Deutschland: Der Weltmeister im wirtschaftlichen Harakiri

Es ist schon bemerkenswert. Während man den deutschen Bürgern seit Jahren erklärt, man müsse Russland wirtschaftlich „isolieren“, handeln andere Staaten nach einem deutlich einfacheren Prinzip: Das eigene Land kommt zuerst.

Die USA predigen Härte, Sanktionen und Entkopplung. Gleichzeitig achten amerikanische Unternehmen darauf, ihre wirtschaftlichen Interessen nicht dauerhaft zu opfern. Denn in Washington weiß man offenbar noch, dass Außenpolitik immer auch Wirtschaftspolitik ist.

Und Deutschland?

Deutschland scheint als einziges großes Industrieland die Kunst perfektioniert zu haben, sich selbst die Beine wegzuschlagen und das anschließend als moralischen Erfolg zu verkaufen.

Erst billige Energie aufgeben. Dann explodierende Strompreise akzeptieren. Danach Industriebetriebe verlieren. Anschließend Arbeitsplätze vernichten. Und wenn Unternehmen ins Ausland abwandern, erklärt man das kurzerhand zum notwendigen Preis der „Transformation“.

Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Während andere Länder knallhart ihre nationalen Interessen vertreten, diskutiert Deutschland lieber darüber, wie es sich noch schneller deindustrialisieren kann.

Es wirkt inzwischen fast so, als würde die Bundesregierung jeden wirtschaftlichen Nachteil nicht als Warnsignal, sondern als politischen Erfolg verbuchen.

Die Leidtragenden sind jedenfalls nicht die Minister. Es sind die Arbeitnehmer, die Rentner, die Familien und der Mittelstand. Sie bezahlen höhere Energiepreise, höhere Steuern, höhere Sozialabgaben und erleben gleichzeitig, wie der Wirtschaftsstandort Deutschland Jahr für Jahr an Wettbewerbsfähigkeit verliert.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Tragik: Deutschland verfügt über hervorragend ausgebildete Ingenieure, Facharbeiter und Unternehmer. Doch politische Entscheidungen können selbst den stärksten Wirtschaftsstandort ruinieren, wenn Ideologie dauerhaft wichtiger wird als Vernunft.

International verfolgt jeder seine eigenen Interessen. Die USA. China. Indien. Russland. Die Türkei. Selbst kleinste Staaten tun das.

Nur Deutschland scheint überzeugt zu sein, dass man Wohlstand dadurch sichert, dass man sich freiwillig schlechter stellt als alle anderen.

Man muss kein Wirtschaftsnobelpreisträger sein, um zu erkennen: Wer sich selbst permanent schwächt, braucht irgendwann keine äußeren Gegner mehr. Dann erledigt sich der wirtschaftliche Niedergang ganz von allein.

Die eigentliche Frage lautet deshalb längst nicht mehr, ob diese Politik funktioniert.

Die eigentliche Frage lautet, wie lange sich die Bürger noch einreden lassen, dass permanenter wirtschaftlicher Selbstschaden ein Zeichen besonders kluger Regierungspolitik sei.

Denn eines steht fest: Moralische Überlegenheit bezahlt keine Stromrechnung, rettet keinen Industriebetrieb und schafft keinen einzigen Arbeitsplatz. Dafür braucht es etwas, das in Berlin zunehmend zur Mangelware geworden zu sein scheint: eine Politik, die zuerst an das eigene Land denkt.

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