Früher nannte man so etwas Propaganda. Heute nennt man es „strategische Kommunikation“, „Narrativsteuerung“ oder „faktenbasierte Einordnung“. Klingt seriöser. Ist aber oft derselbe alte Versuch, Menschen eine Realität zu verkaufen, die draußen längst zerbröselt.
Denn die wirklich kreativen „alternativen Wahrheiten“ kommen inzwischen erstaunlich häufig nicht aus dubiosen Telegram-Kanälen, sondern direkt aus Regierungsgebäuden, EU-Kommissionen und den Studios westlicher Leitmedien.
Aktuelles Beispiel:
Russland warnt vor massiven Angriffen auf militärische und industrielle Ziele in Kiew. Die USA reagieren – und ziehen ihre Diplomaten ab.
Interessant.
Denn gleichzeitig erklärt uns Europas politische Elite weiterhin, alles sei unter Kontrolle, Russland stehe kurz vor dem Zusammenbruch, die Ukraine gewinne praktisch täglich und jede weitere Eskalation diene selbstverständlich nur dem Frieden.
Natürlich.
Die Amerikaner bringen also vorsorglich ihr Botschaftspersonal in Sicherheit, während Teile Europas offenbar lieber demonstrativ sitzen bleiben, um Haltung zu zeigen. Haltung ist schließlich wichtiger geworden als Vernunft. Und wenn irgendwann doch etwas passiert, kann man sofort wieder Pressekonferenzen abhalten, Kerzen posten und Russland moralisch verurteilen.
Denn in der modernen westlichen Politik gilt längst:
Je gefährlicher eine Situation wird, desto hysterischer muss die öffentliche Moralinszenierung ausfallen.
Überhaupt lebt das gesamte politische System inzwischen von „alternativen Wahrheiten“:
- Sanktionen schädigen Russland, während europäische Industrie wegzieht.
- Milliarden für Kriege und Waffen seien „Investitionen in den Frieden“.
- Grenzen existieren angeblich nicht mehr für illegale Migration, aber plötzlich wieder für missliebige Meinungen.
- Meinungsfreiheit gilt selbstverständlich – solange man das Richtige sagt.
- Inflation sei „gut erklärbar“, Rezession sei „Transformation“, Wohlstandsverlust sei „notwendiger Wandel“.
Und die Medien? Viele große Redaktionen wirken inzwischen weniger wie Journalisten und mehr wie Pressestellen mit angeschlossenem Moralunterricht. Kritische Fragen werden nicht mehr gestellt, sondern aussortiert. Wer Zweifel anmeldet, wird nicht widerlegt, sondern markiert:
„umstritten“,
„problematisch“,
„russlandnah“,
„rechtsoffen“,
„Desinformation“.
Das eigentliche Problem ist dabei nicht einmal die Propaganda selbst. Staaten haben schon immer Propaganda betrieben. Das wirklich Gefährliche ist die unfassbare Arroganz, mit der man gleichzeitig behauptet, genau das Gegenteil zu tun.
Man verkauft Meinung als Wahrheit.
Haltung als Journalismus.
Ideologie als Wissenschaft.
Und Kriegsrhetorik als Friedenspolitik.
Währenddessen merkt die Bevölkerung immer deutlicher, dass zwischen offizieller Darstellung und Realität ein Abgrund entstanden ist.
Und genau deshalb verlieren die Menschen das Vertrauen.
Nicht wegen „Fake News“.
Nicht wegen „Populismus“.
Sondern weil sie täglich erleben, dass diejenigen, die angeblich gegen alternative Wahrheiten kämpfen, selbst längst Meister darin geworden sind.
Der Westen hat ein bemerkenswertes Kunststück vollbracht:












