Deutschland sucht den Bundespräsidenten. Hauptsache, irgendwie fame.

Deutschland im Jahr 2026.

Die Wirtschaft stottert.

Unternehmen wandern ab.

Die Infrastruktur zerbröselt.

Die Staatsverschuldung explodiert.

Die Bürger verlieren zunehmend das Vertrauen in die Politik.

Und womit beschäftigt sich das politische Berlin?

Mit der Frage, ob ein Fernsehunterhalter Bundespräsident werden sollte.

Man muss sich das einmal langsam auf der Zunge zergehen lassen.

Das höchste Staatsamt der Bundesrepublik scheint inzwischen nicht mehr nach Charakter, Lebenserfahrung oder staatsmännischer Autorität vergeben zu werden, sondern nach Bekanntheitsgrad und Sympathiewerten.

Deutschland ist offenbar endgültig im Zeitalter der Dauerunterhaltung angekommen.

Warum überhaupt noch eine Bundesversammlung?

Lasst RTL, ARD und ZDF gemeinsam abstimmen.

Vielleicht noch ein Zuschauer-Voting per SMS.

„Drücken Sie die 1 für den Komiker, die 2 für den Sänger und die 3 für den ehemaligen Dschungelcamp-Kandidaten.“

Alles scheint möglich.

Schließlich wird heute nahezu jede gesellschaftliche Debatte auf das Niveau einer Samstagabendshow heruntergekocht.

Der Bundespräsident war einmal die moralische und überparteiliche Stimme des Landes.

Heute genügt es offenbar, jahrzehntelang erfolgreich im Fernsehen gewesen zu sein.

Verstehen Sie mich nicht falsch.

Hape Kerkeling ist zweifellos einer der erfolgreichsten Entertainer Deutschlands.

Er hat Millionen Menschen zum Lachen gebracht.

Doch genau deshalb bleibt die Frage bestehen:

Seit wann ist Unterhaltung die wichtigste Qualifikation für das höchste Staatsamt?

Oder ist das inzwischen die neue politische Philosophie?

Wer lange genug vor einer Kamera stand, besitzt automatisch die Würde eines Staatsoberhauptes?

Dann sollten wir konsequent sein.

Der Bundestag wird künftig im Fernsehstudio eröffnet.

Gesetze werden per TED-Abstimmung beschlossen.

Minister werden nach Einschaltquote bezahlt.

Und der Bundeshaushalt erhält den Deutschen Fernsehpreis für die beste Fantasieproduktion.

Das Tragische daran ist nicht einmal die Personalie.

Das Tragische ist die Botschaft dahinter.

Ein Land mit über 80 Millionen Einwohnern scheint kaum noch Persönlichkeiten hervorzubringen, denen man aufgrund ihrer Lebensleistung, ihrer Integrität oder ihrer staatsbürgerlichen Verdienste das höchste Amt zutraut.

Stattdessen sucht man in der Prominentenkartei.

Es ist, als würde ein sinkendes Schiff seinen Kapitän danach auswählen, wer die schönsten Selfies an Deck macht.

Vielleicht passt das sogar perfekt in unsere Zeit.

Politik ist längst Marketing.

Regierung ist PR.

Empörung ersetzt Argumente.

Inszenierung ersetzt Führung.

Und Popularität schlägt Kompetenz.

Wenn das höchste Staatsamt irgendwann nur noch Teil einer großen Unterhaltungsshow ist, dann braucht Deutschland keinen Bundespräsidenten mehr.

Dann reicht ein Moderator.

Mit Applauszeichen, Einspielfilm und Werbepause.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Tragödie.

Nicht weil Hape Kerkeling im Gespräch ist.

Sondern weil offenbar kaum noch jemand die Frage stellt, warum das höchste Amt des Staates überhaupt wie die Besetzung einer Fernsehshow diskutiert wird.

Ein Land, das seine wichtigsten Ämter nach Prominenz bewertet, darf sich nicht wundern, wenn irgendwann auch seine Politik nur noch aus Kulissen besteht.


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