

Das wären Bedingungen, die jeder vernünftige Geldgeber stellen würde.

Hilfe ja. Blankoschecks nein.

Deutschland muss die Ukraine deshalb nicht fallenlassen.

Aber Deutschland muss endlich erwachsen mit ihr umgehen.

Freundschaft bedeutet nicht, wegzusehen. Solidarität bedeutet nicht, Kontrolle abzuschaffen. Und Unterstützung bedeutet schon gar nicht, dass der deutsche Steuerzahler sämtliche kritischen Fragen an der Garderobe abgeben muss.

Wer Milliarden bekommt, muss Milliarden erklären können.

Wer weitere Milliarden verlangt, muss maximale Transparenz akzeptieren.

Und wer Mitglied der Europäischen Union werden möchte, muss sich daran gewöhnen, dass die Herkunft von 37 Millionen Hrywnja bei einer Firma mit 1.000 Hrywnja Stammkapital keine lästige Nebensache ist.

Die entscheidende Frage

Vielleicht sollte Berlin deshalb einmal weniger darüber reden, wie „unerschütterlich“ seine Unterstützung ist, und etwas häufiger darüber, welche konkreten Bedingungen an diese Unterstützung geknüpft werden.

Deutschland sollte künftig für sämtliche nicht unmittelbar humanitären Hilfen klare Bedingungen verlangen: überprüfbare Mittelverwendung, Offenlegung der tatsächlichen Zahlungsempfänger, unabhängige Audits, Schutz von NABU und SAPO und automatische Aussetzung betroffener Programme bei hinreichendem Korruptionsverdacht.

Das wäre keine Politik gegen die Ukraine.

Das wäre Politik gegen Korruption.

Und nebenbei wäre es Politik für die Menschen, die diese Milliarden erwirtschaften müssen.

Die sitzen nämlich überwiegend nicht in Kiew.

Sie sitzen in Deutschland.

Und sie dürfen irgendwann erfahren, was mit ihrem Geld passiert.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ein Narr, wer überhaupt nicht mehr nachfragt.

Hashtags: #Ukraine #Korruption #Deutschland #Steuergeld #NABU #SAPO #Krawtschenko #OperationMidas #Transparenz #Bundesregierung #Milliardenhilfe #Kiew

Über den Autor

Avatar-Foto

R. Satzmann

Contributor

Er hält sich gern im Hintergrund auf, ist aber immer voll auf der Höhe

Alle Beiträge anzeigen

Was denkst du darüber?

  • Ukraine
  • Uncategorized
Tags: Bundesregierung deutsche Ukraine-Hilfe Energoatom Generalstaatsanwalt Kautionen Kontrolle Korruption Milliardenhilfen NABU Operation Midas Ruslan Krawtschenko SAPO Steuergelder Transparenz Ukraine

Beitragsnavigation

Zurück: RT BREITET SEIN SENDEGEBIET MASSIV AUS: WÄHREND EUROPA ABSCHALTET, GEHT RUSSLAND AUF SENDUNG
Weiter: BRICS-Gipfel in Neu-Delhi: Eine gemeinsame Erklärung gegen Sanktionen, Terrorismus und neue globale Unsicherheit

Andere Beiträge des Autors

Schock nach Ansage: Frankfurt erlebt die Krawalle, die man vorher kommen sah Politiker vor der beschädigten Frankfurter Zeil
  • Politik

Schock nach Ansage: Frankfurt erlebt die Krawalle, die man vorher kommen sah

vor 4 Stunden
Rechnet sich die EU-Mitgliedschaft für Deutschland noch? Ausbalancierte Waage zwischen Europa und Deutschland
  • Uncategorized

Rechnet sich die EU-Mitgliedschaft für Deutschland noch?

vor 4 Tagen
47 Milliarden Dollar – und wofür? Geld und Munition gegen Schule und Klinik
  • USA

47 Milliarden Dollar – und wofür?

vor 4 Tagen
Die Geister, die man rief Die Zauberlehrling
  • Politik

Die Geister, die man rief

vor 2 Tagen

Verwandte Geschichten

Ausbalancierte Waage zwischen Europa und Deutschland
5 Minuten gelesen
  • Uncategorized

Rechnet sich die EU-Mitgliedschaft für Deutschland noch?

vor 4 Tagen
Taschenmesser am Rand der Stadtkarte
5 Minuten gelesen
  • Politik
  • Uncategorized

Berlin führt die Liste an – aber wo ist das Risiko am größten?

vor 4 Tagen
Wolodomir
3 Minuten gelesen
  • Ukraine

Der Milliardenautomat

vor 5 Tagen
Sprachpolizei am Krankenhausschalter
3 Minuten gelesen
  • Ukraine

Mitgefühl, solange der Patient die richtige Sprache spricht?

vor 5 Tagen
Vom Nichts zum Kosmos
5 Minuten gelesen
  • Uncategorized

Warum gibt es überhaupt etwas – und nicht nichts?

vor 1 Woche
SÖDER
4 Minuten gelesen
  • Uncategorized

Wenn aus Kritik „Gift“ wird

vor 1 Woche
UKRAINE VERHANDLUNGSTISCH
4 Minuten gelesen
  • Ukraine

Kriegskurs ohne Wahl: Selenskyjs Führung muss endlich erklären, wohin sie die Ukraine führt

vor 6 Tagen
Friedrich Merz
2 Minuten gelesen
  • Uncategorized

Lüge, Dummheit oder Kalkül? Bei Merz wird das zur Vertrauensfrage

vor 1 Woche

Aktuell im Trend

Schock nach Ansage: Frankfurt erlebt die Krawalle, die man vorher kommen sah Politiker vor der beschädigten Frankfurter Zeil 1
  • Politik

Schock nach Ansage: Frankfurt erlebt die Krawalle, die man vorher kommen sah

vor 4 Stunden
Angst vor dem Namen – und Polizeischutz für die Spitzenkandidatin Sozialarbeiter-Schutzring vor lautem Protest 2
  • Politik

Angst vor dem Namen – und Polizeischutz für die Spitzenkandidatin

vor 1 Tag
Berlin führt die Liste an – aber wo ist das Risiko am größten? Taschenmesser am Rand der Stadtkarte 3
  • Politik
  • Uncategorized

Berlin führt die Liste an – aber wo ist das Risiko am größten?

vor 4 Tagen
Ein Name bleibt – Allerseelen in Erinnerung an die Ermordeten ALLERSEELEN 4
  • Deutschland

Ein Name bleibt – Allerseelen in Erinnerung an die Ermordeten

vor 4 Stunden

Zitate des "Noch" Kanzlers im Vergleich

Die Sozialpolitik der CDU


Das Wetter in [object Promise]

Recent Posts

  1. Archaeology 2026-10-08 – Ingram Braun zu Ein Stück Homer aus der Spätantike: Pergamentfragment der „Odyssee“ in Utrecht identifiziert
  2. Sicherheitsgarantien ohne Russland: Merz plant den Frieden wie einen nächsten Krieg – Analyse Gegenstrom zu Гарантии безопасности без России: Мерц планирует мир так, словно готовится к следующей войне
  3. Polizei fahndet mit Foto nach Abdul B. nach Anschlag auf Berliner CSD – Analyse Gegenstrom zu Blutiger Angriff auf den Berliner CSD: Vieles spricht für einen islamistischen Terroranschlag
  4. 📉 Die verlorene Generation: Selbst wenn morgen Frieden wäre, wer baut die Ukraine wieder auf? – Analyse Gegenstrom zu Die Ukraine AG: Wenn Krieg zum Geschäftsmodell wird
  5. Neuer Oberbefehlshaber der Ukraine: Eine Personalentscheidung mit erheblichem Konfliktpotenzial – Analyse Gegenstrom zu Helden oder historische Irrwege? Die Ukraine und ihre gefährliche Erinnerungspolitik

  • November 2026
  • Oktober 2026
  • September 2026
  • August 2026
  • Juli 2026
  • Juni 2026
  • Mai 2026
  • April 2026
  • März 2026
  • Februar 2026
  • Januar 2026
  • Mai 2024

Trending Stories
  • Schock nach Ansage: Frankfurt erlebt die Krawalle, die man vorher kommen sah
  • Angst vor dem Namen – und Polizeischutz für die Spitzenkandidatin
  • Berlin führt die Liste an – aber wo ist das Risiko am größten?
  • Gabriels Horn: Das Fass, das voll wird – und doch nicht zu streichen ist
  • Ein Name bleibt – Allerseelen in Erinnerung an die Ermordeten

Das hast du vielleicht versäumt

Politiker vor der beschädigten Frankfurter Zeil
4 Minuten gelesen
  • Politik

Schock nach Ansage: Frankfurt erlebt die Krawalle, die man vorher kommen sah

vor 4 Stunden
Sozialarbeiter-Schutzring vor lautem Protest
5 Minuten gelesen
  • Politik

Angst vor dem Namen – und Polizeischutz für die Spitzenkandidatin

vor 1 Tag
Taschenmesser am Rand der Stadtkarte
5 Minuten gelesen
  • Politik
  • Uncategorized

Berlin führt die Liste an – aber wo ist das Risiko am größten?

vor 4 Tagen
ALLERSEELEN
3 Minuten gelesen
  • Deutschland

Ein Name bleibt – Allerseelen in Erinnerung an die Ermordeten

vor 4 Stunden

Impressum

Urheberrecht © {Jahr} Alle Rechte vorbehalten.