Satire
Endlich eine Nachricht, die Hoffnung macht: Im Wiener Bezirk Neubau gibt es beim Bezirksamt kostenlose Wasserflaschen, damit Hundehalter den Urin ihrer Vierbeiner verdünnen können. Das Projekt heißt „Schönes Gassi“. Selbst die Hundeblase hat jetzt ein kommunales Betreuungskonzept.
Ich bin begeistert. Mein Hundemädchen setzt sich auf die Wiese, macht Pipi, und ich darf anschließend nachgießen. Jahrelang hielt ich das für einen Spaziergang. Dabei war ich offenbar Leiter einer unzureichend ausgestatteten mobilen Kläranlage.
Bislang reichten Leine und Kotbeutel. Jetzt kommt das Flascherl zum Sackerl. Perspektivisch empfehle ich einen kleinen Tankwagen, einen Bodenfeuchtesensor und eine Warnweste mit der Aufschrift: „Achtung, Nachspülung!“ Wer einen Rüden hat, der an zwölf Stellen markiert, sollte gleich einen Hydrantenanschluss beantragen.
Natürlich muss auch der Regen eingebunden werden. Es wäre schließlich unverantwortlich, wenn ich morgens gewissenhaft nachspüle und nachmittags ein ungeschulter Wolkenbruch ohne Abstimmung dieselbe Fläche bearbeitet. Hier fehlt eindeutig eine Koordinierungsstelle.
Noch ist die Flasche ein freiwilliges Angebot. In meiner satirischen Vorschau folgt darauf der Sachkundenachweis „Begleitetes Wasserlassen I“. Die praktische Prüfung besteht darin, einem Dackel mit voller Flasche hinterherzukommen, ohne versehentlich den Prüfer zu bewässern.
Und meine Hündin? Die schaut mich an, als hätte ich den Verstand verloren. Sie pinkelt auf Gras. Ich gieße Wasser auf Gras. Dann regnet es auf Gras. Drei Beteiligte, ein nasser Rasen – aber nur einer davon braucht ein Projektlogo.
Quellen
Stadt Wien: „Gratis Flascherl zum Sackerl für Hundebesitzer*innen“
https://www.wien.gv.at/neubau/gassi-flascherl
Schlagworte: Wien, Neubau, Schönes Gassi, Hundehaltung, Verwaltung, Satire
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