Die großen Rätsel der Menschheit: Die römischen Dodekaeder

Das ungelöste Rätsel des Imperium Romanum

Sie sind kaum größer als eine Faust, bestehen aus einer Kupferlegierung und geben der Archäologie seit fast 300 Jahren Rätsel auf. Die sogenannten römischen Dodekaeder gehören zu den geheimnisvollsten Fundstücken der Antike. Trotz moderner Forschungsmethoden weiß bis heute niemand mit Sicherheit, welchem Zweck diese außergewöhnlichen Objekte dienten.

Ein Fund, der bis heute Fragen aufwirft

Das erste bekannte römische Dodekaeder wurde bereits im Jahr 1739 in England entdeckt. Seitdem sind über 116 Exemplare ans Licht gekommen. Die Fundorte verteilen sich über das ehemalige Römische Reich, insbesondere zwischen dem heutigen Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg, der Schweiz, Österreich und Ungarn.

Alle Funde weisen erstaunliche Gemeinsamkeiten auf: Es handelt sich um hohle Körper mit zwölf fünfeckigen Flächen, an deren Ecken kleine kugelförmige Knäufe sitzen. In jeder Fläche befindet sich ein kreisförmiges Loch, dessen Durchmesser unterschiedlich groß ist.

Bemerkenswert ist, dass solche Dodekaeder ausschließlich in den nördlichen Provinzen des Römischen Reiches gefunden wurden. Im eigentlichen Kerngebiet Italiens fehlen sie nahezu vollständig.

Wofür wurden sie verwendet?

Genau diese Frage beschäftigt Archäologen bis heute.

Im Laufe der Jahrzehnte wurden unzählige Theorien entwickelt:

  • Messinstrument für Entfernungen oder Vermessungen
  • Kerzenhalter
  • Astronomisches Hilfsmittel
  • Kultgegenstand religiöser Zeremonien
  • Wahrsageinstrument
  • Spielzeug wohlhabender Römerkinder
  • Würfel oder Glücksspielgerät
  • Strickhilfe zur Herstellung von Handschuhfingern
  • Symbol eines hohen militärischen oder religiösen Ranges

Für jede dieser Ideen gibt es einzelne Hinweise, doch keine Theorie konnte bislang überzeugend bewiesen werden.

Ein Rätsel ohne schriftliche Überlieferung

Besonders erstaunlich ist, dass die Römer für ihre ausführlichen Aufzeichnungen bekannt waren. Sie dokumentierten Waffen, Werkzeuge, Verwaltung, Bauwerke und Alltagsgegenstände oft bis ins kleinste Detail.

Über die Dodekaeder schweigen jedoch sämtliche bekannten römischen Quellen.

Kein Schriftsteller, kein Militärhandbuch und keine technische Beschreibung erwähnt diese auffälligen Objekte. Genau dieses völlige Fehlen schriftlicher Hinweise macht das Rätsel noch faszinierender.

Mystik oder praktische Anwendung?

Einige Forscher vermuten einen religiösen Hintergrund. Da viele Dodekaeder zusammen mit Münzen oder wertvollen Gegenständen gefunden wurden, könnten sie Bestandteil kultischer Handlungen gewesen sein.

Andere sehen dagegen ein hochentwickeltes Werkzeug, dessen Funktionsweise wir schlicht noch nicht verstehen. Die unterschiedlich großen Öffnungen könnten beispielsweise zur Bestimmung von Entfernungen, Winkeln oder astronomischen Positionen gedient haben.

Bis heute existiert jedoch kein Experiment, das alle Eigenschaften der Dodekaeder gleichzeitig überzeugend erklären kann.

Ein ungelöstes Kapitel der Archäologie

Die römischen Dodekaeder erinnern daran, dass selbst eine der am besten erforschten Hochkulturen der Geschichte noch immer Geheimnisse birgt.

Vielleicht handelt es sich um ein gewöhnliches Alltagswerkzeug, dessen Bedeutung im Laufe der Jahrhunderte verloren ging. Vielleicht waren sie aber auch Teil eines Wissens, das mit dem Untergang des Weströmischen Reiches für immer verschwand.

Bis eine eindeutige Erklärung gefunden wird, bleiben die kleinen Metallkörper eines der faszinierendsten archäologischen Rätsel Europas und ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass die Vergangenheit noch längst nicht alle ihre Geheimnisse preisgegeben hat.

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