Nicht in unserem Namen

Es ist ein gefährliches Spiel, wenn politische Führungskräfte beginnen, von Blut, Opferbereitschaft und militärischer Entschlossenheit zu sprechen, als ginge es um abstrakte Planspiele auf einem Konferenztisch. Blut fließt nicht in Pressekonferenzen. Es fließt in Schützengräben. Es fließt auf Schlachtfeldern. Und es fließt bei den Söhnen, Töchtern, Vätern und Müttern gewöhnlicher Familien.

Frankreich und Europa sind bereit Blut zu vergießen

Wenn Präsident Emmanuel Macron davon spricht, Europa müsse bereit sein, Opfer zu bringen, dann sollte zunächst eines klar sein: Viele Europäer sehen das keineswegs so. Millionen Menschen wollen weder einen Krieg mit Russland noch eine weitere militärische Eskalation. Sie wünschen sich Diplomatie, Verhandlungen und eine Politik, die den Frieden mindestens genauso ernst nimmt wie die Aufrüstung.

Waffenlieferungen

Wer glaubt, immer neue Waffenlieferungen, immer höhere Rüstungsausgaben und immer schärfere Drohgebärden würden zwangsläufig zu mehr Sicherheit führen, sollte zumindest akzeptieren, dass es darüber in Europa sehr unterschiedliche Auffassungen gibt. Eine Demokratie lebt davon, dass solche Fragen offen diskutiert werden und nicht dadurch entschieden werden, dass jede Gegenposition moralisch diskreditiert wird.

Wehrpflicht

Ebenso kontrovers ist die Debatte über eine Ausweitung der Wehrpflicht oder militärischer Verpflichtungen. Wenn in Deutschland wieder darüber gesprochen wird, immer größere Teile der Bevölkerung für militärische Aufgaben zu erfassen oder Reservestrukturen auszubauen, dann weckt das bei vielen Menschen Erinnerungen, die sie lieber nie wieder erleben möchten. Die Geschichte Europas zeigt, wohin politische Fehleinschätzungen, nationale Überheblichkeit und militärische Eskalationsspiralen führen können. Die Bilder der zerstörten Städte nach 1945 sollten Mahnung genug sein.

Wer nach mehr Einsatzbereitschaft ruft, sollte sich auch der moralischen Frage stellen: Wer trägt am Ende die Last? Es sind selten diejenigen, die vor Kameras Reden halten oder in Regierungsflugzeugen zwischen Gipfeltreffen pendeln. Es sind die Soldaten an der Front und ihre Familien. Deshalb wirkt es auf viele Menschen befremdlich, wenn politische Eliten Opferbereitschaft einfordern, ohne selbst jemals den unmittelbaren Preis eines Krieges tragen zu müssen.

Keine Marionette Amerikas

Hinzu kommt eine geopolitische Sorge, die viele Bürger umtreibt: Europa darf nicht zum bloßen Schauplatz oder Werkzeug strategischer Interessen anderer Großmächte werden. Ob die Vereinigten Staaten, Russland oder China ihre jeweiligen sicherheitspolitischen Ziele verfolgen, ist Realität internationaler Politik. Umso wichtiger ist es, dass europäische Regierungen ihre Entscheidungen in erster Linie an den Interessen ihrer eigenen Bevölkerung ausrichten und sich stets fragen, ob jede weitere Eskalation tatsächlich der Sicherheit Europas dient.

Diplomatie?

Frieden entsteht nicht durch Naivität. Aber ebenso wenig entsteht er allein durch immer größere Arsenale. Am Ende werden Konflikte fast immer am Verhandlungstisch beendet, nachdem zuvor unzählige Menschen ihr Leben verloren haben. Gerade deshalb sollte Diplomatie niemals als Zeichen von Schwäche verstanden werden.

Europa braucht Politiker, die Brücken bauen können, nicht nur Frontlinien. Staatsmänner und Staatsfrauen werden nicht daran gemessen, wie überzeugend sie über den Krieg sprechen, sondern daran, ob sie ihn verhindern können.

Denn eines sollte niemals vergessen werden: Die Trümmer eines Krieges unterscheiden nicht zwischen Regierungsparteien und Opposition, zwischen Linken und Rechten oder zwischen Befürwortern und Gegnern einer militärischen Eskalation. Sie begraben am Ende ganze Generationen unter sich.

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