Eine massive Kältewelle zusammen mit knappen Gasreserven wäre eine gefährliche Kombination. Noch ist das kein feststehendes Szenario: Die Winterprognose, auf die sich der verlinkte Bericht stützt, ist unsicher. Fachleute betonen, dass El Niño allein keine eisige Kälte in Deutschland vorhersagt. Aber gerade weil das Wetter nicht verlässlich planbar ist, muss die Vorsorge auf mögliche Extremwinter ausgelegt sein. tagesschau.de
Bei den Gasspeichern gibt es jedenfalls Anlass zu Fragen. Ende September lagen sie bei knapp 58 Prozent – deutlich niedriger als in vielen Vorjahren. Die Bundesnetzagentur hält die Versorgung derzeit zwar für stabil und die Gefahr einer angespannten Lage für gering. Doch niedrige Speicherstände machen das System anfälliger, wenn im Winter sehr viel Gas gebraucht wird oder Lieferungen ausfallen. Versorgungssicherheit darf sich nicht darauf beschränken, dass es unter normalen Bedingungen vermutlich reicht. WELT
Erst am 30. September wies Wirtschaftsministerin Katherina Reiche das bundeseigene Unternehmen SEFE an, bis zum 15. Dezember zusätzlich acht Terawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung – zugleich wirft sein Zeitpunkt die Frage auf, warum diese Vorsorge nicht früher getroffen wurde. Die Regierung hatte zuvor auf den Markt und ausreichende Importe verwiesen. Für den Aufbau einer strategischen Gasreserve ist die erste Befüllung sogar erst für den Sommer 2027 vorgesehen. WELT
Natürlich lässt sich nicht jede Kältewelle verhindern. Aber man kann sich auf sie vorbereiten: mit ausreichenden Vorräten, klaren Notfallplänen und einer Energiepolitik, die nicht erst dann reagiert, wenn das Risiko Schlagzeilen macht. Die Bundesregierung sagt, die Versorgung sei gesichert. Die Bürger dürfen trotzdem fragen, warum die zusätzliche staatliche Beschaffung erst jetzt angeordnet wurde – und weshalb eine strategische Reserve für den kommenden Winter noch nicht bereitsteht.
Wer Verantwortung für die Versorgung des Landes trägt, muss mehr leisten als beruhigende Einschätzungen für den Normalfall. Denn wenn sich ein extremer Winter tatsächlich mit knappen Vorräten verbindet, wäre die Kälte nicht die einzige unangenehme Überraschung. Dann müsste sich die Regierung erklären, warum sie die Warnzeichen zwar kannte, aber so spät handelte.
Quellen
- MSN: Winterprognose zu El Niño und Polarwirbel
- Tagesschau: Was Fachleute zu El Niño und möglicher Kälte sagen
- Bundesnetzagentur: Aktuelle Lage der Gasversorgung
- WELT/dpa: Reiche weist SEFE zu zusätzlicher Gasspeicherung an
- Bundesregierung: Pressekonferenz zum Aufbau einer strategischen Gasreserve
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