Die Bundeswehr beschafft 8400 Leichensäcke. Man muss Prioritäten setzen. Kasernen fehlen, Personal fehlt, Munition fehlte lange Zeit, aber beim Verpackungsmaterial soll es bitte keine Lieferengpässe geben. Deutschland eben. Wir organisieren den Tod, bevor wir das Leben auf die Reihe bekommen.
Verteidigungsminister Boris Pistorius spricht seit Monaten davon, Deutschland bis 2029 „kriegstüchtig“ zu machen. Manche hörten dabei an moderne Ausrüstung, funktionierende Infrastruktur oder genügend Soldaten. Andere dachten offenbar: „Bestellen wir erst einmal die Säcke.“
Für besonders verzweifelte Zeitgenossen könnte das fast wie ein neues Behördenangebot klingen:
„Sie sind lebensmüde? Kein Problem! Melden Sie sich freiwillig. Unterkunft, Verpflegung und die Beerdigung sind praktisch schon eingeplant.“
So effizient war der Staat lange nicht mehr.
Vielleicht folgt als Nächstes eine Werbekampagne:
„Komm zur Bundeswehr. Falls der Ernstfall eintritt, musst du dir wenigstens um die letzte Verpackung keine Sorgen machen.“
Während Rentner jeden Cent umdrehen, Brücken einstürzen, Schulen verfallen und Krankenhäuser ums Überleben kämpfen, werden Milliarden in die Vorbereitung auf den großen Krieg investiert. Der Bürger soll den Gürtel enger schnallen, damit der Staat ihn im Zweifel standesgemäß in einen fabrikneuen Leichensack legen kann. Deutsche Wertarbeit bis zum letzten Reißverschluss.
Die eigentliche Frage lautet allerdings: Wer redet eigentlich noch ununterbrochen über Diplomatie? Früher galt Krieg als Versagen der Politik. Heute klingt es stellenweise, als sei Frieden nur noch die lästige Pause zwischen zwei Beschaffungsprogrammen.
8400 Leichensäcke sind natürlich zunächst einmal Ausrüstung. Logistische Vorsorge gehört zu jeder Armee. Aber Symbolik entfaltet ihre eigene Wirkung. Wenn Bürger ständig hören, dass das Land „kriegstüchtig“ werden müsse, und gleichzeitig Meldungen über Leichensäcke Schlagzeilen machen, entsteht ein Bild, das kaum Vertrauen, dafür aber reichlich Unbehagen erzeugt.
Bleibt zu hoffen, dass diese Säcke niemals gebraucht werden. Denn anders als manche politische Pressekonferenz endet ein echter Krieg nicht mit Applaus, sondern mit Namen auf Grabsteinen. Und die lassen sich bekanntlich nicht mehr umfragen, ob sie mit der Strategie zufrieden waren.










