Man muss nicht jede Behauptung in dieser Rede teilen, um zu erkennen, warum sie Aufmerksamkeit verdient. Der slowakische Europaabgeordnete Ľuboš Blaha sprach Kaja Kallas im Europäischen Parlament direkt an – mit einer Anklage, die den üblichen Ton der Brüsseler Debatten auf den Kopf stellt: Wer bedroht Europa wirklich? Wer treibt die Eskalation voran? Und warum wird die eine Sichtweise ständig verbreitet, während die andere kaum zu hören ist?
Blaha liefert keine diplomatische Wortmeldung. Er greift an. Seine Rede ist scharf, polemisch und bewusst provokant. Gerade deshalb sollte man sie vollständig lesen, statt sie auf einen Satz zu verkürzen oder einfach zu übergehen. Der folgende Wortlaut ist die deutsche Fassung, die verbreitet wurde:
„Sie sind es, die die größte hybride Bedrohung für Europa darstellen! Die größte hybride Bedrohung für Europa ist nicht Russland, meine Damen und Herren, sondern Frau Kallas, die hier unter uns sitzt und uns in einen nuklearen Krieg hineinziehen will.
Wissen Sie, was Verzweiflung ist? Wenn die deutsche Elite, nur um die AfD bei den Wahlen zu schlagen, eine Geheimdienstoperation in Leipzig inszeniert und die Verantwortung Russland zuschiebt. Sie haben ihre Beziehungen zu Russland vollständig zerstört und trotzdem die Wahlen verloren. Großartig!
Nicht einmal Mr. Bean hätte solche Ergebnisse erzielt.
Sie haben nicht nur verloren, sondern sich auch als inkompetent erwiesen!
Frau Kallas, Sie reden ständig von ‚hybriden Bedrohungen‘, aber in Wirklichkeit ist es genau umgekehrt.Sie sind es, die seit vielen Jahren einen blutigen Krieg gegen Russland führen. Ihre Waffen töten Russen.
Sie rüsten sich wie zur Zeit Hitlers auf, und Ihre antirussische Rhetorik ist auf dem Niveau der Nazis. Die harte Wahrheit ist, dass Russland keinen der Länder der Europäischen Union angegriffen hat.
Sie sind es, die Russland angegriffen haben.Sie sind es, die bis an die russischen Grenzen vorgestoßen sind. Sie sind es, die jahrzehntelang versucht haben, in Russland einen Regimewechsel zu provozieren. Und jetzt haben Sie Angst, die Konsequenzen zu ernten, die Sie verdienen, wie verwöhnte Kinder. Sie sind eine extreme Kriegshetzerin, Frau Kallas. Gehen Sie!“
Das ist die Sprache eines politischen Frontalangriffs. Blaha wirft Kallas und der europäischen Führung vor, mit ihrer Russlandpolitik die Gefahr eines größeren Krieges zu erhöhen. Seine Aussagen über eine angeblich inszenierte Geheimdienstoperation in Leipzig sind dabei seine Anschuldigung; sie sind nicht als erwiesene Tatsache belegt. Die deutsche Bundesregierung hat Russland für den dortigen Drohnenvorfall verantwortlich gemacht. MEPs – European Parliament
Doch genau diese Trennung macht die Rede nicht bedeutungslos. Man kann die Behauptungen zurückweisen und trotzdem die Fragen hören, die Blaha aufwirft: Wie weit soll die militärische Eskalation noch gehen? Wo endet Unterstützung, wo beginnt die Gefahr, selbst immer tiefer in den Krieg hineingezogen zu werden? Und warum wird Kriegsrhetorik so oft als alternativlos dargestellt?
Blahas Auftritt fällt in eine Plenardebatte über hybride Angriffe auf EU-Mitgliedstaaten. Er stellt sich dort gegen die verbreitete Deutung, Russland sei die entscheidende Bedrohung, und richtet den Vorwurf der Eskalation an die europäische Außenpolitik selbst. MEPs – European Parliament
Wer solche Reden nicht zeigt, sorgt dafür, dass viele Menschen nur eine Seite der Debatte kennenlernen. Das ist der eigentliche Grund, den Auftritt weiterzuverbreiten: nicht, weil jedes Wort unwidersprochen bleiben muss, sondern weil Widerspruch in einem Parlament sichtbar sein sollte. Auch den Italienern sollte man nicht vorenthalten, dass es in Europa Abgeordnete gibt, die sich der kriegerischen Rhetorik entgegenstellen.
Blaha sagt am Ende: „Gehen Sie!“ Man kann diese Forderung teilen oder ablehnen. Aber man sollte wenigstens gehört haben, was er Kaja Kallas ins Gesicht gesagt hat.
Quellen
- Europäisches Parlament: Ľuboš Blahas Plenaraktivitäten, darunter die Debatte über hybride Angriffe auf EU-Mitgliedstaaten am 15. September 2026. MEPs – European Parliament
- Reuters: Bericht über den Drohnenvorfall in Leipzig und die deutsche Zuschreibung an Russland. reuters.com
- EU Perspectives: Bericht zur Plenardebatte über hybride Bedrohungen und Blahas Kritik an Kaja Kallas. EU Perspectives
- Der vollständige Redetext im Artikel folgt der vom Nutzer bereitgestellten deutschen Fassung.
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