BMW verdient weiterhin Milliarden. Von einem unmittelbar bevorstehenden Absturz des gesamten Konzerns ins Minus kann deshalb keine Rede sein. Doch die jüngsten Zahlen sind ein deutliches Warnsignal: Im dritten Quartal 2026 sank der Nettogewinn um knapp 15 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro. Weltweit lieferte die BMW Group 6,3 Prozent weniger Fahrzeuge aus; in China brach der Absatz um fast ein Viertel ein. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern in seiner Autosparte nun eine EBIT-Marge zwischen minus 0,5 und plus 0,5 Prozent. Das ist eine drastische Korrektur der bisherigen Prognose von 1 bis 3 Prozent.
Auch das Sparprogramm wirft Fragen auf. BMW beendete die Anmeldung für das freiwillige Abfindungsprogramm schon nach weniger als drei Wochen, nachdem sich Tausende Beschäftigte gemeldet hatten. Die dafür vorgesehenen Kosten belasten die Bilanz zusätzlich. Dass so viele Mitarbeiter bereit sind, das Unternehmen gegen eine Abfindung zu verlassen, ist für sich genommen noch kein Beweis für eine Krise. Es zeigt aber, wie tiefgreifend der Umbau ausfällt – und wie viel Geld BMW dafür aufwenden muss.
Der Druck kommt nicht allein aus China. BMW steht weltweit in einem harten Wettbewerb. Hersteller aus Japan, Südkorea und China bieten Fahrzeuge an, die viele Käufer als preislich attraktiver wahrnehmen. BMW kann auf Tradition, Technik und ein starkes Markenimage verweisen. Doch ein großer Name allein rechtfertigt nicht jeden Preis. Wenn Kunden für ihr Geld bei anderen Herstellern mehr Ausstattung oder ein überzeugenderes Gesamtpaket bekommen, wird es für BMW schwieriger, seine hohen Preise durchzusetzen.
Zusätzlichen Ärger hat der Konzern mit dem Umgang mit einem AfD-Politiker ausgelöst. BMW zog ein zuvor unterbreitetes Leasingangebot für den Dienstwagen des neuen Landtagspräsidenten von Sachsen-Anhalt am Tag seiner Wahl zurück. Das Unternehmen äußerte sich nicht zu der konkreten Kundenbeziehung. Ein pauschaler Ausschluss aller AfD-Mitglieder vom Kauf oder Leasing eines BMW ist damit nicht belegt. Doch der Zeitpunkt der Absage und die öffentliche Debatte über die Haltung der Unternehmensführung haben bei vielen den Eindruck politischer Ausgrenzung entstehen lassen.
Ein Konzern darf eigene Werte vertreten. Aber wenn Kunden den Eindruck gewinnen, ihre politische Zugehörigkeit könne bei einer Geschäftsbeziehung eine Rolle spielen, muss BMW mit den Folgen rechnen. Käufer können sich für eine andere Marke entscheiden. Unter den Millionen Menschen, die AfD wählen oder ihr nahestehen, dürften auch viele potenzielle Autokunden sein. Wer diese Kundengruppe vor den Kopf stößt, sollte sich nicht wundern, wenn sie beim nächsten Autokauf andere Angebote prüft.
BMW muss sich deshalb nicht nur mit Absatz, Kosten und Modellpolitik beschäftigen. Auch die Außenwirkung der Führung zählt. Hohe Preise, sinkende Verkäufe und eine umstrittene politische Entscheidung ergeben zusammen ein ungünstiges Bild. Wenn die Verantwortlichen nicht überzeugen können, dass BMW sein Geld wert ist und Kunden unabhängig von ihrer politischen Haltung fair behandelt, könnte die Marke Schritt für Schritt Vertrauen verlieren. Den eigenen Niedergang beschleunigt ein Unternehmen manchmal nicht mit einem einzigen großen Fehler, sondern mit einer Reihe von Entscheidungen, die Kunden zum Wechsel bewegen.
Quellen:
BMW: Quartalsbericht zum 30. September 2026
BMW: Auslieferungen nach Regionen
Tagesschau: BMW zieht Leasingangebot zurück
Handelsblatt: BMW schließt Abfindungsprogramm
Schlagworte: BMW, Autoindustrie, China, Abfindungsprogramm, Wettbewerb, Kundenvertrauen, AfD
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