Boris der Friedensstifter – Mit Drohnenreichweite zu mehr Humanität

Sie haben das nicht wirklich verstanden oder? Wir erklären es ihnen mal.

Was für eine großartige Zeit, in der wir leben dürfen. Früher war Frieden ein ziemlich langweiliges Konzept: Diplomaten, Verhandlungen, Kompromisse, Abrüstung – furchtbar ineffizient. Zum Glück hat die moderne EU erkannt, dass echter Frieden erst dann entsteht, wenn man gemeinsam mit einem Kriegsgebiet Drohnen entwickelt, die 1.500 Kilometer weit fliegen können. Das ist Fortschritt. Das ist europäische Wertepolitik.

Und an der Spitze dieser humanitären Revolution: Boris Pistorius, der wahrscheinlich bald offiziell als Schutzheiliger der kontrollierten Eskalation verehrt wird. Der Mann schafft etwas historisch Einzigartiges: Er kann mit vollkommen ernster Miene über Frieden reden, während im Hintergrund neue Waffensysteme zusammengeschraubt werden. Das muss man erst einmal können. Andere brauchen dafür Satiriker. Pistorius macht es live und ohne Pointe.

Besonders beeindruckend ist die semantische Meisterschaft der EU. Ein Panzer ist heute praktisch ein mobiles Friedensseminar. Langstreckendrohnen sind fliegende Dialogangebote. Militärische Ausbildung für zehntausende Soldaten? Eigentlich Volkshochschule mit Tarnfleck. Und wenn irgendwo wieder Milliarden in Rüstung verschwinden, dann natürlich nur, weil Europa so unfassbar friedliebend ist.

Der normale Bürger versteht diese höhere Form der Friedenslogik einfach noch nicht. Wenn man Frieden will, muss man erst einmal genug Waffen produzieren, damit jeder versteht, wie ernst man es mit dem Frieden meint. Deshalb sind 1.500 Kilometer Reichweite auch so wichtig. Wahrscheinlich wäre alles darunter verantwortungsloser Pazifismus.

Und wie beruhigend zu hören, dass die Ausbildung ukrainischer Soldaten selbstverständlich auch „nach einem Waffenstillstand“ weitergehen soll. Denn nichts schreit so laut „Nachkriegsentspannung“ wie dauerhafte militärische Vorbereitung. Vielleicht plant man künftig auch Friedensgarnisonen, Entspannungspanzer und humanitäre Präzisionsraketen.

Die EU wirkt mittlerweile wie ein Feuerwehrmann, der mit einem Kanister Benzin zum Brand fährt und sich anschließend selbst für seine Löschkompetenz feiert. Aber wehe, jemand wagt die Frage, ob permanentes Hochrüsten vielleicht nicht automatisch zu Stabilität führt. Dann ist man sofort verdächtig, den europäischen Friedensprozess zu sabotieren.

Man muss sich das wirklich auf der Zunge zergehen lassen: Während die Bevölkerung über Inflation, Energiepreise und wirtschaftlichen Niedergang diskutiert, bastelt Europas politische Elite mit feierlicher Moralpose an immer größeren Werkzeugen der Eskalation – und verkauft das Ganze als „Sicherung des Friedens“. George Orwell rotiert inzwischen vermutlich mit Turbinengeschwindigkeit im Grab und erzeugt damit mehr Energie als manche deutsche Windkraftanlage.

Aber vielleicht ist genau das der neue europäische Traum: Krieg führen, dabei Frieden sagen und jeden für verrückt erklären, der den Widerspruch bemerkt.


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