Das Mikrofon hat den Angriff schon erkannt
In Köln ist die Lage unübersichtlich. Menschen laufen, die Polizei kesselt, irgendwo wird geschrien. Zum Glück bleibt die wichtigste Frage sofort geklärt: Wer berichtet hier eigentlich?
Das Mikrofon trägt deutlich sichtbar die Aufschrift WELT. Falls also jemand zwischen Demonstranten, Polizei und Straßenlaternen den Reporter nicht als Reporter erkannt haben sollte, nimmt ihm das Logo jede Arbeit ab. Es steht da wie ein kleines blaues Leitschild: Achtung, hier wird gleich eine wichtige Geschichte über uns selbst erzählt.
Und tatsächlich: Der Reporter spricht von einem Angriff auf das WELT-Team. Die WELT-Seite fasst den Beitrag ebenfalls so zusammen. Damit ist die Dramaturgie komplett: erst das Mikrofon ins Bild, dann das Geschehen, dann die passende Hauptrolle – das Team, auf das es angeblich alle abgesehen haben.www.welt.de
Man möchte dem Mikrofon fast gratulieren. Es hat seinen Auftritt souverän gemeistert: gut lesbar, sauber positioniert und jederzeit bereit, aus einer unübersichtlichen Straßenszene eine WELT-Geschichte zu machen. Der Reporter muss dazu nur noch sagen, was das Bild längst verkündet: Wir sind hier. Wir sind WELT. Und offenbar geht es jetzt um uns.
Vielleicht sollte man das Format künftig gleich konsequent weiterentwickeln. Das Mikrofon bekommt einen eigenen Namen, einen Scheinwerfer und eine dramatische Titelmusik. Der Reporter darf dann im Hintergrund stehen und gelegentlich bestätigen, dass auch er anwesend war.
Für den Rest sorgt das Logo: Es erklärt dem Publikum, wer wichtig ist – und wer sich als Mittelpunkt der Szene versteht.
Mal schauen, ob es dafür wieder einen Preis gibt, für einen der mutigsten Jounalisten des Jahres.
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Quellen
WELT: „Kessel in Köln – Nach Ausschreitungen verlagern sich Proteste in Seitenstraßen“
Schlagworte: WELT, Köln, Gen-Z-Proteste, Reporter, Medienkritik, Satire
Hashtags: #WELT #Köln #GenZProteste #Medienkritik #Satire #Journalismus