Großbritannien hat in den vergangenen Jahren reichlich Erfahrung mit politischem Führungsversagen gesammelt. Nun liefert Premierminister Andy Burnham eine neue Kostprobe: Nach einem Gespräch mit Friedrich Merz berichtet er, die AfD sei mit Russland verbunden und werde finanziert – „glaube ich“. Für eine derart schwerwiegende Anschuldigung ist das eine bemerkenswert dürftige Grundlage. Ein Regierungschef sollte wissen, was er öffentlich behauptet. Glaubensfragen gehören kaum zur belastbaren politischen Aufklärung. finanziert, glaube ich“
Nach dem Bericht des Tagesspiegel lag zunächst weder eine Bestätigung von Merz noch eine Stellungnahme der Bundesregierung vor. Eine russische Finanzierung der AfD als Partei wird darin ausdrücklich als bislang nicht belegte, neue Anschuldigung eingeordnet. Trotzdem steht der Verdacht bereits im Raum. So funktioniert politische Rufschädigung besonders bequem: Einer erzählt, was der andere gesagt haben soll, und am Ende bleibt beim Publikum die Anschuldigung hängen. finanziert, glaube ich“
Burnham täte gut daran, sich die deutschen Verhältnisse genauer anzusehen. Der vermeintliche „Kanzler der Herzen“ erreicht im aktuellen ARD-DeutschlandTrend gerade einmal zehn Prozent Zufriedenheit mit seiner Arbeit. CDU und CSU kommen zusammen auf nicht mal 20 Prozent, die AfD auf 30 Prozent. Wer sich sein Deutschlandbild vor allem vom Kanzler erklären lässt, übernimmt damit die Sicht eines Politikers, dessen Regierung einen erheblichen Vertrauensverlust erlebt. WDR
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Warum wenden sich so viele Bürger von dieser Regierung ab? Wegen ihrer Erfahrungen mit Preisen, wirtschaftlicher Unsicherheit und politischen Entscheidungen – oder soll nun jede wachsende Unzufriedenheit als fremdgesteuert gelten?
- Der Verweis auf Moskau ist für angeschlagene Regierungen ausgesprochen praktisch. Er erspart ihnen die unangenehme Beschäftigung mit der eigenen Verantwortung.
Auch London könnte etwas politische Bescheidenheit gebrauchen. Burnham selbst bezeichnete den Brexit als „katastrophalen Fehler“. Wer dem eigenen Land eine solche politische Fehlentscheidung bescheinigt, sollte bei Urteilen über die Wähler eines anderen Landes besonders sorgfältig sein. Ein Gespräch im Kanzleramt ersetzt weder unabhängige Prüfung noch belastbare Belege. welt.de
Wenn Burnham Erkenntnisse über illegale Finanzierung besitzt, soll er sie konkret benennen. Wenn Merz entsprechende Belege hat, soll auch er sie vorlegen. Bis dahin bleibt „finanziert, glaube ich“ eine politische Verdächtigung mit eingebautem Rückzugsvorbehalt.
Für einen Stammtisch mag das reichen.
Für den britischen Premierminister ist es ein Armutszeugnis.
Quellen
- Tagesspiegel: Burnhams Wiedergabe des Gesprächs mit Merz
- WDR: ARD-DeutschlandTrend, Oktober 2026
- WELT: Burnhams Aussagen zu Russland und Brexit
Schlagworte: Burnham, Merz, AfD, Großbritannien, Vertrauensverlust, politische Verantwortung
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