Zehn Jahre Migrationspolitik: Milliarden für Unterbringung, Versorgung und Sozialleistungen. Doch eine belastbare Gesamtrechnung fehlt bis heute.
Berlin – 400 Milliarden Euro in zehn Jahren: Diese Zahl steht für die öffentlichen Ausgaben, die seit 2016 im Zusammenhang mit Flucht und Migration angefallen sein sollen. Das wären im Durchschnitt 40 Milliarden Euro pro Jahr, rund 110 Millionen Euro am Tag oder mehr als 1.200 Euro in jeder Sekunde.
Die Größenordnung ist schwer zu fassen. Deshalb eine weitere Rechnung: Verteilt auf rund 83,5 Millionen Einwohner entsprächen 400 Milliarden Euro rechnerisch etwa 4.800 Euro pro Kopf über zehn Jahre. Das ist keine persönliche Rechnung für jeden Bürger und auch keine Nettobilanz. Es zeigt aber, um welche Dimension es geht.
Zu den Ausgaben gehören nicht nur Geldleistungen. Menschen müssen untergebracht und versorgt werden. Dafür werden Wohnungen und Gemeinschaftsunterkünfte angemietet, Gebäude umgebaut, Sicherheit und Betreuung organisiert. Hinzu kommen Kosten für Schulen und Kitas, Verwaltung, Integrationsangebote, Jugendhilfe, Polizei und Justiz. Auch die medizinische Versorgung verursacht Ausgaben – zunächst über Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, später je nach Aufenthaltsstatus und Anspruch über weitere Systeme.
Allein der Bund weist für 2016 bis 2025 flucht- und migrationsbezogene Ausgaben von 242,5 Milliarden Euro aus. Dieser Betrag umfasst allerdings auch Ausgaben im Ausland: Für die Bekämpfung von Fluchtursachen wurden zwischen 2017 und 2024 mehr als 72 Milliarden Euro angesetzt. Die Bundeszahl ist also keine reine Rechnung für Unterbringung und Versorgung innerhalb Deutschlands. politfacts.de
Die 400 Milliarden ergeben sich aus dieser Bundeszahl und weiteren Ausgaben von Ländern und Kommunen sowie zusätzlichen Folgekosten. Genau hier liegt die Unsicherheit: Eine vollständige, einheitliche Gesamtrechnung gibt es nicht. Geld fließt zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Wird dieselbe Zahlung auf jeder Ebene addiert, zählt man denselben Euro mehrfach. Ein Faktencheck kommt deshalb in einem eigenen, teilweise modellierten Zentralmodell auf rund 340 Milliarden Euro und bewertet die 400-Milliarden-Summe als nicht ausreichend belegt. politfacts.de
Das macht die politische Frage nicht kleiner, sondern dringlicher. Denn selbst die amtlichen Zahlen zeigen, wie breit die Ausgaben verteilt sind. 2024 gaben die Länder rund 6,7 Milliarden Euro für Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz aus. Darin stecken unter anderem Unterkunft, Lebensmittel, Heizung und Kleidung sowie besondere Leistungen bei Krankheit. Der Bund wiederum veranschlagte 2023 rund 29,7 Milliarden Euro für flüchtlingsbezogene Ausgaben – darunter Sozialtransfers nach abgeschlossenen Asylverfahren, Integrationsleistungen, Entlastungen für Länder und Kommunen und die Unterbringung während des Verfahrens. bpb.de
Und damit endet die Rechnung nicht sauber an einer Haushaltsgrenze. Wo genau laufen Kosten für Gesundheit, Bildung, Jugendhilfe, Verwaltung und Justiz auf? Welche Ausgaben wären ohnehin entstanden, welche kamen zusätzlich hinzu? Welche Kosten sind bereits in den Länder- und Kommunalzahlen enthalten? Für mehrere dieser Bereiche fehlen bundesweit vollständige Daten; teilweise überschneiden sie sich mit bereits erfassten Leistungen. Deshalb wäre es unseriös, einfach noch einmal pauschale Milliarden für Krankenversicherung, Wohnungsbau und Schulen auf die 400 Milliarden draufzuschlagen. politfacts.de
Doch gerade das ist der eigentliche Skandal der Zahlenlage: Der Staat bewegt über Jahre gewaltige Summen, kann aber keine transparente, konsolidierte Gesamtrechnung vorlegen. Die 400 Milliarden sind eine Schätzung und keine geprüfte Endabrechnung. Gleichzeitig sind die bekannten Posten bereits groß genug, um eine politische Antwort zu verlangen: Was wurde ausgegeben, auf welcher Ebene, für welchen Zweck – und welcher Nutzen steht dem gegenüber?
Wer über Migration entscheidet, darf sich nicht mit Schlagworten begnügen. Wer Milliarden ausgibt, muss sie nachvollziehbar bilanzieren. Solange diese Bilanz fehlt, bleibt die Zahl von 400 Milliarden ein Warnsignal – und die tatsächliche Rechnung eine offene Frage.
Quellen
- https://www.welt.de/debatte/plus6acc75fb61b3d4c01d3e3ce2/steuergeld-400-milliarden-euro-jetzt-liegt-die-gesamtrechnung-fuer-die-deutsche-migrationspolitik-vor.html
- https://politfacts.de/realitaetscheck/400-milliarden-migrationskosten-harms
- https://www.bpb.de/themen/migration-integration/zahlen-zu-asyl/265776/asylbedingte-kosten-und-ausgaben/
- https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2026/kw42-de-migrationsbilanz-1223580
Schlagworte: Migration, Asyl, Staatsausgaben, Unterbringung, Sozialleistungen, Gesundheit, Transparenz
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