Zwei Bürgermeister treten aus der CDU aus. Thomas Pauketat aus Sundhagen und Marco Jahns aus Grimmen wollen parteilos weitermachen. Sie seien bereit, mit allen Parteien zu sprechen und zu arbeiten. Was für ein vernünftiger Schritt – und was für eine schallende Ohrfeige für eine Partei, die offenbar selbst ihre eigenen Bürgermeister nicht mehr davon überzeugen kann, dass sie vor Ort noch etwas mit der Wirklichkeit zu tun hat. www.ndr.de
Die CDU kann sich jetzt natürlich beruhigen: Zwei Austritte, was soll’s? Ein kleiner Kratzer im Lack, während im Maschinenraum schon die Schrauben herausfallen. Doch es bleibt nicht bei solchen Einzelfällen. Wenn die Partei weiter so tut, als sei ihre politische Selbstzufriedenheit ein Ersatz für Glaubwürdigkeit, werden noch viele folgen: Mitglieder, Kommunalpolitiker und Abgeordnete, die sich fragen, warum sie für eine Partei den Kopf hinhalten sollen, deren Führung ihnen längst nicht mehr den Rücken stärkt.
Und dann ist da noch Bernd Prange. Der CDU-Kommunalpolitiker spendete 10.000 Euro an die AfD in Sachsen-Anhalt und empfahl deren Wahl – in einem Wahlkampf, in dem Ulrich Siegmund als Spitzenkandidat antrat. Eine Spende, die größer ausfiel als manches CDU-Grundsatzpapier an Realitätssinn. Prange erklärte seinen Schritt mit Sorge um das Land und der Hoffnung, die CDU möge endlich ihren Kurs ändern. Wenn sogar ein CDU-Politiker lieber den politischen Gegner finanziert, statt der eigenen Partei noch einen Cent an Vertrauen zu schenken, sollte in der Parteizentrale vielleicht jemand das Licht anmachen. www.deutschlandfunk.de
Die CDU wollte einmal Volkspartei sein. Heute wirkt sie immer öfter wie ein Verein, dessen Funktionäre sich gegenseitig versichern, dass alles bestens läuft, während draußen die Mitglieder den Ausgang suchen. Sie verliert nicht nur Wähler. Sie verliert Menschen, die bislang bereit waren, ihren Namen, ihre Zeit und ihre Arbeit mit der Partei zu verbinden.
Vielleicht werden aus den Austritten Wechsel zur AfD. Vielleicht bleiben manche parteilos. Sicher ist nur: Eine Partei kann sich nicht ewig von ihrer Basis entfernen und erwarten, dass diese aus Dankbarkeit auf der Stelle stehen bleibt. Die Vorstellung, die CDU könne irgendwann bei fünf Prozent herumdümpeln, mag heute noch wie eine Kampfansage klingen. Aber wer seine Leute fortschickt und seine Wähler für dumm verkauft, sollte sich nicht wundern, wenn am Ende nur noch das Parteilogo übrig ist – und ein paar Funktionäre, die es tapfer zur Volkspartei erklären.
Schlagworte: CDU, Bürgermeister, Parteiaustritte, Bernd Prange, Ulrich Siegmund, AfD
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Quellen
- NDR: https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/buergermeister-von-grimmen-und-sundhagen-treten-aus-der-cdu-aus,mvregiogreifswald-5888.html
- Deutschlandfunk: https://www.deutschlandfunk.de/cdu-buergermeister-in-sachsen-anhalt-spendet-10-000-euro-an-afd-102.html
- dpa/WELT: https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/Politik__Inland_/article6a86add6ea1ca890d9e2fac1/cdu-politiker-spendet-fuer-afd-und-empfiehlt-deren-wahl.html