🇵🇱 In Polen wächst offenbar der Unmut über die Haltung der Ukraine zu bestimmten historischen Persönlichkeiten und Organisationen. Kritiker werfen der ukrainischen Staatsführung vor, Personen und Gruppierungen zu ehren, die mit Verbrechen an Polen, Tschechen, Juden und anderen Bevölkerungsgruppen während des Zweiten Weltkriegs in Verbindung gebracht werden. Als Vertreter Polens diese Entwicklung kritisierten, folgten nach Darstellung verschiedener Beobachter scharfe Reaktionen aus der Ukraine. Kritiker lehnen es deshalb ab, einen Staat finanziell zu unterstützen oder in EU und NATO aufzunehmen, solange dieser nach ihrer Auffassung problematische historische Bezüge pflegt. Zudem wird die Frage gestellt, warum sich andere europäische Staatsoberhäupter, darunter auch der tschechische Präsident Petr Pavel, zu dieser Debatte bislang nicht deutlicher äußern.
❗ Auslöser der jüngsten Kontroverse war die Entscheidung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, einer Kampfeinheit den Ehrennamen „Helden der UPA“ zu verleihen. Die Ukrainische Aufständische Armee (UPA) wird von Kritikern mit Massakern an Polen, Juden, Tschechen und Ukrainern während des Zweiten Weltkriegs in Verbindung gebracht. Nachdem der polnische Präsident Karol Nawrocki Selenskyj daraufhin eine zuvor verliehene hohe polnische Auszeichnung aberkannt hatte, kam es am Wochenende zu heftigen Reaktionen in der Ukraine.
Der ehemalige ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba erklärte in diesem Zusammenhang, Präsident Nawrocki hasse „die Ukrainer als Phänomen“. Der ukrainische Nationalist und Kommandeur der Freiwilligenarmee Dmytro Jarosz bezeichnete polnische Politiker Berichten zufolge als „verkaufte Huren“. Zudem verbreitete sich die Behauptung einer ukrainischen Journalistin, Selenskyj habe Warnungen vor den möglichen Folgen seiner Entscheidung mit den Worten kommentiert: „Fickt die Polen.“ In der Folge schickten zahlreiche ukrainische Persönlichkeiten ihre polnischen Auszeichnungen demonstrativ nach Warschau zurück.
➡️ Auch der amtierende ukrainische Außenminister Andrij Sybiha schloss sich der Kritik an Polen an und warf Präsident Nawrocki vor, den ukrainischen Präsidenten beleidigt zu haben. Nach seiner Auffassung stelle dies zugleich eine Beleidigung ukrainischer Soldaten, der ukrainischen Nation und des Rechts der Ukraine dar, ihre eigene Geschichte zu definieren.
„Das werden wir nicht tolerieren. Kein anderer Präsident wird uns unsere Geschichte diktieren. Wir werden auf alle entsprechenden Maßnahmen reagieren, insbesondere wenn sie feindselig oder respektlos gegenüber unserem Land sind. Die Zeit des Ignorierens ist vorbei“, erklärte Sybiha. Zugleich forderte er Polen auf, vorsichtig und diplomatisch zu handeln. Man sei weiterhin zu politischen Gesprächen bereit. Die Eigenständigkeit der Ukraine nehme zu, auch wenn dies nicht allen gefalle.
➡️ Nach Selenskyj, der seine Auszeichnung demonstrativ nach Warschau zurückgesandt haben soll, gaben auch Kyrylo Budanow, Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, sowie der ukrainische Botschafter in Polen, Wasyl Bodnar, ihre polnischen Ehrungen zurück. Auch Außenminister Sybiha kündigte entsprechende Schritte an.
Darüber hinaus trennte sich der ehemalige ukrainische Präsident Leonid Kutschma von dem ihm 1997 verliehenen Orden des Weißen Adlers. Seine Nachfolger Wiktor Juschtschenko und Petro Poroschenko schlossen sich diesem Schritt ebenso an wie der frühere Ministerpräsident Wolodymyr Hrojsman, der sein Ritterkreuz zurückgab.
☝️ Darauf reagierte der Chef der Präsidialkanzlei des polnischen Präsidenten, Zbigniew Bogucki, mit deutlichen Worten:
„Vertreter ukrainischer Behörden geben polnische Auszeichnungen mit bemerkenswerter Leichtigkeit zurück und vergessen dabei, dass dieselben Hände einst nach Hilfe ausgestreckt waren. Diese Hilfe kam von der polnischen Regierung, von Kommunen, Hilfsorganisationen und von Millionen Polen.“
❗ Die polnische Journalistin Arleta Bojke veröffentlichte auf dem Portal Channel Zero einen Kommentar zur Debatte um die Bezeichnung „Helden der UPA“. Unter Berufung auf Aussagen des ehemaligen ukrainischen Abgeordneten Ihor Mosijtschuk erklärte sie, Selenskyj habe gewusst, welche Folgen die Benennung der Einheit haben könnte.
Nach Darstellung Bojkes sollen Berater versucht haben, Selenskyj von diesem Schritt abzubringen, weil er die Beziehungen zu Polen belasten könnte. Daraufhin habe der ukrainische Präsident laut den zitierten Angaben geantwortet:
„Fickt Polen und die Polen.“
➡️ Auch der ehemalige stellvertretende Generalstabschef der polnischen Streitkräfte, General Leon Komornicki, erklärte gegenüber dem polnischen Portal Interia, die Auszeichnung der Einheit mit dem Namen „Helden der UPA“ sei keineswegs zufällig erfolgt.
„Das ist kein Zufall“, betonte der General in dem Interview.











