„Die Kassen sind leer.“
Diesen Satz hören die Deutschen seit Jahren. Deshalb steigen die Beiträge. Deshalb werden Leistungen gekürzt. Deshalb wartet man monatelang auf Facharzttermine. Deshalb werden Medikamente nicht bezahlt, Reha-Maßnahmen abgelehnt und jede Verordnung bis auf den letzten Cent geprüft.
Angeblich ist kein Geld da.
Und dann kommt heraus, dass Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen hunderte Millionen Euro in riskante Immobilienfonds gesteckt haben.
Nicht ihr eigenes Geld.
Nicht das Vermögen der Vorstände.
Nicht Bonuszahlungen der Geschäftsführer.
Es war das Geld der Beitragszahler.
Das Geld der Krankenschwester.
Das Geld des Handwerkers.
Das Geld des Rentners.
Das Geld von Oma Müller, die sich anhören darf, ihre dringend benötigte Behandlung sei „derzeit leider nicht wirtschaftlich“.
Wie zynisch kann ein System eigentlich noch werden?
Jeder normale Bürger weiß: Wer sieben Prozent Rendite versprochen bekommt, geht ein höheres Risiko ein. Das ist Börsen-Grundwissen. Aber ausgerechnet die Verantwortlichen von Krankenkassen, die gesetzlich zu einer besonders sicheren Geldanlage verpflichtet sind, wollen davon nichts geahnt haben?
Diese Ausrede ist geradezu beleidigend.
Denn eine Krankenkasse ist keine Investmentbank.
Sie ist kein Hedgefonds.
Sie ist kein Spielcasino.
Ihr einziger Auftrag lautet, die medizinische Versorgung ihrer Versicherten sicherzustellen.
Stattdessen wurde mit Pflichtbeiträgen spekuliert.
Mit Geld also, das den Menschen gar nicht freiwillig gehört, sondern das ihnen Monat für Monat zwangsweise abgenommen wird.
Und genau das macht den Vorgang so ungeheuerlich.
Wenn der kleine Sparer sein Geld an der Börse verliert, trägt er die Folgen selbst.
Wenn Krankenkassen Milliardenvermögen verspekulieren, tragen die Folgen Millionen Versicherte.
Dann steigen eben wieder die Zusatzbeiträge.
Dann heißt es eben wieder: „Leider müssen wir sparen.“
Nein.
Sparen müssen dann wieder die Bürger.
Die Verantwortlichen behalten ihre Posten.
Vielleicht gibt es eine Pressemitteilung, vielleicht einen Untersuchungsausschuss, vielleicht ein paar mahnende Worte.
Und das war es.
In jedem privatwirtschaftlichen Unternehmen würde man bei Verlusten in dieser Größenordnung sehr genau prüfen, ob Verantwortliche ihre Pflichten verletzt haben. Genau das muss auch hier geschehen. Sollten sich Verstöße gegen gesetzliche Vorgaben oder strafrechtlich relevantes Verhalten ergeben, gehören diese konsequent verfolgt.
Es reicht längst nicht mehr, mit den Schultern zu zucken und von einer „unglücklichen Kapitalanlage“ zu sprechen.
Es geht um das Geld von Millionen Menschen.
Es geht um Beiträge, die nicht freiwillig gezahlt werden.
Es geht um Vertrauen in ein Gesundheitssystem, das immer häufiger erklärt, warum angeblich nichts mehr finanzierbar ist.
Und während Oma Müller wochenlang auf ihre Behandlung wartet, während Krebspatienten um Medikamente kämpfen und Pflegebedürftige um jede einzelne Leistung streiten müssen, glaubten einige Funktionäre offenbar, sie könnten sich nebenbei als Fondsmanager versuchen.
Schuster, bleib bei deinen Leisten.
Wer eine Krankenkasse führt, hat Kranken zu helfen und Beitragsgelder sicher zu verwalten. Wer stattdessen mit Pflichtbeiträgen auf Renditejagd geht, hat seinen Auftrag verfehlt.
Nicht nur finanziell.
Sondern moralisch.
Und dafür darf es am Ende nicht wieder nur einen Achselzucker geben. Denn wenn für den normalen Bürger bei jedem kleinen Fehler der Rechtsstaat mit voller Härte zuschlägt, dann muss auch für diejenigen gelten, die mit Milliarden an Pflichtbeiträgen hantieren: Verantwortung ist keine Einbahnstraße.











