Wenn selbst Verbraucherschützer gegen niedrigere Preise sind – wen schützen sie dann eigentlich noch?
Der Begriff „Verbraucherschutz“ klingt zunächst eindeutig: Eine Organisation soll die Interessen der Verbraucher vertreten. Also die Interessen der Menschen, die täglich an der Zapfsäule, an der Supermarktkasse oder bei der Stromrechnung zur Kasse gebeten werden. Umso erstaunlicher wirkt es auf viele Bürger, wenn ausgerechnet Verbraucherschützer einen Tankrabatt ablehnen.
Die Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbands argumentiert, der Tankrabatt sei teuer, ineffizient und habe teilweise die Gewinne der Mineralölkonzerne erhöht. Das mag aus wirtschaftlicher Sicht diskutierbar sein. Doch aus Sicht vieler Autofahrer stellt sich eine ganz andere Frage:
Wenn der Benzinpreis sinkt, profitieren die Verbraucher. Warum ist man dann gegen eine Maßnahme, die genau das bewirkt?
Für Millionen Pendler, Handwerker, Pflegekräfte oder Familien auf dem Land zählt am Ende nicht die theoretische volkswirtschaftliche Analyse, sondern der Betrag auf der Zapfsäule. Wer jeden Monat mehrere hundert Euro für Mobilität ausgeben muss, spürt jeden Cent Unterschied unmittelbar im Portemonnaie.
Natürlich kann man darüber diskutieren, ob der Tankrabatt perfekt konstruiert war. Wahrscheinlich war er das nicht. Man kann kritisieren, dass ein Teil der Entlastung bei den Mineralölkonzernen hängen geblieben ist. Doch daraus automatisch die Schlussfolgerung zu ziehen, dass man eine Verlängerung grundsätzlich ablehnen müsse, wirkt auf viele Bürger befremdlich.
Denn die naheliegende Forderung wäre eigentlich:
Wenn ein Teil der Entlastung versickert, warum sorgt man nicht dafür, dass die Entlastung besser bei den Verbrauchern ankommt?
Stattdessen entsteht der Eindruck, dass die Maßnahme komplett verworfen werden soll.
Genau hier beginnt das Glaubwürdigkeitsproblem vieler Verbände und Organisationen. Immer häufiger entsteht der Eindruck, dass Funktionäre und Experten in Berlin über die Köpfe der Menschen hinweg entscheiden, was angeblich gut für sie ist. Die Betroffenen selbst sehen das oft ganz anders.
Der Autofahrer auf dem Land fragt sich schließlich nicht, ob eine Maßnahme volkswirtschaftlich elegant ist. Er fragt sich:
„Muss ich heute 1,80 Euro oder 2,20 Euro pro Liter bezahlen?“
Der Verbraucher hat dabei eine bemerkenswert einfache Vorstellung von Verbraucherschutz: Er möchte möglichst wenig bezahlen. Punkt.
Wenn eine Organisation, die sich Verbraucherschutz nennt, regelmäßig Positionen vertritt, die von vielen Verbrauchern als nachteilig empfunden werden, dann ist die kritische Nachfrage durchaus legitim:
Vertritt sie noch die Interessen der Verbraucher – oder längst andere politische und ideologische Ziele?
Diese Frage wird umso lauter, je stärker die Lebenshaltungskosten steigen und je mehr Bürger das Gefühl bekommen, dass sie zwar ständig geschützt werden sollen, am Ende aber trotzdem die Rechnung bezahlen.
Denn eines ist sicher: An der Zapfsäule schützt niemand den Verbraucher vor hohen Preisen. Dort zählt nur, was auf der Anzeigetafel steht. Und wenn der Preis sinkt, empfinden die meisten Menschen das zunächst einmal als etwas Positives – ganz unabhängig davon, welche Expertenmeinung gerade in Berlin vertreten wird.












